Facebook, Fake-News und das Zensurproblem

Facebook ist schon lange nicht mehr das einfache Freundenetzwerk aus den Anfangstagen. Facebook ist zu einer wichtigen Meinungsplattform aufgestiegen, auf welcher jeder alles sagen und behaupten kann. Dies ist einerseits gut für die Meinungsfreiheit, andererseits ein perfekter Nährboden für sogenannte Fake-News.

Der Papst ist schwul“ oder „Deutschland ist kein souveräner Staat“ sind Behauptungen, welche sich auf Facebook ebenso gut finden lassen wie auf anderen Plattformen. Das kann man behaupten, das darf man unter Meinungsfreiheit sogar behaupten. Diese Erkenntnis wäre nicht sonderlich erwähnenswert und eigentlich der reale Normalzustand in unserer Gesellschaft. Wäre da nicht die virale Kraft der sozialen Netzwerke. Jeder kann mit seinem privaten Account die selbe Bekanntheit erreichen wie die Bild-Zeitung mit ihren über 2,2 Millionen Abonnenten.

Es gibt auf Facebook und auch auf vielen anderen Social-Media-Plattformen weder eine Vorauswahl noch einen Filter. Das entspricht dem erklärten Ziel der Betreiber: jeder Teilnehmer ist Sender und Empfänger zugleich. Man soll teilen, liken und anderen folgen. Der neuzeitlichen Egomanie entsprechend wird alles geteilt, was nicht bei Drei im virtuellen Papierkorb gelandet ist. Vom harmlosen Cappuccino-Bild angefangen bis hin zur verfassungsfeindlichen Volksverhetzung findet man in den Tiefen der Netzwerke alles.

Facebook wie auch Twitter und andere bekannte Plattformen handeln nach ihren amerikanischen Wurzeln. Es gibt bereits eine Zensurvorschrift, welche rigoros durchgesetzt: nackte Brüste oder Ärsche werden gnadenlos gelöscht. Die Prüderie lebt. Auf der anderen Seite hat Facebook kein sonderliches Problem mit Beiträgen, in denen beispielsweise der Holocaust geleugnet wird. Dies fällt schließlich unter das amerikanische Verständnis von Meinungsfreiheit.

Bei der letzten US-Präsidentschaftswahl 2016 kam jedoch ein neues Problem hinzu: Fake-News. Und da wurden selbst die amerikanischen Freunde wach. Die Lager von Donald Trumpp und Hillary Clinton beschuldigten sich gegenseitig, mit gefälschten Nachrichten den Gegner benachteiligt zu haben. Und auch in Deutschland wächst die Sorge, dass zur nächsten Bundestagswahl im Oktober 2017 die Fake-News einen entscheidenden Einfluss haben könnten. Was also tun? Eine systematische Zensur möchte man vermeiden, die Meinungsfreiheit aber auch nicht unkontrolliert wuchern lassen.

Bei Facebook soll dies für das deutschsprachige Gebiet nun eine Stiftung namens „Correctiv richten.  Correctiv soll unabhängig agieren. Die 11 Mitarbeiter dürfen Beiträge als Falschmeldung kennzeichnen, es soll jedoch nichts gelöscht werden. Doch was passiert mit zynischen Beiträgen? Wie offensichtlich muss Satire gekennzeichnet sein, damit sie nicht fälschlicherweise als Falschmeldung eingestuft wird? Wie werden Beiträge überprüft, zu denen es keine umfassende Meldelage (der Nachrichtenagenturen) gibt? Und wie werden Boulevard-Nachrichten der großen Medienhäuser behandelt, welche öfters mal etwas unpräzise von der Wahrheit berichten?

Es gibt mehr offene Frage als passende Antworten. Wie kann ein 11-köpfiges Team das komplette deutschsprachige Facebook „sauber“ halten? Welches Interesse verfolgt Facebook bei der ganzen Sache? Sicherlich möchten sie keine Inhaltefilter oder Nachrichten-Streams von großen Verlagen einführen. Mit solchen Methoden könnte die Motivation der User schnell sinken, wenn der private „Informationsmüll“ keine Bedeutung mehr hat. Dazu zählen auch Lobbyvereinigungen oder ungeliebte „Alphatiere“ wie beispielsweise ein Bernd Höcke.

Soziale Netzwerke ziehen ihre Existenz daraus, dass es bei ihnen kein Down-to-Top-Prinzip gibt. Von der privaten Meinung bis zur weltweiten Verbreitung ist es quasi nur ein Mausklick. Dazwischen gibt es kein prüfendes Korrektiv wie Journalisten oder Nachrichtenagenturen. Was anfangs wie eine neuzeitliche Innovation aussah, entwickelt sich immer mehr zu einem Problem. Die Lage wird durch Algorithmen zusätzlich verschärft. Wer beispielsweise nur noch fremdenfeindliche Beiträge liest, bekommt über kurz oder lang auch nur noch passende Inhalte angezeigt. User-Content-Optimierung nennen die Fachleuchte so etwas. Auch dies wurde anfangs als hilfreich betrachtet und ist mittlerweile mehr Fluch als Segen.

Die anschließende Frage ist daher nicht, wie speziell Facebook sich aus der Fake-News-Falle befreien kann. Vielmehr stehen alle sozialen Netzwerke auf dem Prüfstand. Wenn die Richtigkeit einer Meldung keine Relevanz mehr hat, dann brauchen wir auch keine Bildung mehr. Forschung und Wissenschaften sind dann nur noch Hokuspokus von ein paar wirren Menschen. Und was man nicht mit eigenen Augen gesehen hat, ist ausgedacht von der Lügenpresse.
Die Erde ist eine Scheibe. Definitiv!

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