Deutsche Internet-Startups: im Land der Online-Shops

Wir Deutschen gelten als sauber, gründlich und pünktlich. Doch im Internet sind wir weder innovativ noch besonders mutig. Und dies obwohl hierzulande die Voraussetzungen mustergültig wären.

Die Entwicklungen im Internet werden dominiert durch amerikanische Firmen. Wenn jemand das Wort „Weltkonzern“ in die Runde wirft, denkt die Mehrheit dabei zuerst an Google, Facebook oder Amazon. Und in der Tat kommen die wichtigsten Entwicklungen ausschließlich aus den USA. Ob nun die Internet-Telefonie von Skype, E-Commerce-Plattformen wie ebay oder Soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste wie Twitter.

Die deutsche Internet-Szene ist dagegen weder zukunftsweisend noch sonderlich mitreißend. Man übt sich hierzulande mit der deutschen Gründlichkeit, gepaart mit Effizienz und Genauigkeit. Dabei kommt ein Internet-Shop nach dem anderen zum Vorschein. Wir können mittlerweile alles im Internet bestellen: Schuhe, Waschmaschinen oder Unterhosen. Von der Designer-Häkeldecke bis zur Fair-Trade Vollmilchschokolade ist alles zu haben. Doch echte Innovationen sucht man vergebens.

Nicht nur Chinesen verstehen die Kunst des Kopierens. Auch in deutschen Büros wird munter abgekupfert und plumper als es je ein Asiate tun würde. Die Samwer-Brüder (Jamba, Zalando) verdienten ihr erstes großes Geld mit einer primitiven Kopie des amerikanischen ebay. Bei einem US-Trip hatten sie die Tauschplattform gesehen, dabei das große Potential erkannt und in Deutschland die Abacho AG gegründet. Wenig später wurde Abacho von ebay aufgekauft. Auch MyVideo ist nur ein billiger Klon von Youtube. Und studiVZ beziehungsweise die ganze VZ-Familie ist ein müder Abklatsch von Facebook.

Berlin gilt momentan als der hippe Inkubator für die Internet-Gründerszene. In keine andere Metropole fließt derzeit so viel Risikokapital wie nach Berlin. Doch die Ergebnisse sind eher überschaubar, wie auch so mancher Leser beobachtet. Da ist zum Beispiel DaWanda, eine E-Commerce-Platfform zum Handel von Designer(?)-Ware. Oder rebuy, eine Re-Commerce-Plattform zum Rückkauf gebrauchter Gegenstände. Oder ganz einfallsreich: betterplace, die selbsternannte transparenteste Spendenplattform der Welt. Einen Hauch von Innovation besitzt Soundcloud, eine Distributionsplattform für Musik mit einem gelungenen Online-Player und einer Kommentarfunktion.

Es entsteht nicht jeden Tag eine Anwendung wie WhatsApp. Darum geht es in dieser Kritik auch nicht. Niemand hätte beispielsweise vor ein paar Jahren voraus ahnen können, dass eine simple Bildmodifikations-App mit Cloud-Anbindung zu einem weltweiten Hit werden würde. Vor knapp einem Jahr wurde Instagram für eine Milliarde US-Dollar von Facebook aufgekauft. Zu dieser Erkenntnis gelangte auch Alexander Becker von meedia.de, jedoch bereits vor über 3 Jahren: „Ich möchte aus Deutschland einmal ein einziges Startup wie Skype, Spotify, Twitter oder DropBox sehen.

Den allermeisten Internet-Neugründungen fehlt die Substanz. Es wird wild kopiert und versucht, auf jeder neuen Welle mit zu reiten. Doch wo bleiben so tolle Ideen wie beispielsweise Spotify? Fehlt es am Mut? Oder an fähigen Leuten? Oder ist es ganz einfach der nicht vorhandene Freigeist? Die Frage des Geldes kann es hingegen nicht sein. Denn wenn man sich die Tausenden Internet-Shops anschaut, die im deutschen Internet nach Kundschaft buhlen, dann muss genügend Investitionskapital vorhanden sein.

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Eine Antwort zu Deutsche Internet-Startups: im Land der Online-Shops

  1. Matthias 18. August 2014 um 15:32 #

    „Die ganze VZ-Familie ist ein müder Abklatsch von Facebook“ Häää? So ein Quatsch!!

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