Facebook in der Kommerzfalle

Kritik zu üben gegen das größte soziale Netzwerk der Welt, ist unpopulär. Schnell hagelt man sich das Manko eines Außenseiters ein oder gilt als einer von Vorgestern. Gern kommen auch Vergleiche mit völlig fremden Themen. Nach dem Motto: wir würden heute noch auf Bäumen leben, wenn man so technikfeindlich wäre wie Du. Um es gleich zu Beginn zu erwähnen: jeder soll Facebook nutzen, wenn er möchte. Doch sehr viele machen sich überhaupt keine Gedanken zu diesem Portal und deren (Spät)-Folgen.

Gern wird bei Facebook von den Medien kritisiert, dass man seine Privatsphäre öffentlich macht und den Ausverkauf der eigenen Daten voran treibt. Dies ist richtig, doch im Grunde auch nicht viel anders als bei anderen Plattformen und Portalen, bei denen viele Personen und somit viele Daten zusammen kommen. Es ist ja auch immer nur eine Frage der Herangehensweise. Wenn ich bis auf die Lieblingsfarbe meines Toilettenpapieres alles in Facebook veröffentliche, muss ich mich nicht wundern, dass Firmen sich die Finger nach den Daten lecken. Wer beim Einkaufen Bonuspunkte mit seiner Kundenkarte sammelt, geht ebenso fahrlässig mit seinen Daten um. Bei vielen herrscht die landläufige Meinung: da passiert doch nichts Schlimmes, wenn die Firmen wissen, welche Schokoladenmarke ich bevorzuge.

Facebook ist eine Datenkrake. Solche Sammelmonster haben gemeinsam, dass sie mit den Daten einen Profit erzielen wollen. Denn aus gutem Gemeinsinn arbeitet keines dieser Unternehmen. Die Gefahren dieser Datensammler sind jedoch vielschichtiger, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Ich weiß, wenn Du kennst.
Was ein Vorteil ist, wenn man alte Bekannte oder gar Verwandte sucht, kann an anderer Stelle ein entscheidender Nachteil sein. Der Personalchef kann durch ein offenherziges Facebook-Profil genau sehen, mit wem der Bewerber befreundet ist und welche anderen Interessen er hat. Ob dabei den Personalchef der Hang zur Heavy-Metal-Musik stört oder dass der Aspirant sich gern mit Personen aus dem politisch linken Lager abgibt, ist dabei egal. Es hat ihn schlicht und einfach nicht zu interessieren. Dennoch kann er sich leicht diese Informationen beschaffen.
Auch einem Stalker, Einbrecher oder schlichtweg Kriminellen wird die „Arbeit“ durch ein Facebook-Profil erleichtert. Das Social-Engineering des näheren Umfeldes wird zur Leichtigkeit. Schnell ist bei Freunden in Erfahrung gebracht, ob und wohin das „Opfer“ in Urlaub geflogen ist. Auch gilt: einmal einen Dummen gefunden, finden sich im näheren Umfeld noch weitere.

Der große Vorteil von Facebook ist eigentlich, nach Aussage von vielen eigenen Freunden, dass man durch dieses Portal immer genau weiß, was seine Freunde so machen. Man ist immer auf dem Laufenden. Das stimmt allerdings nur so weit, so lange die Mitglieder das Portal auch nutzen. Nach einer simplen Registrierung mit Verlinkung erfahre ich immer noch nicht viel mehr über meine Online-Freunde als vorher. Karteileichen sind reichlich  ineffizient.
Bei vielen kommt es zudem zu einer wahren Jagd nach Verlinkungen. Da verliert man in der Masse schnell den Überblick. Keiner kann mir erzählen, dass man bei 100 Freundes-Freunden noch genau weiß, was die einzelne Person so alles macht. Und wie gesagt: eine simple Verlinkung bringt noch keinen Unterschied zu meinem Telefonbuch.
Facebook lebt von aktiven Nutzern. Doch mein Tag hat leider nur 24 Stunden. Ich muss arbeiten, E-Mails beantworten, einkaufen gehen, Sport treiben, sollte aber auch ständig twittern und meinen Freundeskreis bei Facebook auf dem Laufenden halten. Wenn man sich gern zum Sklaven von Facebook und Co. machen will, bitte schön. Ich möchte meine restliche und kostbare Freizeit jedoch nicht auch noch ausschließlich im Internet verbringen.

Der Kommerz hat Einzug gehalten.
Ein für mich sehr großer Nachteil ist die schleichende Kommerzialisierung von Facebook. Früher waren nur reale Personen angemeldet und früher konnte man sich auch nur mit realen Personen verlinken. Heute kann jede Firma, jeder Verein und jede Gruppe einen Facebook-Account sich zulegen. Dem Mc-Donalds-Konzern folgen beispielsweise ca. 7 Millionen Menschen. Die Kaffeehaus-Kette  Starbucks kann sogar annähernd 20 Millionen Freundesverlinkungen für sich verbuchen. Bei all diesen Konzernen gibt es kein natürliches Interesse an Neuigkeiten oder gar persönlicher Verbundenheit. Da geht es einzig und allein um die Markenzugehörigkeit. So wie die einen gern Adidas-Klamotten tragen und sich damit freiwillig zum Werbeträger des Konzerns machen, so drücken andere durch ihre Facebook-Verlinkungen ihre Verbundenheit aus. Meine Freunde sind die und der, zudem höre ich gern Musik von Madonna, gehe gern bei McDonalds essen und wähle die CDU. Fertig ist ein – zwar relativ oberflächliches – aber dennoch vollständiges Profil eines Menschen.

Ein Großteil der Facebook-Nutzer macht sich freiwillig zu Werbeträgern der Industrie. Auch wenn für sich gesehen nicht viel Werbung bei Facebook zu sehen ist, so ist fast jedes Profil durchzogen von Verlinkungen zu Firmen. Die stille Werbebotschaft lebt.
Ich würde Facebook gerne nutzen, aber ich werde erschlagen von Unternehmensseiten, Querverlinkungen und Anwendungen für alle möglichen Fälle. Und jedes Mal wenn ich von Freunden eine Verlinkungsanfrage bekomme, muss ich erklären, wieso mein Facebook-Profil so tot ist, wie es eben ist. Ich habe mich eben nur registriert, damit mein Profilname nicht von jemanden anderen weg geschnappt werden kann.

Facebook war mal als grandiose Idee geboren worden. Ein Telefonbuch mit Netzanschluss sozusagen. Doch mit der Öffnung hin zum Kommerz verkommt Facebook immer mehr zur Spielwiese der Unternehmen. Ein Profil ist in wenigen Minuten erstellt. Dann noch eine App dazu, welche die Markenbindung verstärkt, und fertig ist ein kostengünstiger Multiplikator fürs Internet. Die Masse sorgt selbständig für die Verbreitung des „Virus“.

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