Bezahlen fürs Werbefernsehen

Als Vorstand hat man es nicht leicht. Macht man nichts, wackelt bald der Nachfolger am Chefsessel. Sagt man hingegen etwas, wird es sofort auf die Goldwaage gelegt. Diese Erfahrung hat nun auch Vorstandschef Thomas Ebeling der ProSiebenSat.1 AG erfahren dürfen. Im Vorfeld der Münchner Medientage hatte er seinen Unmut darüber geäußert, dass die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehsender Milliarden Euro an GEZ-Einnahmen bekommen und faktisch eigentlich Pay-TV sind. Denn auch Herr Ebeling plant für gewisse Sender aus dem Portfolio von Pro-Sieben, Sat.1 und Kabel Eins eine Nutzungsgebühr zu verlangen.

Die Meldung schlug ein wie eine Bombe. Die Überschriften trugen so tolle Titel wie „Bezahl-TV“, „GEZ 2.0“ oder „Privatsender planen Pay-TV“. Nun, nichts davon ist wirklich neu. Und nichts daran ist wirklich spektakulär. Einen reinen Pay-TV-Sender gibt es bereits. Der hieß früher mal Premiere. Aber weil das Geschäft so bombig lief und die Abonnenten überaus bereit waren, über 30 Euro pro Monat an Abogebühren zu bezahlen, heißt der Sender nun Sky und hat einen anderen Finanzier. Auch bei RTL übt man sich schon fleißig im Pay-TV. Dort heißen die Sender RTL-Passion, RTL-Living und RTL-Crime und kosten 3 Euro pro Monat. Das Konzept ist so überwältigend genial, dass man auf diesen Spartenkanälen nicht nur Werbung zu sehen bekommt, sondern auch nur die billig produzierte TV-Ware der großen Tochtersender in einer Dauerwiederholungsschleife.

Und jetzt kommt auch noch ProSiebenSat.1 mit dieser Idee. Da muss Potential drin sein. Zumal man auch im eigenen Haus bereits ein paar Pay-TV-Sender hat: Sat.1 Comedy und Kabel Eins Classics. Das durchschlagende Konzept ist übrigens das selbe wie bei den Spartensendern von RTL. Etwas durch die Blume formuliert, hätte Herr Ebeling gern ein Stück von den GEZ-Einnahmen. Wenn das nichts wird, dann denkt man eben über eine Nutzungsgebühr nach. Da kann ich nur sagen: machen! Dem Land kann ein solch radikaler Schnitt in der Fernsehlandschaft sicherlich nicht schaden.

Wenn ProSiebenSat.1 für seine Hauptsender eine Gebühr einführt, dann spaltetet dies nicht nur die Gesellschaft sondern auch die Werbeeinnahmen. Ein nicht zu unterschätzender Teil der Bevölkerung würde den Verlust von Sat.1, Pro-Sieben und Kabel-Eins wohlwollend hinnehmen. Andere hingegen sehnen sich dann eben nach den Simpsons, Barbara Salesch oder dem Stefan Raab; die einen werden zahlen, die anderen werden es lassen. Und manch einer, wird gezwungenermasen die Gebühr blechen, weil sonst die Tagesplanung aus den Fugen gerät. Wenn ProSiebenSat.1 seine Sender zum Pay-TV umwandelt, dann wird sich zum ersten Mal im großen Experiment zeigen, wer Couch-Potato ist und wer statt dessen lieber mal die Glotze ausmacht. Auf den größten Teil der Schwurbel-Produktionen kann man gut und gerne verzichten. Und wenn der Fernsehentzug zu groß wird, dann ist eine Zoo-Reportage allemal noch besser als die unsäglichen Real-Doku-Soaps.

Aber dass die privaten Medienunternehmen nach mehr Geld für ihre hochwertigen und professionellen Inhalte schreien, ist nichts Neues. Bereits im Juli 2009 haben einige Hundert Verlage mit der Hamburger Erklärung ihre Medienkompetenz bewiesen. In der Hamburger Erklärung geht es um den Schutz des geistigen Eigentums. Die Verlage wehren sich gegen die ungefragte und entgeldfreie Verwertung ihrer Inhalte. Einige Wochen später wehrt sich nun ProSiebenSat.1 gegen den Rückgang der Werbeeinnahmen. Die einen wollen die ungefragte Verbreitung ihrer Inhalte unterbinden, und die anderen unternehmen demnächst alles, um die kostenfreie Verbreitung ihrer Inhalte zu unterbinden. Im Prinzip verfolgen beide Ansätze das selbe Ziel.

Ich kann mich nur wiederholen: Machen! Verschlüsselt den ganzen Dreck. Legt auf eure ach so hochwertigen Inhalte einen Login. Wer nicht bezahlt, der kann nichts aus euren Verlagen sehen oder lesen. Doch, so einfach hat man die Rechnung nicht mit Bertelsmann, Springer und Co. gemacht. Denn eines wird schnell vergessen: die Verlage und Medienhäuser brauchen die große Verbreitung, um ihre politische Richtung ins Land zu tragen. Daher wird es auch weiterhin kein Pay-TV bei Pro-Sieben geben. Auch die Bild-Zeitung wird man zukünftig für Null Cent im Internet lesen können. Aber man kann als Vorstandschef durchaus mal schlechte Laune verbreiten. Vielleicht reicht es ja für eine Urhebervergütungsabgabe vom Staat. Oder eben doch für ein GEZ 2.0.

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