Medientage-Kritik: Schuld sind immer die anderen

Vom 28. bis 30. Oktober fanden die 23. Medientage München statt. Es gilt als das große Treffen des who-is-who der Mediengiganten. Schon vor Beginn der Medientage äußerte Vorstandschef Thomas Ebeling der ProSiebenSat.1 AG seinen Unmut darüber, dass die Öffentlich-Rechtlichen dank der GEZ-Einnahmen tun und lassen können, was sie möchten. Als Vorschlag brachte er ein Nutzungsentgeld für die Sender Pro-Sieben, Sat.1 und Kabel Eins ins Gespräch.

Nun äußerte auch Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur von sueddeutsche.de seinen Unmut über Google. Er kritisiert, dass Google als „Gatekeeper“ das große Geld mit Nachrichten verdient, während die Verlage in die sprichwörtliche Röhre schauen. Dem kann man zum Teil zustimmen. Auf der anderen Seite zeigt es aber auch, wie verzweifelt die Branche auf ihre alten Tagen schielt. Früher, da gab es mal ein funktionierendes Abo-Geschäft. Doch die Zahl der Abonnenten nimmt immer mehr ab. Speziell die junge Generation besorgt sich ihre Informationen über das Internet. Und gerade die junge Generation legt eine andere Vorgehensweise an den Tag, als dies den Medienhäusern recht wäre.

Speziell die Dienste der News-Aggregatoren sind den Verlagshäusern ein Gräuel. Der Nutzer verschafft sich einen Überblick über die Nachrichtenlage nicht direkt auf den Seiten der Verlage sondern über spezielle Sammeldienste. Dass damit kein Geld zu verdienen ist, leuchtet wohl jedem ein. Doch darf man deswegen gleich Google und andere Dienste deswegen verurteilen? Sollte man sich statt dessen nicht einmal Gedanken darüber machen, wie man den jungen Leser besser motivieren kann, die eigenen Dienste zu nutzen? Nein, das wäre zu einfach. Statt dessen sind immer die anderen Schuld. Ob dies nun die GEZ-Einnahmen sind oder die News-Aggregatoren. An den Nutzer denkt dabei wohl keiner aus den Vorstandsetagen. Denn dazu müsste man sich ernsthafte Gedanken darüber machen, wie – gerade die jüngeren Nutzer – das Internet nutzen.

Die Verlage sind heutzutage getrieben von der Rendite. Qualitätsjournalismus kostet Geld. Da sind die Werbeeinnahmen eine äußerst wichtige Einnahmequelle. Auf der anderen Seite gibt es heute mehr private Blogs denn je. Auch der technische Fortschritt hat zu neuen Diensten geführt, welche die Beschaffung von Informationen und Nachrichten grundlegend verändert hat. Da ist nicht nur Google daran schuld sondern viele andere Entwickler auch. Und letztendlich ist es der Nutzer, welcher sich dem veränderten Angebot angepasst hat. Doch statt sich auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren, agieren die Verlags- und Medienhäuser wie im Affekt. Sie schimpfen auf die anderen, wenn die eigene Kasse nicht mehr stimmt. Man nimmt die rückläufigen Gewinne zum Anlass, entweder den Staat um Hilfe zu bitten oder alles und jeden zu verteufeln, der sich nicht nach den Vorstellungen der Mediengiganten verhält.

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