Swoopo war gestern. Heute ist 1234holsDir.
vom 30. Januar 2009Wem Swoopo zu undurchsichtig war und bei wem Swoopo ein eher flaues Gefühl in der Magengrube ausgelöst hat, der darf sich an dem jungen Portal 1234 hols-Dir erfreuen. Unter der etwas sinnfreien Internetadresse www.1234holsdir.de findet man den neusten Zugang der sogenannten Rückwärtsauktionen. Pro Gebot zahlt man 50 Cent. Dafür steigt der Verkaufspreis – gewöhnlich – um 10 Cent.
1234holsdir erinnert von Aufmachung und Funktionsweise an Swoopo. Auch die Produktpalette zielt in die selbe Richtung. Alle namhaften Hersteller sind vertreten: Nintendo Wii, Nintendo DS, Microsoft Xbox, Sony PS-3, Apple IPod, TomTom Navis und viele mehr. Eine ausladendes Schaufenster einer großen Elektronikkette könnte nicht verlockender wirken.
Einen entscheidenden Unterschied zu Swoopo gibt es allerdings: den Mindestbietpreis. Bei 1234holsDir reicht es nicht aus, einfach darauf zu lauern, dass irgendwann kein Konkurrent kein weiteres Gebot mehr abgibt. Nein, man muss auch den magischen Mindestbietpreis erreichen, um den Zuschlag erhalten zu können. Mit Schnäppchen ergattern hat dies reichlich wenig zu tun, denn der Anbieter verhindert durch diese Hürde schon von sich aus die Schnäppchen-Gefahr. Zur Anschauung nehme ich mal folgendes Angebot:
© Screenshot: 1234hols-Dir.de (Public Sales Business Group GmbH i.Gr.)
Ein Fujitsu Siemens Amilo Notebook mit einer UVP von 899 Euro und einem Mindestbietpreis von 179,90 Euro. Wir rechnen mal kurz nach .. Jedes Gebot kostet den Bieter 50 Cent. Dafür steigt der Bietpreis um 10 Cent. Um die Schallmauer von 179,90 Euro zu erreichen, benötigt man:
179,90 EUR / 0,10 EUR = 1799 Gebote
1799 Gebote * 0,50 EUR = 899,50 EUR Gebotskosten.
Der Gewinner bekommt in diesem Fall den Endpreis geschenkt. Doch dies ist nebensächlich, denn alleine schon durch den Kauf der Gebote verdient die Firma bereits mindestens so viel wie die UVP des Gerätes hoch ist. Das selbe Notebook bekommt man bspw. im Otto-Onlineshop hingegen bereits für 699 Euro – somit 200 Euro unterhalb der UVP.
Mit der Transparenz hält es 1234holsDir ebenso wie der Konkurrent Swoopo. Über die Bieter erfährt man rein absolut gar nichts. Weder eine vollständige Biethistorie kann man aufrufen, noch gibt es eine Kaufhistorie des einzelnen Bieters – damit man nachvollziehen kann, ob man es mit einem Zocker, Abzocker oder Neuling zu tun hat. Auch lässt sich durch die fehlende Transparenz nicht ausschließen, ob im Hintergrund automatisierte Bietagenten am arbeiten wären, welche im Namen der Firma die Gebote künstlich nach oben treiben würden. Den Spekulationen sind hier Tür und Tor geöffnet.
Interessant zu beobachten ist, dass auf dem Portal sehr wenig los ist. In den Abend- bzw. Nachtstunden gehen dort so gut wie gar keine Gebote ein. Doch oh Wunder, wenn man sich ein paar der beendeten Auktionen anschaut: wenn etwas über die Ladentheke geht, dann kämpfen gleich mehrere Bieter um das Produkt. Dies hinterlässt bei mir ein großes Fragezeichen – wo doch generell kaum Besucheransturm auf dem Portal herrscht.
Abschließend noch etwas aus der Rubrik “Recht und Ordnung”.
Im Impressum findet man den Firmennamen der GmbH, welche sich noch in Gründung befindet. So weit so schlecht. Denn seit Juni 2008 existieren bereits die AGB. Selbst 8 Monate später haben es die Inhaber immer noch nicht geschafft, die Gründung ihrer GmbH abzuschließen; normalerweise ein Verwaltungsakt von maximal 3 Monaten. Der dicke Brocken kommt aber bei den Registrierungsnummer. Sowohl die Steuernummer (St-Nr.) als auch die Umsatzsteuer-ID (Ust-ID) enthalten keine Angaben. Jede GmbH erhält vom Finanzamt eine Umsatzsteuer-ID, und diese sollte auch auf der Internetseite angegeben werden. Vertrauenswürdig sieht leider anders aus. Auch ist somit nicht ausreichend geklärt, ob mit einer fehlenden Ust-ID das Unternehmen überhaupt im geschäftlichen Maßstab handeln darf.
Und noch ein “Goodie” zu guter letzt. Der Anbieter scheint sich seiner Sache auch nicht so ganz sicher sein, und bittet Abmahnanwälte bereits im Impressum um Nachsicht. Bei Wettbewerbsrechtlichen oder ähnlichen Problemen wird darum gebeten, den Anbieter bereits im Vorfeld zu kontaktieren. Sollte dies nicht geschehen, werde man die Kostennote einer anwaltlichen Abmahnung im Sinne der Schadensminderungspflicht als unbegründet zurückweisen. Realitätssatire at it’s best.
Ein-hab-ich-noch. Der Geschäftsführer Peter Buegel von 1234holsDir arbeitet neben- oder hauptberuflich als Administrator für die Firma, welche das Auktionsportal entwickelt hat.
Update-I (5.2.2009):
Seltene Zufälle gibt es immer wieder. Keine zwei Tage nachdem dieser Beitrag erschienen ist, hat die Public Sales Business Group GmbH ihren Zusatz “in Gründung” von ihren Internetseiten entfernt. Dabei hätte man aber auch gleich das Copyright auf 2009 ändern können.
Update-II (10.2.2009):
Seit ein oder zwei Tagen hat sich der Geschäftsführer gewechselt. Nun ist der Rechtsanwalt Olaf Kaufmes alleiniger Geschäftsführer. Laut Handelsregisterauszug wurde die GmbH erst am 16. Januar 2009 eingetragen.
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