Der böse(?) Iran und sein erster Satellit im All

Kommentar

Kaum hat der Iran seinen ersten eigenen Satelliten ins All geschossen, kommen auch bereits sogleich die westlichen Experten angerannt und warnen vor einer neuen Gefahr. Offiziell heißt es aus der iranischen Hauptstadt Teheran, der Satellit diene ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Die westlichen Experten befürchten indes, dass der Satellit früher oder später zur Spionage eingesetzt wird.

Es ist verwunderlich, mit welcher Selbstüberlegenheit der Westen sich über die östlichen Länder hinweg setzt. Wo steht geschrieben, dass nur die westlichen Länder andere überwachen dürfen? Darf nur der Westen Atomraketen besitzen und der Osten muss zusehen, wie er sich der westlichen Überlegenheit unterordnet?

Es wird stets der westliche Maßstab zugrunde gelegt; sei es bei Menschenrechtsfragen, der Verteidigung und selbst bei der Innenpolitik. Welches Recht gibt uns (die westliche Kultur) die Legitimation, derart über andere Völker zu urteilen? Ist die westliche Kultur der Maßstab für alles? Sind die Ansichten der (fern)-östlichen Länder weniger wert? Wer legt die Definitionen für die sogenannten „Schurkenstaaten“ fest? Es ist wieder einmal mehr der Westen, der sich sich als Halbgott in Weiß hervor tut.

Die Differenzen erinnern mich an einen Streit zwischen zwei Nachbarn am Gartenzaun. Der „gute“ Nachbar richtet seine Kameras zur Überwachung gegen den „schlechten“ Nachbarn. Diesem verbietet man im gleichen Atemzug, selbiges zu tun. Auf gleiche Weise verhält es sich auch mit anderen Vorgaben bzw. Verhaltensweisen.

Wir sollten Länder wie den Iran nicht pauschal als Gegner sehen. Denn was soll der Iran davon halten, wenn man nicht als Partner sondern ständig nur als Gegner wargenommen wird? So können internkontinalte Partnerschaften nicht funktionieren. Doch die Regeln macht immer noch der überhebliche Westen.

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3 Antworten zu Der böse(?) Iran und sein erster Satellit im All

  1. Holger 4. Februar 2009 um 09:28 #

    Welches Recht gibt uns (die westliche Kultur) die Legitimation, derart über andere Völker zu urteilen?

    Natürlich kann man sich Hinrichtungen, Unterstützung von Terrorismus, Unterdrückung von Frauen oder Vernichtungsdrohungen gegen Drittländer auch als Teil nahöstlicher Kultur schönreden. Im Kern aber sind Menschenrechte etwas universelles.

    Um den Nachbar-Vergleich aufzugreifen: Wenn die liebe Nachbar sein Kind schlägt und dem Nachbarn gegenüber mit Mord droht, dann ist das nicht mehr seine Privatangelegenheit, die andere nicht zu kritisieren haben.

  2. der Mops 4. Februar 2009 um 13:18 #

    @ Holger:
    Ich denke Sie vermischen hier einiges.
    Hinrichtungen: da ist der Iran nicht alleine. Selbst westliche Kulturen (USA) richten Personen hin, und dies höchst offiziell.
    Unterstützung von Terrorismus: ohne die westliche Definition von Terror gäbe es diese Unterstützung gar nicht. Ein Teil ist wahr und unschön und ein Teil ist wohl westliche Propaganda, und damit unwahr und ebenso unschön.
    Unterdrückung von Frauen: man könnte pauschal sagen ‚andere Länder andere Sitten‘. Dass im Iran Frauen unterdrückt werden ist nicht ein Problem des Landes sondern der Kultur (Islam) und der ist in vielen Ländern anzutreffen.
    Vernichtungsdrohungen: da sollten wir als westliche Länder den Ball ganz Flach halten. Ich sage nur Golf-Krieg, Irak-Krieg, Afghanistaneinsatz, usw. Wer den Weltherrscher spielt, kann von seinen Gegnern keine große Gegenliebe erwarten.

  3. Holger 5. Februar 2009 um 20:00 #

    Lieber Mops, Sie können sicher sein, dass ich nichts vermische. Dass es auch in den USA Hinrichtungen (von Mördern!) gibt, ändert nichts, aber auch gar nichts daran, dass Dinge wie die Steinigung (wegen Ehebruchs!) ein abscheuliches Verbrechen ist.

    Diese Aufassung: „Unterstützung von Terrorismus: ohne die westliche Definition von Terror gäbe es diese Unterstützung gar nicht.“ erschließt sich mir nicht. Ist es Terrorismus, ein Restaurant in die Luft zu jagen und dabei auch den Tod vollkommen Unbeteiligter in Kauf zu nehmen, oder ist es kein Terrorismus? Gäbe es solche Morde nicht, wenn wir nur den Begriff „Terrorismus“ anders definieren würden? Das ist doch, mit Verlaub, hanebüchen. Den Mord an Unschuldigen mit „westlicher Propaganda“ gleichzusetzen, ist dagegen zynisch.

    Und Dinge wie die Zwangsverheiratung neunjähriger Mädchen oder die Ermordung von Frauen, die eine Schule besuchen wollen mit „andere Länder, andere Sitten“ vom Tisch wischen zu wollen, ist .. na ja.

    Und eines noch: Wenn der Westen verbrecherische Regimes bekämpft, ist das eine Sache. Dabei ist sicher nicht alles Gold, was glänzt. Aber die Vernichtung eines Volkes anzudrohen, ist schon etwas anderes.

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