OLG MünchenOLG München: Nicole Weber / pixelio.de

NSU-Platzvergabe: Ihr seid peinlich!

Seit Tagen streitet sich Verlage und Medien über die Platzvergabe beim NSU-Prozess. Das Gehabe erinnert mehr an einen unkultivierten Kindergarten als an professionellen Journalismus.

Der erste Versuch des OLG München scheiterte grandios. Bei den 50 zur Verfügung stehenden Plätzen konnte kein türkisches Medium einen Platz erlangen. Riesen Protest, Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, neuer Versuch der Platzvergabe. Dieses Mal per Losentscheid. Und kaum sind die Glücklichen gezogen, geht das Gejammer in die zweite Runde.

Eigentlich hatte das Oberlandesgericht dieses Mal alles richtig machen wollen. Man fasste die Bewerbungen in 3 Hauptgruppen zusammen:

  • Gruppe 1: In- und ausländische Nachrichtenagenturen: 5 Plätze
  • Gruppe 2: Fremdsprachige Medien und deutschsprachige Medien mit Sitz im Ausland: 10 Plätze
  • Gruppe 3: Auf Deutsch publizierende Medien mit Sitz im Inland: 35 Plätze

Und wie es das Losglück so wollte, gab es einige Überraschungen. Eine davon war, dass die „Brigitte„-Redaktion einen Platz zugesprochen kam. Nun weiß man aber, dass die Zeitschrift „Brigitte“ zum Gruner+Jahr Verlag gehört und damit prinzipiell zum selben Pool wie „Stern„. Doch so weit wollen die Berichterstatter dieses Landes derzeit nicht denken. Es geht um den erbosten Protest gegen ein Verfahren, welches erst noch beginnen muss.

Nicht berichten können „Frankfurter Allgemeine„, „Süddeutsche Zeitung„, „Die Welt„, „Tagesspiegel“ sowie „Zeit„, „Stern“ und „taz„. Die Herrschaften aus diesen Verlagshäusern sind nicht sonderlich glücklich über den Ausgang des Losverfahrens. Wer kann es ihnen verübeln. Doch ihr Benehmen lässt tief blicken. So prüfen „Die Welt„, die „FAZ“ und die „taz“ rechtliche Schritte gegen die zweite Platzvergabe; eventuell gar eine erneute Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht.

Özlem Topcu von der Wochenzeitung „ZEIT nannte in einem ZDF-Interview die beschämend wahren Gründe: „Da sind halt sehr sehr viele kleine Medien dabei mit geringer Reichweite. Bei uns ist es so, dass jetzt 1,5 Millionen Leser ausgeschlossen sein werden.“ Ein Kommentar des Deutschlandfunks bringt es passend auf den Punkt: „Und worum geht es nicht? Um uns. Die Journalisten.“ Die Hochglanz-Edeljournalisten nehmen ihre vielen potentiellen Leser quasi in Geiselhaft, um ihre selbsternannte Wichtigkeit damit zu unterstreichen. Und um damit ihre Teilnahme am Prozess als unabdingbar zu erklären.

Am Ende ist eh das Landesgericht an allem Schuld. So gab es dieses Mal den Fehler, dass der WDR seine Bewerbung vorher zwar zurück gezogen aber dennoch per Los gewählt wurde. Dieser Platz soll nun neu vergeben werden. Doch die Stimmen der Verlage und Journalisten werden nicht leiser. Sie werfen dem Gericht weiterhin vor, ungenügend auf die Bedürfnisse einer umfassenden Berichterstattung Rücksicht zu nehmen. Man könnte es jedoch auch anders sehen. Die Journalisten halten sich für wichtiger als die Opfer und Angeklagte in diesem Prozess.

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