Keine 500-Euro-Scheine, keine illegalen Geschäfte!?

Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt über ein Ende des 500-Euro-Scheines nach. Nach Aussage der Zentralbank würde dieser Euroschein hauptsächlich für Steuerhinterziehung und kriminelle Geschäfte genutzt. Eine Abschaffung würde dieses Problem lösen.

Manche Idee wirkt nicht nur auf den ersten Blick reichlich sinnfrei. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio äußerte sich vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel ganz nebenbei zum 500-Euro-Schein: „Es ist etwas, wovon die Leute gewöhnlich keinen Gebrauch machen, so dass das Zahlungssystem so etwas wohl nicht so dringend braucht„. Eine Abschaffung wäre daher „sicherlich eine Diskussion wert„. In dem man also einen speziellen Geldschein aus dem Markt nimmt, bekämpft man damit gleichzeitig Steuerbetrug und Kriminelle.

Man könnte den Vorschlag fast schon als kühn bezeichnen. Man löst das Problem mit den illegalen Geschäften einfach damit, in dem man den violetten Euroschein aus dem Verkehr zieht. Niemand würde auch nur im Entferntesten auf die Idee kommen, statt dessen einfach 200-Euro-Scheine zu nutzen. Zumal ich behaupte, dass gerade im kriminellen Milieu der 50-Euro-Schein eine viel größere Rolle spielt: Straßenstrich, Drogenkauf, Nachtclubs, Schutzgeld (= Tageseinnahmen). Zwar können mit 500-Euro-Banknoten einfacher große Transfers abgewickelt werden, doch der 50er ist wohl viel häufiger bei den Alltagsdelikten zu finden.

Bargeldumlauf, nach Banknoten getrennt (Stand März 2013):

  • 500€-Scheine: 291 Milliarden Euro
  • 200€-Scheine: 37 Milliarden Euro
  • 100€-Scheine: 168 Milliarden Euro
  • 50€-Scheine: 314 Milliarden Euro
  • 20€-Scheine: 57 Milliarden Euro

Ein Drittel des Gesamtwerts aller umlaufenden Euro-Noten entfällt auf die Banknote mit dem Aufdruck „500 Euro“. Dies ist verwunderlich, wo wir doch nur sehr selten einen 500er in den Händen halten. Fast 600 Millionen Exemplare der 500-Euroscheine existieren. Doch Schätzungen zufolge ist nur ein Drittel aller 500er-Banknoten im Umlauf. Zwei Drittel, und damit circa 200 Milliarden Euro, liegen in Schließfächern oder in sonstigen Verstecken.

Genau dieser Umstand empfinden viele als Problem. Offenbar gehen Experten davon aus, dass speziell Steuerhinterzieher und Kriminelle die 500-Euro-Scheine nutzen verstecken. Aus diesem Grund haben in der Vergangenheit viele Länder Banknoten mit einem derart hohen Wert abgeschafft; im Jahr 1969 die USA den 500-Dollar-Schein, im Jahr 2000 Kanada die 1000-Dollar-Note. Ein Fünftel aller 500-Euro-Noten ist übrigens in Spanien im Umlauf.

Die EZB versucht es mit einem Taschenspielertrick.
Die Begründung mit der Schattenwirtschaft und der Steuerhinterziehung sind nur vorgeschoben. Denn schlussendlich lassen sich illegale Geschäfte auch mit kleineren Banknoten tätigen. Es geht wohl eher um die Generierung von Geld. Denn laut unbestätigten Plan, soll für einen Umtausch nur ein relativ kleiner Zeitraum gewählt werden. Der Umtausch dürfte auch nur bei einer Bank in Euro-Zone durchgeführt und bei Transaktionen mit mehr als 10.000 Euro ein Nachweis über die Herkunft des Geldes erbracht werden.

Dazu Anastasios Vamvakidis, Währungsexperte bei der Bank of America/Merrill Lynch: „Dadurch würde de facto eine 100-prozentige Steuer auf illegale Vermögen erhoben.“ Denn alle Scheine, die nicht umgetauscht würden, könnte die EZB in ihrer Bilanz als Gewinn verbuchen. Und dies wären in diesem Fall etliche Milliarden. Rechtlich gesehen ist dieser Weg allerdings problematisch. Denn auch nach dem Aus-dem-Verkehr-ziehen einer Banknote, behält diese ihren Wert und kann bei Banken (respektive der EZB) weiterhin eingetauscht werden.

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