Die Öffentlich-Rechtlichen, Werbung und Programme

Wieso dürfen bzw. müssen Öffentlich-Rechtliche Fernseh- und Rundfunkanstalten Werbung machen? Ich sehe zum Beispiel hier in Berlin öfters in U-Bahnhöfen Werbung für den RBB und deren Radiosender. Warum? Reicht der Grundversorgungsauftrag nicht? Ist es quasi nicht egal, wie viele Hörer dem Sender lauschen? Auch für TV-Sendungen der Öffentlich-Rechtlichen wird ab und zu Werbung gemacht. Dies alles gehört wohl mit zum Grundversorgungsauftrag – nicht dass am Ende noch einer die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten vergisst und gar nicht mehr einschält.

Mit weniger gehts auch
Klamme Kassen bedeutet nicht zwangsweise eine Reduzierung der Qualität. Die englische BBC (British Broadcasting Corporation) macht es vor. Wegen Geldmangel muss man an den Programmen kürzen. Doch der Generaldirektor der BBC, Mr. Mark Thompson, möchte dabei nicht die Qualität reduzieren. Statt dessen werden einfach Sparten oder „überflüssige“ Sendungen eingestellt. Und, was in Deutschland fast utopisch klingen mag: er ist dabei, den riesigen Verwaltungsapparat zu reduzieren. Bis Ende 2007 werden von den 27.000 Beschäftigen ca. 2.900 entlassen werden. Ein weiteres Novum der BBC ist und bleibt, dass alle Sendungen völlig werbefrei ausgestrahlt werden.
Dass die BBC trotz geringerer Gebühreneinnahmen stets technologisch führend ist, bewies sie zuletzt mit der Einführung eines eigenen Online-Archives samt selbst entwickeltem Video-Codec.

Immer mehr
Bei der ARD und dem ZDF geht man hingehen den umgekehrten Weg. Dort heißt es: Quantität kommt vor Qualität. Oder wie lässt sich sonst das ausufernde Angebot der ÖR erklären? Wer schaut den all die Theater-, Info-, EinsFestival-Sender? Und wieso brauchen wir in manchen Bundesländern mehrere Landesstudios mit jeweils eigenständigen Vorabendprogrammen? Ich erwähne hier nur zu gern den WDR: WDR-Bielefeld, WDR-Essen, WDR-Düsseldorf, WDR-Aachen, WDR-Köln, WDR-Bonn, WDR-Siegen, WDR-Wuppertal, WDR-Duisburg, WDR-Dortmund, WDR-Münster. Die Landesstudios gleichen manchmal mehr einer regionalen Tageszeitung, in der über die Geburt jeder einzelnen Kuh berichtet wird. Landesbezogene Inhalte und Nachrichten sind wichtig und richtig, doch das Sammelsurium der ARD-Studios gleicht eher einem Tummelplatz zur Arbeitsbeschaffung. Statt mit spitzen Bleistift zu rechnen und nur das wirklich Nötigste zu senden, werden Geschichten aus dem Zoo-Leben in zigfacher Kopie erstellt.

Quantität vor Qualität
Die ARD unterhält 58(!) Hörfunksender. Wer soll das alles hören? Viele haben gar ein sich überschneidendes Repertoire. Kein Land auf dieser Welt unterhält so viele staatlich geförderte und vom Bundesbürger bezahlte Hörfunksender. Bei den digitalen Inhalten geht man bei der ARD und dem ZDF den selben Weg. Auf mehreren Verbreitungswegen werden ein und die selben Inhalte gleichzeitig ausgestrahlt. Ein Beispiel ist hier wieder der WDR (Westdeutsche Rundfunk). Für seine Landesstudios, 11 an der Zahl, belegt der WDR jeweils einen eigenen Kanal auf dem Satelliten Astra. Tagsüber ist auf allen 11 Kanälen das Hauptprogramm des WDR zu sehen. Nur zur Abendstunde wird dort auf jedem einzelnen Kanal das Programm des jeweiligen Landesstudios ausgestrahlt. Bei der ARD lautet angeblich das Motto: je mehr desto besser. Für kommunal interessierte Seher und Hörer mag dies zwar ein Mehrwert darstellen, doch geht der aufgeblähte Rundfunkapparat schlussendlich auf Kosten aller Gebührenzahler.

Werbung
Das Thema Werbung ist und bleibt ein Streitthema. Der ARD und dem ZDF stehen jährlich mehr als 7 Milliarden Euro zur Verfügung. Trotz dieser gewaltigen Summe versucht man indes ständig, noch mehr Werbung ins Programm zu drücken. Die Sender sind und bleiben gebührenfinanziert. Was hat dort also die Werbeflut verloren? Nur um beim Programm mit den privatwirtschaftlich agierenden Sendern gleich zu ziehen? Wieso brauchen ARD und ZDF ebenfalls so viele Daily-Soaps und Quizsendungen? Und ist es weiterhin gerechtfertigt, dass für die Bundesliga-Rechte mehr als 200 Millionen Euro aufgebracht werden müssen? Wo liegen die Grenzen?
Grenzen beim Geldausgeben kennt man bei der ARD um dem ZDF augenscheinlich nicht. Anders ist es nicht erklärbar, dass man öfters auch Werbung an öffentlichen Plätzen zu sehen bekommt. Ob nun in U-Bahnhöfen Werbung gemacht wird für den RBB-Hörfunksender radioBerlin oder EinsLive sich als Sponsor für kommerzielle Musikveranstaltungen gibt. Die Öffentlich-Rechtlichen verbrassen das Geld der Gebührenzahler auf allen Kanälen. Natürlich immer unter dem Deckmantel „Grundversorgungsauftrag“.

Kein Mut zu Veränderungen und alte Seilschaften
Die Öffentlich-Rechtlichen sind ein Tummelplatz von alten Bürokraten. In der Verwaltung gilt wohl der Grundsatz „Aussitzen und Fordern„. Man beweist keinen Mut für Veränderungen. Die Intendanten der einzelnen Sender kümmern sich nicht um die Belange der Gebührenzahler. Ihnen geht es wohl vorrangig um die Erhaltung ihrer Macht und um politische Einflussnahme. Ein Abbau von Stellen ist bei ihnen wohl ebenso unvorstellbar wie die Einsparung von ein paar Spartenkanälen. Solange man über die GEZ immer noch mehr Geld einfordern kann, wird dieses Spielchen auch die nächsten Jahre unvermindert weitergehen.
Das deutsche staatliche Rundfunksystem ist eh einmalig in der Welt. Um die Gelder der „Kunden“ einzutreiben, beschäftigt man über 1000 GEZ-Mitarbeiter. Aber auch an diesem System möchte bis dato kein Politiker etwas ändern; die Freundschaften zu den Intendanten sind wohl zu eng. Und schließlich sind dies 1000 Arbeitsplätze; finanziert und unterhalten von der Gemeinschaft. Ein Irrsinn ohne gleichen. Und wer glaubt, durch die Umstellung auf ein anderes Gebührensystem würden die Gebühren fallen oder zumindest stabil bleiben, verkennt den Geldhunger der Sendeanstalten. Dort denkt man in keinster Weise ans Sparen. Man argumentiert fadenscheinig mit der Begründung, dass bei geringeren Einnahmen die Qualität leiden würde.

Es wird Zeit für Veränderungen
Die Stimmung im Land ist nicht die beste, wenn man über die GEZ und die Geldverschwendung der Sender berichtet. Bei der Dickköpfigkeit unserer Landesminister und Intendanten ist dies auch nicht weiter verwunderlich. Es wird höchste Zeit, etwas an der Situation zu verändern. Denn mit abnehmender Akzeptanz zum derzeitigen Rundfunksystem sinkt auch die Bereitschaft,  weiterhin freiwillig über 17 Euro pro Monat für diesen riesen Staatsmoloch zu zahlen. Doch mit den selben Herren an der Spitze des Systems wird es keine Veränderung geben. Und so steuert das Gebilde aus GEZ, ARD und ZDF unweigerlich dem Crash entgegen. Auch wenn es grundsätzlich egal ist, ob eine millionenteure Sendung wie „Wetten dass …“ nur von einer handvoll Zuschauer verfolgt wird, so hängt der Erfolg und der Bestand der staatlichen Sendeanstalten doch primär von den Gebührenzahlern ab. Je mehr Personen der GEZ die rote Karte zeigen und die Bezahlung der Gebühren verweigern, desto stärker wird der Druck auf die Verantwortlichen. (Anm.: Dies ist kein Aufruf zum GEZ-Boykott)

Die BBC in England macht es vor. Beschwerden von den Zuhörern und Zuschauern gibt es dort bis heute keine. Also nur Mut! Veränderungen müssen nicht weh tun sondern müssen als Chance für die Zukunft gesehen werden.

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