Werbung, HD-Gebühr, Timeshift-Verbot

Das Thema ist brisant. Derzeit streitet sich die RTL-Group mit der Deutschen Telekom. Auf der einen Seite geht es um das TV-Angebot T-Home-Entertain (IPTV) der Deutschen Telekom und auf der anderen Seite um die Spartenkanäle von RTL (RTL-Living, RTL-Crime und Passion). Dem Fernsehsender RTL ist es ein Dorn im Auge, dass die Deutsche Telekom diese Spartenkanäle aus deren Entertain-Angebot genommen hat. Hinter der Geschichte steckt jedoch ein bisschen mehr als nur ein einfache Streichung des Angebotes. Es geht vielmehr um die Pfründe von RTL; man sieht wertvolle Einnahmequellen versiegen. Im Mittelpunkt steht jedoch der TV-Konsument, der zum Spielball von zwei Interessensgruppen wird.

Für privatwirtschaftlich finanzierte TV-Sender wie RTL gab es bis gestern nur eine große Einnahmequelle: die Werbung. Durch die laufenden Unterbrechungen des TV-Programms erwirtschaftet ein Sender wie RTL in einem Jahr Milliarden von Euro. Doch dem nicht genug. Die privat finanzierten Sender suchen nach neuen Einnahmequellen und haben sie gefunden. Das Zauberwort heißt HDTV. Für die Bereitstellung der hochauflösenden TV-Bilder haben die Privaten eine eigene TV-Plattform entworfen. HD+ (HD-Plus) soll die Privaten aus der wirtschaftliche Misere (!?) bringen. Für HD+ benötigt der Fernsehzuschauer einen Digital-Reciever mit einer Smart-Card – für den CI+-Slot  mit passendem CI+-Modul. Als Servicepauschale veranschlagen die Sender RTL und ProSiebenSat.1 eine Jahresgebühr von 50 Euro. Dafür erhält der Fernsehkonsument Zugriff auf das HD-Angebot der Privaten.
Für die Deutsche Telekom kam diese Jahresgebühr nie in Betracht. Für Kunden des Angebotes T-Home blieb der Empfang der privaten Kanäle weiterhin kostenfrei. Als „Bonbon“ sendete die RTL-Group zusätzlich zum normalen Programm ihre Spartenkanäle RTL-Living, RTL-Crime und Passion in das Netz von T-Home aus. Mit diesem Luxus ist nun Schluss. Die letzten Verhandlungen zwischen RTL und der Telekom sind gescheitert.

Auf die anteiligen 50 Euro Jahresgebühr könnte RTL sicherlich verzichten. Hinter dem Rückzug steckt daher etwas mehr als nur der Versuch zur Steigerung der Gewinnsteigerung. Besitzer eines T-Home-Recievers können Fernsehsendungen aufnehmen, zeitversetzt abspielen und was wohl am wichtigsten ist: die Werbung überspringen. Dieses sogenannte Timeshift-Verfahren war schon öfters Stein des Anstoßes. Die privatwirtschaftlichen Sender hatten schon des öfteren ein Verbot dieser Funktion gefordert, da damit ihr wichtigstes Instrument – die Werbung – nicht mehr zur Wirkung kommen kann. Doch ohne Timeshift würde auch prinzipiell die Möglichkeit zur Aufnahme wegfallen. Den TV-Sendern wäre dies recht. Der Konsument soll dann die Sendung schauen, wenn sie aktuell im Fernsehen läuft.
Ganz so recht ergibt sich jedoch kein rundes Bild. Denn auf der anderen Seite haben RTL und Pro-Sieben ihre Videoportale massiv ausgebaut. Bereits seit längerer Zeit kann man bei allen TV-Sendern sich die vergangenen Sendungen frei zugänglich im Internet anschauen. Es gibt zwar kleine Einschränkungen in der Qualität und der Verfügbarkeit. Doch im Großen und Ganzen kann man sich dadurch auch die Werbepausen sparen; es gibt sie in den Aufnahmen nämlich nicht. Noch nicht. Manche Sendungen gibt es hingegen nur gegen Bares. Ich möchte jedoch nicht wissen, ob viele Zuschauer bereit sind, für den stellenweise unterbelichteten TV-Schrott auch noch Geld auszugeben.

Der TV-Konsument hat die Wahl. Auf der einen Seite kann er sich für  jährlich 50 Euro in die Technikhölle einkaufen: neue TV-Gerätschaften, HD+, CI-Modul, Entschlüsselung und noch viel mehr Kauderwelsch. Zusätzlich verzichtet der Konsument „freiwillig“ auf die Möglichkeit der Aufzeichnung und auf das geliebte Timeshift. Dafür „schenken“ im die Sender so unwichtige und uninteressante Spartenkanäle wie RTL-Crime, Passion, Kabel-1-Classics oder Sat.1-Comedy. Oder der Konsument schaut einfach das, was kommt. Ohne zusätzliche Gebühr, ohne zusätzliches Studium von Technikbibeln, dafür aber mit dem kleinen Luxus der Aufzeichnung. Das Vollprogramm der Privaten glänzt schon jetzt nicht durch sonderlich hohe Qualität. Da ist es wohl egal, ob man statt TV-Müll nur TV-Schrott konsumiert. Die Macht hat glücklicherweise immer noch der Konsument.

Quelle: DWDL

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Eine Antwort zu Werbung, HD-Gebühr, Timeshift-Verbot

  1. peter B 7. Februar 2013 um 22:16 #

    Wieder extra bezahlen, für HD plusxyz? Mit der guten alten Röhre war das Bild genau so gut über Analog.
    Die Gier stoppt vor nichts. Ton extra, Farbe extra, dolby extra usw.Das nenne ich mal Gewaltabzocke.Achso hatte ich vergessen zu erwähnen das zwischen der Werbung auch noch Filmschnipsel zu sehen sind, von irgend welchen billig eingekauftem Amischrott (Serien)

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