Die EU – nur für die besten Staaten

Griechenland ist pleite. Zumindest wird uns dies derzeit von den Medien erzählt. Die faulen Griechen sind wohl daran schuld, dass der Euro derzeit so schwach gehandelt wird. Doch entspricht dies der Wahrheit? Und ist es gerechtfertigt, wenn nun ein paar populistische CSU-Politiker behaupten, man müsse Griechenland den Austritt aus der Europäischen Union nahe legen? Kann und darf es sein, dass die EU nur noch ein Staatenbund für das „Best-Of“ der europäischen Elite ist?

1. Griechenland ist nicht selbst schuld an der Krise

In Wahrheit sind es die Banken und ihre gierige Spekulationssucht nach hohen Gewinnen. Viele Banken haben Griechenland durch negative Optionen (Put-Optionsscheine auf die Staatsanleihen) noch endgültig in den Ruin getrieben. Normalerweise legt ein Land eine Staatsanleihe auf, um von fremden Personen und/oder Ländern Geld zu bekommen. Im Gegenzug erhält der Kreditgeber den vereinbarten Zins. Man kann allerdings auch darauf wetten, dass genau jene Staatsanleihe nicht die vereinbarte Laufzeit erreicht und der emittierende Staat vorher bankrott geht. Wenn man also möchte, dass ein relativ finanzschwacher Staat pleite geht, kann man ihn mit finanztechnischen Mitteln noch schneller in die Krise führen. Selbst die staatlich kontrollierte Postbank Griechenlands hatte 2009 eine Milliarde Euro gegen griechische Staatsanleihen gewettet und in 2010 einen saftigen Gewinn kassiert.

Die Banken sind sich keiner Schuld bewusst. Sie nutzen nur die vorhandenen Möglichkeiten des Marktes. Und da Griechenland Teil der EU ist, müssen die Mitgliedsstaaten den maroden Staat stützen. Derzeit geht es um ca. 10 Milliarden Euro Staatshilfe für Griechenland.

2. An der Krise verdienen

Griechenland zahlt derzeit 7 Prozent an Kreditzinsen. Deutschland erhält allerdings bereits ab 3 Prozent einen Kredit bei den Banken. Wenn wir also den Griechen einen Kredit mit ca. 6 Prozent gewähren, machen wir Deutschen noch einen Gewinn von 3 Prozent. Dieses Geschäft lässt sich wohl niemand ausschlagen. Pervers hingegen ist es allemal. Denn in erster Konsequenz sind es die Banken, die an der verherrenden Finanzsituation Griechenlands schuld sind. Die selben Banken verwehren dem Staat nun weitere Kredite, sodass Fremdstaaten einspringen müssen. Doch wer macht dies nicht freiwillig gern bei traumhaften 3 Prozent Zinsen. Da die Medien die Krise zusätzlich ständig schlecht reden, wachsen die Chancen für die kreditgebenden Staaten zunehmend.

3. Faul kontra gerissen

Es ist ein Affront sondergleichen, wenn deutsche Medien die Griechen als faul bezeichnen. Schade nur, dass die Griechen sich nicht wehren und mit „die Deutschen sind korrupt und gerissen“ zurück schlagen. Und der Vorschlag aus der CSU, man müsse Griechenland den Austritt aus der EU nahe gelegen, sollte erst gar nicht kommuniziert werden sonder gleich wieder in der Tonne verschwinden. Denn Griechenland ist ein äußerst wichtiger Handelspartner. Die deutschen Warenausfuhren betrugen im Jahr 2008 einen Wert von 8,3 Mrd. Euro. Im Gegenzug gehen ca. 10 Prozent aller griechischen Exporte nach Deutschland (1,9 Mrd. Euro im Jahr 2008). [Quelle: Auswärtiges Amt]. Auch die Investitionen deutscher Unternehmen sind nicht zu unterschätzen. Im Jahr 2008 hatten rund 130 deutsche Unternehmen mit über 19.000 Beschäftigten einem Gesamtumsatz von rund 6,9 Mrd. Euro in Griechenland erwirtschaftet. In Krisenzeiten zählt dies jedoch alles nichts.

Es ist derzeit nicht nur das „böse“ Griechenland, welches von einer Staatskrise gebeutelt wird. Auch Spanien und Portugal ergeht es ähnlich. Die Ausgangssituation ist jedoch fast die selbe wie in Griechenland. Renditesüchtige Banken haben diese Staaten allesamt in den staatlichen Ruin getrieben. Retten dürfen sie am Ende die finanzstarken Mitgliedsstaaten. Und wenn Politiker auf Stimmenfang gehen wollen, erzählen sie dem Volk etwas von faulen Griechen, korrupten Spaniern oder verlorenen Portugiesen. Bald kommt wohl auch wieder der Vorschlag aus Bayern, den Länderverbund Bundesrepublik Deutschland aufzuheben. Weil Bayern u.a. so finanzschwache Länder wie Mecklenburg-Vorpommern unterstützt.

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Eine Antwort zu Die EU – nur für die besten Staaten

  1. Harald M 15. Mai 2010 um 16:03 #

    Wir wurden nicht gefragt ob unser Land in der EU mitmacht, wir wurden nicht gefragt
    bei der Einführung des Euro, wir wurden nicht gefragt, die EU erweitert werden soll, wir wurden nie gefragt, ob unsere Wahlstimmen bei Koalitionen weiter gelten, obwohl sie für eine Partei abgegeben wurden,
    wir wurden nicht gefragt, ob und warum unsere Soldaten irgendwo in der Welt „die deutschen Grenzen verteidigen“ etc. etc.

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