Die AfD und der Wunsch nach Konservatismus

Viel wird über die AfD, der Alternative für Deutschland, diskutiert. Und selten wird verstanden, was die Menschen antreibt zu den Demonstrationen zu gehen. Und noch seltener wird hinterfragt, warum die AfD so beliebt ist. Eine Spurensuche.

Früher was das politische Gebilde deutlich einfacher, weil eindeutiger. Die Parteien waren klar ihren politischen Lagern zugeordnet. Wer Multikulti und Ökologie gut fand, wählte Die Grünen. Wessen Herz einen sozialen Schwerpunkt hatte, fühlte sich bei der SPD gut aufgehoben. Die Wirtschaft war das Kernthema der CDU. Und wer ausländerfeindlich geprägt war oder gar die NSDAP vermisste, der wählte früher Die Republikaner. Dazwischen gab es noch etliche Kleinstparteien, aber das war’s.

Betrachtet man das Ganze aus der geistigen oder sozialen Einordnung, so waren früher die Grünen die absolut Liberalen und die Rep’s die total Konservativen. Der Konservatismus hat eine lange „Tradition“ in Deutschland und ist eng mit Bismarck verbunden. Die frühen preußischen Tugenden wie Pünktlichkeit, Sauberkeit und Fleiß machen uns Deutsche zu dem, was wir (immer noch) sind.

Und heute? Die SPD und die CDU tummeln sich in der politischen Mitte, um möglichst viele Wähler zu erreichen. Die Grünen sind mittlerweile konservativer als manche SPD-Kreisgruppe. Und bedeutend rechte Parteien gibt es nicht mehr oder werden wie die NPD gar verboten. Politisch betrachtet ergibt dies eine graue Farbe, bei der man nur noch den Geschmack wählen kann. Und so lösen sich immer mehr Bürger von „ihrem“ Staat ab, weil ihnen ihre politische Heimat abhanden gekommen ist. Und damit hier und da auch die staatliche Identität.

Draußen hinter der Grenze hat sich die Welt weiter entwickelt. Klamotten werden schon lange nicht mehr in Deutschland genäht, die Elektronik kommt fast ausschließlich aus Asien und durch die offenen Grenzen blüht die Prostitution, der Drogenhandel und jeder kann kommen und gehen wie er will. Dies beeinflusst zwar nicht direkt die deutschen Tugenden, aber das Bild von good old Germany ist nicht mehr das selbe. Dies schafft Angriffsflächen für radikale Gedanken und für radikale Parteien.

Der konservative Deutsche

Es ist nichts verwerfliches dabei, konservativ zu sein. Ebenso wenig unsittlich ist der Liberale. Man kann sogar beides sein; im Beruf traditionsverbunden und im Privaten freiheitlich – oder anders herum. Unsere Kultur und unsere Geschichte macht uns jedoch mehrheitlich zu Konservativen. Es ist schwierig hierzu nachweisbare Quellen zu finden. Oft geht es nur um Einzelbetrachtungen wie Bräuche oder Kleidungsstil. Zusammenfassend könnte man schreiben: nach außen hin liberal, nach innen konservativ. Doch, und hier wird all zu gern der Fehler gemacht, wird mit dem Konservatismus immer eine Partei beziehungsweise eine politische Ausrichtung in Verbindung gebracht. Von den Wählern aber auch von den Parteien selber.

Die CDU wird schon seit längerem nicht mehr als die konservative Heimat betrachtet. Dies hat der AfD die Möglichkeit gegeben, diesen Bereich für sich zu beanspruchen. Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, bringt es mit einem Satz treffend auf den Punkt: „Ich fordere angesichts von Millionen Menschen, die unserer Kultur fremd sind, die überwiegend von Sozialleistungen abhängen und die oftmals weder integrationswillig noch integrationsfähig sind, eine Obergrenze von minus 200.000 im Jahr!“

Da sind sie wieder die deutschen Tugenden. Doch dazu zählt nicht nur der Gerechtigkeitssinn sondern auch Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Aber Ehrlichkeit ist in diesen Zeiten so wenig wert wie Journalismus. Die Lügenpresse ist zum geflügelten Wort geworden. Ein Inbegriff für alle publizierten oder medienwirksam verbreiteten Inhalte. Was nicht der persönlichen Meinung entspricht, wird mittlerweile gleichgesetzt mit einer Lüge. Zudem muss sich die freie Presse zunehmend mit Anfeindungen und Repressionen auseinander setzen.

Das Ding ist aus dem Ruder gelaufen

Wir leben in Deutschland in einer Demokratie. Die freie Presse gehört hier ebenfalls dazu wie die freie Meinungsäußerung. Und damit auch die Versammlungsfreiheit. Und so versammeln sich seit Monaten unter dem Motto „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes„, kurz PEGIDA, Tausende von Bürger in Dresden, Leipzig oder auch Erfurt. Die Versammlungen können als eine Art Frust auf die etablierten Parteien betrachtet werden. Doch längst hat sich die Idee verselbständigt.

Ob PEGIDA oder AfD-Veranstaltung, die verbalen Anfeindungen gegen Asylanten und generell gegen Ausländer nehmen zu. Auch werden Zusammenhänge zu brennenden Asylbewerberheimen vermutet. Man sieht die deutschen Werte in Gefahr. Die Bedrohung sucht man dabei ausschließlich bei den Ausländern. Doch der Großteil der Flüchtlinge kommt gerade wegen den deutschen Tugenden zu uns: weil es hier so schön sauber ist und Fleiß belohnt wird.

Da fragt man sich allerdings, wie das Fernsehen so Sendungen wie beispielsweise „Frauentausch“ (RTL-2) produzieren kann. Dort sind die deutschen Werte so weit entfernt wie der Katholizismus bei einem Islamisten.

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Eine Antwort zu Die AfD und der Wunsch nach Konservatismus

  1. Hubert L. 23. März 2016 um 14:27 #

    So dumm und simpel verblödend wie manche Fernsehsendungen sind auch die Auswirkungen auf die vor den Geräten sitzenden Zuschauern.
    Ich bin mir sicher, viele davon laufen dann in Dresden laut Parolen grölend über die Straße und laufen den Rattenfängern von PEGIDA hinterher.

    Ebenso wie ein Herr Bachmann gehörten aber auch andere geistige Brandstifter aus der Salafistenscene hinter Schloß und Riegel. Pierre Vogel verbreitet ungehindert seine Thesen, alles nur nicht zur Gewalt aufrufen und treibt so beeinflusste junge Leute weit gefährlicheren Demagogen in die Arme.

    Deutschland alleine hat es schwer mit den Flüchtlingen, Solidarität der anderen EU-Länder ist nötig und einzufordern – sonst sollte Deutschland als Nettozahler die Mittel für die EU kürzen!

    Ich bin mir aber auch sicher – WIR SCHAFFEN DAS! – Wer denn auch sonst wenn nicht wir!

    Wenn sich die Verhältnisse in Syrien und anderen Länder geklärt haben, werden die meisten Syrer in Ihr Land zurückgekehrt sein. Viele von denen werden Deutschland und die Hilfe die Ihnen hier gewährt wurde nicht vergessen, welches natürlich maßgeblich von dem heutigen Umgang mit Ihnen abhängt. Dann warten wir mal 5-10 Jahre ab … aus einigen Flüchtlingen werden Zuwanderer die für Deutschland wichtig sind (Wirtschaftskraft stärken, Einzahler in die Rentenkasse, neue Arbeitsplätze schaffen, …).

    Wie sah den das Leid hier bei uns nach dem Krieg aus. Täglich wurden zigtausende durch Care-Pakete ernährt und ohne die Hilfslieferungen der vormaligen Feinde wären viele gestorben. Das Recht haben auch die Kriegsflüchtlinge die zu uns kommen.

    Unserer Politiker sind nun gefordert die Krisen in den Kriegsregionen anzugehen und Diktatoren und Fanatiker die Rote Karte zu zeigen. Nicht lamentieren sondern handel und das muß auch Unterstützern von Dikatoren (Russland) deutlich gemacht werden.

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