Der Rohstoff-Traum in Afghanistan

Krieg ist eine hässliche „Angelegenheit“. Das Führen von Kriegen oder die kriegsähnlichen Zustände in einem Land lassen sich äußerst schwer rechtfertigen. Zuletzt hatte dies der zurück getretene Bundespräsident Horst Köhler für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan versucht. Vergeblich. Es folgte sein Rücktritt. Wie kann man also dem Volk verständlich machen, dass der Kriegseinsatz in einem fernen Land unabdingbar notwendig ist? Dafür kann man viele Gründe nennen: Stabilisierung der politischen Lage, Hilfen in Form von Straßenbau oder den Bau von Schulen aber auch die Absicherung des Landes nach Außen (Drogenschmuggel, etc.).

All dies hatte man für Afghanistan schon versucht und auch dementsprechend mit dem Volk kommuniziert. Doch das Volk ist kriegsmüde – nicht nur hier in Deutschland auch in den USA. Seit Beginn der Kriegseinsätze in Afghanistan sind fast 6.000 Soldaten ums Leben gekommen und über 11.000 Personen verletzt worden; nicht mitgerechnet sind dabei die unzählig vielen toten Zivilisten. Was also tun, um den Krieg weiterhin zu rechtfertigen? Man braucht gute Argumente. Dazu präsentierte das Pentagon vor zwei Tagen unerwartet neue(!?) Erkenntnisse über die Rohstoffvorkommen in Afghanistan. Angeblich sollen in den Land Billionen von Dollar unter der Erde liegen. Hauptsächlich geht es dabei um Lithium, Eisen, Kupfer, Gold, Erdöl und Erdgas. Das Pentagon spricht bereits von einem „Saudi-Arabien für Lithium„. Das sind doch gute Nachrichten, denkt man sich.

Die Erkenntnisse sind allerdings nicht neu. Bereits im Jahre 2004 fanden die Amerikaner die Karten in alten Archiven. Sie stammten aus Zeiten von sowjetischen Bergbauexperten, als diese in den 60er Jahren Afghanistan nach Rohstoffen untersucht hatten. Damals hat man den Dokumenten wohl wenig abgewinnen können. Es ist daher äußerst verwunderlich, wieso die neuen-alten Erkenntnisse wieder frisch aufgewärmt werden. Sie kommen auch zu einer selten geschickten Zeit. In wenigen Monaten möchte Deutschland damit beginnen, den Rückzug aus Afghanistan anzutreten, in dem die Truppenstärke sukzessive reduziert wird. Auch die Amerikaner hatten für 2011 den koordinierten Rückzug geplant. Ist dies nun alles Makulatur?

Es ist erstaunlich, wie die professionelle Presse so unbefangen und emotionslos die Nachricht verbreitet hat. Die journalistische Garde hat sich kaum zu einem Kommentar hinreißen lassen. Man hat die Meldung fast eins-zu-eins von den Agenturen übernommen. Obwohl eigentlich beim ersten Blick klar sein müsste, dass es sich dabei um einen gelungenen PR-Coup des Pentagon handeln muss. Und ebenso sonnenklar ist wohl die Zukunft in Afghanistan: der Auftrag des Militärs muss unter diesen Voraussetzungen unbedingt verlängert werden. Ich nehme bereits jetzt Wetten entgegen, wann diese Nachricht im Spätherbst von Barack Obama verkündet wird. Und natürlich wird man auch die restlichen Nationen aus der ISAF dazu benötigen. Schließlich gilt es das Land politisch weiter zu stabilisieren, damit die vielen Förderanlagen gebaut und die Rohstoffe abgebaut werden können. Denn geht es nach den feuchten Träumen der amerikanischen Regierung, könnte Afghanistan sich wegen den Rohstoffen zu einem der reichsten Länder entwickeln (was die Geldmengen betrifft). Dazu braucht es auf alle Fälle die Hilfe von Außen.

Kriege sind irgendwie praktisch. Man kann ungeniert viele Milliarden in Rüstungsgüter stecken, noch mehr Milliarden ins Militär investieren und nebenbei viele Erkenntnisse beim Kriegseinsatz gewinnen. Wenn man dann noch einen triftigen Grund für den Militäreinsatz hat, ist eigentlich alles bestens. Man muss nur darauf achten, dass der Grund relativ subtil ist, damit es auch jeder Dorfdepp kapiert, wieso das eigene Land Soldaten in ein fremdes Land entsenden muss. Wir helfen den Afghanen und die helfen uns mit günstigem Öl, Gas, Kupfer und Lithium.

Irgend jemand sagte mal, dass die Kriege des 21. Jahrhunderts über Rohstoffe geführt werden. Willkommen in der kriegerischen Gegenwart.

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