Erneuerbare Energie ist super fürs Klima. Und mit grünem Strom lässt sich viel machen: die Bude heizen, das E-Auto aufladen oder auch für warmes Wasser sorgen. So denkt sich das auch die ENERTRAG, ein Energieunternehmen und ebenso eine Aktiengesellschaft aus der Uckermark.
Ein neues Projekt der ENERTRAG SE in Zusammenarbeit mit der decarbon1ze GmbH lautet nun Windduschen. Mit diesem Begriff hat man zumindest beim Marketing schon einmal alles richtig gemacht. Doch um was geht es?
Pro Jahr werden circa 10 TWh Stromkapazität abgeriegelt, weil zu viel Strom aus Erneuerbarer Energie entsteht und zeitgleich zu wenig passende Abnehmer vorhanden sind. Hätten wir ein stärker ausgebautes Stromnetz, könnte man diesen Überschuss auch ins Europäische Ausland weiterleiten – selbst von Nord- nach Süddeutschland würde oftmals bereits genügen.
Und hier kommt nun die Idee vom Windduschen. Wenn in einer (nördlichen) Region der Wind kräftig weht und es damit zu einem starken Überschuss kommt, sollen davon (auch) Privatkunden profitieren können, in dem ihr Brauchwasser erhitzt wird. Die eigene Heizung wird zum erweiterten Speicher für Erneuerbare Energie. Im Gesetz wird dies Nutzen statt Abregeln genannt.
Klingt alles extra verlockend. Doch das Ganze hat einen Haken. Es sind einige Umbauarbeiten für diesen klimaneutralen Spaß notwendig. Je nachdem wie weit das eigene Heizsystem bereits dafür ausgelegt ist, können schnell 1000 Euro und mehr auf der Rechnung stehen.
Generell braucht man einen Warmwasserspeicher. Jede handelsübliche Heizung in einem Einfamilienhaus hat solch einen Speicher. Es gibt jedoch auch Gasthermen oder elektrisch betriebene Durchlauferhitzer. Solche Installationen profitieren nicht vom ‚Windduschen‘-Projekt.
In der Regel wird das Warmwasser nur durch den Betrieb der Heizung (Öl, Gas, Pallets) erwärmt. Hier greift die Lösung vom Windduschen an. Man benötigt allerdings unter anderem einen separaten Stromanschluss.
- Es wird ein Heizstab in dem Warmwasserspeicher eingebaut. Den Einbau muss man selber in Auftrag geben. Die Kosten für den Heizstab plus Installation liegen im Schnitt bei circa 600 Euro.
- Eine intelligente Messeinrichtung (Smart Meter) muss vorhanden sein. Gegebenenfalls fallen hierzu Installationskosten von circa 100 Euro an plus jährliche Betriebskosten von circa 80 Euro.
- Zusätzlich muss eine gesonderte Stromleitung vom Stromkasten zum Heizstab verlegt werden. Je nach Aufwand sind dies ebenfalls schnell 300 Euro und mehr.
Bevor es mit dem kostengünstigen Windduschen losgehen kann, sind im ungünstigen Fall schon mal 1000 Euro fällig. Für das Projekt wird ein extra Stromtarif der Prokon EG notwendig. Also nochmals circa 10 Euro pro Monat. Hingegen soll die KWh nur circa 10 bis 15 Cent betragen; die genauen Tarifdetails stehen derzeit (15.01.2026) noch nicht fest.
Das Ganze läuft nun nach dem neuen Gesetz „Nutzen statt Abregeln„. Wenn genügend beziehungsweise zu viel Strom vorhanden ist, wird er zum Verbraucher durchgeleitet und sein Wasser wird dadurch erwärmt. Im Normalfall erhitzt weiterhin die lokale Heizung den Warmwasserspeicher.
Ab diesem Punkt wird die Rechnung etwas unübersichtlich, denn Verbrauch und Stromüberschuss korrelieren leider nicht ideal. In den sogenannten Dunkelmonaten November und Dezember ist die Nachfrage nach Warmwasser hoch, das Angebot an EEG-Strom allerdings sehr begrenzt. Im Sommer hingegen gerade anders herum.
Als rechnerisches Beispiel: ein 3-Personen-Haushalt, jede Person duscht pro Woche 3 Mal für jeweils 10 Minuten. Bei reinem Strombetrieb wird hierbei pro Vorgang circa 5 KWh benötigt. Im Jahr sind dies circa 2200 KWh. Ich gehe von einem durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent/KWh. Der monatliche Anschlusspreis fällt aus der Rechnung raus, da der Anschluss grundsätzlich benötigt wird. Der gesonderte Tarif der Prokon EG wird vermutlich circa 10 Euro pro Monat und circa 10 Cent/KWh kosten. Plus die 80 Euro für den Smart-Meter. Weiterhin gehen ich im Beispiel davon aus, dass circa 50 Prozent des benötigten Warmwassers sich mit dieser Überschussregelung erwirtschaften lassen. Macht in Summe pro Jahr eine Ersparnis von 20 Euro. Stellt man noch die Investitionskosten von 1000 Euro gegenüber, lohnt sich diese Methode auf Jahrzehnte nicht.
Ich möchte die Idee „Nutzen statt Abregeln“ nicht grundsätzlich schlecht reden. Aber mit Windduschen wurde eine denkbar unglückliche Lösung gefunden, welche dem Anwender nicht viel Vorteil verschafft. Aber so ist das oft im Industrieland Deutschland. Statt die simple und effektive Lösung zu favorisieren, wird es (künstlich) kompliziert gemacht. Vielleicht und wahrscheinlich auch, damit möglichst viele Akteure daran profitieren können. Zum Glück investiert die ENERTRAG SE auch in Batteriespeicher, denn diese Pufferlösung ist insgesamt betrachtet die effektivere.