Die 100.000 Euro Show – TV-Kritik

Was hat sich RTL nur bei dem Relaunch der 100.000 Mark Show gedacht? Und dann auch noch Inka Bause als Moderatorin.Die neue, und bis jetzt einmalige Ausgabe der 100.000 Euro Show ist eine Qual für den Zuschauer. Wenn man eine Sendung unbedingt absetzen wollte, könnte man RTL für diese Realisierung nur danken.

Die Studio-Kulisse sieht aus, als ob man in einer übergroßen Garage einen Hindernislauf aufgebaut hätte.Gelb-schwarze Warnbalken durchkreuzen jegliche Kameraeinstellung. Der Set-Designer wollte wohl mit diesen Warnbalken den besonderen „Charakter“ dieser Action-Show unterstreichen. Und dann frage ich mich, wieso man die Zuschauertribünen in diesem knast-ähnlichen Etagenbau konstruiert hat. Vielleicht wollte RTL damit den Effekt eines Kolosseums andeuten: Brot und Spiele. Aber statt Kampfarena erinnert es leider an Gefängnisgänge. Und damit die Haftinsassen der Show sich nicht die Köpfe an herunter hängenden Spielelementen stoßen, weisen die schwarz-gelben Balken auf die tief fliegende Gefahr hin.

Neben der trashigen Studiokulisse nervt auch nach wenigen Minuten der „Sound-Teppich“. Spätestens nach der dritten Wiederholung des Show-Jingle möchte man am liebsten den Ton abschalten. Fatal wäre es kaum, denn in der Luft baumelnde Kandidaten geben auch ohne Ton nur eine begrenzt gute Figur. Es ist für den Sender prinzipiell wichtig, dass der Zuschauer durch den Jingle erkennt, in welchem Programm bzw. welcher Sendung er sich befindet. Aber wenn jede zweite Minute das Musikgebimmel der 100.000 Euro Show ertönt, steigt nicht unbedingt das Bedürfnis, die Show bis zum Ende zu verfolgen.

Und dann ist da noch die Moderatorin, das Aushängeschild für die Show: Inka Bause. Hilfe, sperrt das mit Valium vollgedröhnte Tigerweibchen wieder ins Käfig. Wer von der Produktionsfirma hat nur diese arme Frau gecoached? Vor allem: wer von RTL kam überhaupt auf die glorreiche Idee, unbedingt die 40 Jahre Leipzigerin auszusuchen?
Hysterisch, doch dennoch ohne Enthusiasmus brüllt Inka Bause ihre Kandidaten an. Und wenn sie mal nicht lauthals am Schreien ist, gleicht sie von der Begeisterung her einer Schlaftablette, welche nach dem Auflösen im Wasserglas vergessen wurde. Die Stimme der zarten Inka ist im Grundton viel zu lieblich, viel zu weich und viel zu leise, als dass sie damit ein prall gefülltes Studio unterhalten könnte. Also was muss sie machen? Sie beginnt laut zu reden. Doch einfach nur etwas lauter vor sich hin zu brabbeln bringt keine Veränderung. Also tönt es lautstark aus ihrer Kehle: „Suuuper machst du das. Gaaaaanz suuuuper.“ Super ist übrigens ihr Lieblingswort. Alles super gemacht. Vielleicht sollte sie lieber als Show-Act auftreten und ein Schlagerlied singen. Dann wäre es für die kompletten 90 Minuten auch nicht weiter tragisch, wenn die Spannung der Show sich nicht auf ihr Gerede überträgt.
Im Erklären ist sie ganz super. Das kann sie ja auch. In dunklen und unbewohnten Gebäuden Personen rumführen ist sie gewohnt und das hat sie auch drauf. Aber als Spielleiterin für eine actiongeladene Spielshow ist sie so unpassend wie Günter Jauch für eine Nachrichtensendung.

Die 100.000 Euro Show war als Quotenballon von RTL gestartet worden. Geplatzt ist prinzipiell nichts, nicht einmal die Spannung ist explodiert. Mit Inka Bause hat man zwar eine gut aussehende Moderatorin gefunden, welche auch fehlerfrei ganze Sätze in verständlichem Deutsch aussprechen kann. Doch dies ist für den Job eines Spielleiters leider nicht alles. Es fehlt der Dame an offener Begeisterung und an lebendiger Aussprache. Ein ständig laut gebrülltes „Super“ ist eben nicht super. Da muss die Stimme auch mal klein und sanft werden, um den Spannungsbogen auf zu ziehen. Wenn ständig die Wörter wie bei einem Maschinengewehr heraus geschleudert kommen, geht man als Zuschauer irgendwann hinter dem Sofa in Deckung. Dort entdeckt man eventuell lustige Gesellschaftsspiele wie „Fang den Hut“ oder auch „Mensch ärgere Dich nicht“. Eine Traumquote dürfte RTL mit diesem Konzept kaum einfangen. Ärgern braucht sich der Sender darüber allerdings nicht.

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3 Antworten zu Die 100.000 Euro Show – TV-Kritik

  1. Bowser 21. September 2008 um 13:46 #

    Die Moderatorin hat geredet als würde sie sich mit Kleinkindern unterhalten und als müsse sie diese auch noch motivieren. Als Kandidat würde ich mir mehr als doof vorkommen, als Zuschauer lache ich über die ganze Sendung und freue mich schon auf ihre Absetzung, bzw. ich warte darauf dass RTL diese grauenvolle Moderatorin rauswirft.

  2. Don Farrago 21. September 2008 um 17:56 #

    Du sprichst mir aus der Seele, Oliver! Wie RTL in der werberelevanten Zielgruppe (14 – 49 Jahre) einen Marktanteil von 18,2 % erreichen konnte, ist mir schleierhaft. Wahrscheinlich wurden dabei auch die erfasst, die zwischendurch frustriert umgeschaltet haben.

    Wenn ich dann lese, dass RTL mit der Schlaftablette Inka noch mehr vorhat (siehe
    hier), krieg ich das kalte Grausen…

  3. Maddin 24. September 2008 um 20:21 #

    Nur noch „Hilfe“, die Stimme nervt! Wir haben umgeschaltet. Schade!
    Hätte mir erhofft, das es der Franklin wieder macht!

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