(K)Ubuntu im Test: durchgefallen!

Getestet wurde die Linux-Version Kubuntu 7.04 (Feisty Fawn) in der Beta-RC1. Für meine Zwecke habe ich die 64-bit PC-Version für AMD64 herunter geladen. Man soll ja immer mehrere Freunde und Linux-Versionen um sich haben 😉

Nein, im Ernst. Die halbe Linux-Welt redet ständig darüber, dass Ubuntu die optimale Linux-Distribution wäre; einfach zu bedienen mit ansprechender Optik. Da man ja gern mal über den eigenen Tellerrand schauen möchte, testet man einfach mal so eine andere Linux-Distri.

Die Installation
Die Installation verläuft auf den ersten Blick sehr gewöhnungsbedürftig. Es startet sich eine Live-Version von Kubuntu und man darf erst einmal mind. 3 Minuten gespannt auf dem Monitor schauen, bis sich der Kernel inkl. KDE geladen hat. Man könnte danach prinzipiell sofort mit dem Arbeiten loslegen. Installiert auf der Festplatte macht es sich dann doch besser.
Links oben klebt ein Icon ‚Installieren‘. Auf diesen geklickt, öffnet sich ein Installationsmanager. Die Fragen sind größtenteils überflüssig, z.B. ob es immer noch die deutsche Sprache sein soll.
Die ersten Probleme tauchen beim Partitionsmanager auf. Es gibt zwei Möglichkeiten: die komplette Festplatte mit Ubuntu zu überschreiben *G* oder die Partition(en) manuell zu wählen. Wer nun mit sda1, sdb5 usw. nichts anzufangen weiß, steht hier das erste Mal mit dem Rücken zur Wand.
Der Rest der Installation verläuft problemlos doch dauert er verhältnismässig lange.

Vor der Installation ist nach der Installation
Kaum startet man das erste Mal das frisch installierte Ubuntu, werden auch sofort etliche Updates fällig. Ok, auf eine 700 MB Scheibe passt nun einmal nicht alles und außerdem ist es eine Beta-Version. Da sind Änderungen an der Tagesordnung. Der Paketmanager (adept) neigt allerdings gern zu Abstürzen. Nach solch einem Absturz muss man einen kryptischen Begriff in die Konsole eingeben, damit die noch nicht erledigten Aufgaben des Paketverwalters ordnungsgemäß abgeschlossen werden. Vorher darf man keine neuen Änderungen vornehmen. Die Repositories (Paketquellen) lassen übrigens fast keinen Wunsch offen. Es wird prinzipiell alles zum Download angeboten, was man in der Linuxwelt so finden und benutzen kann.

Wo laufen Sie denn? Hardware-Wirrwarr.
Software ist nur die halbe Miete bei einem Betriebssystem. Die Hardware ist ebenso wichtig. Wenn Teile davon nicht richtig oder gar nicht erkannt werden, verfehlt das ganze Betriebssystem seinen Sinn. Ubuntu besticht nicht sonderlich durch seine gute Hardwareerkennung. Ganz im Gegenteil. Ein Teil meiner ‚harten Ware‘ läuft bis jetzt noch nicht.
Grafikkarte
Der Name der Grafikkarte wurde richtig erkannt. Der passende Nvidia-Treiber (binary driver) wollte allerdings nicht aktiviert werden. Immer wieder stellte sich der Standard-Nvidia-Treiber (nv driver) ein. Nur mit viel Fummelei in der X-Konfiguration, war der X-Server zu überreden, endlich den optimierten Treiber zu benutzen.
Bildschirm
Wie schwierig es wohl sein mag, ein digital angeschlossenes TFT-Display (EIZO) korrekt zu erkennen? Sehr schwierig, wenn man der Erkennung von Ubuntu über die Schulter schaut. Als Ergebnis könnte man ins Klassenbuch schreiben: ungenügend, Aufgabe nicht gelöst.
Bildschirmauflösung
Dank DDC (Display Data Channel) ist in heutiger Zeit die Abfrage der korrekten Monitordaten eigentlich ein Kinderspiel. Nun, bei Ubuntu wohl nicht. Die 1680×1050 Pixel wollten einfach nicht erkannt werden. Darüber hinaus muss man der Verwaltung erklären, dass man bei diesem Format bitteschön die ‚Breitbild‘-Anzeige wünscht. Die gewünschte Auflösung wurde allerdings erst bei einem Konsolenaufruf von dpkg-reconfigure –all richtig eingestellt.
TV-Karte
Eine uralte ATI-TV-Karte ist bis jetzt nicht zum Laufen zu bewegen. Sie wird zwar erkannt, aber das war es dann auch schon. Beim Aufruf eines TV-Programmes stürzt der X-Server ab, bei einem anderen TV-Programm ist keine TV-Karte bekannt.
Sound-Chip
Auch der Realteak Soundchip wird zwar als solcher erkannt. Doch es ist ihm kein Funken Musik zu entlocken. Ok, die Lage ist hier etwas komplizierter, da der digitale Ausgang (SPDIF) genutzt wird. Diese Anschlussvariante ist allerdings nicht neu und zudem gibt es diesen Chip schon seit mindestens 3 Jahren.
Maus
Dass die Logitech-Maus 10 Tasten hat, ist der Hardware-Erkennung in Ubtunu ziemlich egal. Die 2 Standardtasten werden für die tägliche Arbeit schon reichen. Dass nicht einmal die Logitech-Kennung angezeigt wird, kümmert einem in diesem Moment eh nicht weiter.

Bedienung hui, Konfiguration pfui.
Bedienen lässt sich (K)Ubuntu ohne Probleme. Die unterschiedlichen Assistenten sind gut gelöst und die Arbeit damit geht flüssig von der Hand. Man vermisst allerdings bei genauerem Hinsehen einiges. So fragt man sich, wie man ohne die grafische Oberfläche jemals seinen X-Server konfigurieren soll; von der Erkennung der Hardware (Grafikkarte, Monitor, Maus) ganz abgesehen. Da lobt man sich das gut durchdachte sax2 von Suse. Bei wem die Grafikkarte hängt, der wird sich darüber freuen, die Konfiguration auf der Textkonsole mit einem grafischen Assistenten erledigen zu können.
Wie man seine TV-Karte konfigurieren soll, bleibt mir bis dato ebenso ein Rätsel. Außer der Konsole bietet Ubuntu hier wohl keine andere Möglichkeit. Das selbe Bild ergibt es bei der Einrichtung des Sounds. Selbst der Bootloader (grub) kann nur über die Konsole geändert werden.


Linux-Distri mit Beigeschmack

Das neue (K)Ubuntu hinterlässt einen sehr zweifelhaften Eindruck. Auch wenn es sich um eine späte Beta (RC1) handeln sollte, so kann man davon ausgehen, dass diese gravierenden Lücken auch in der finalen Version zu finden sind. Einfache Bedienung ist eben nicht alles. Wenn sich nur das Nötigste auf der grafischen Oberfläche einstellen lässt, und der Rest mühsam über die Konsole beackert werden muss, so kann man nicht ernsthaft von einer benutzerfreundlichen Linux-Distribution reden. Würde die automatische Hardwareerkennung ihren Dienst zu 100% korrekt erledigen, könnte man gewiss auf etliche Assistenten verzichten. Von exotischer Hardware kann in meinem System allerdings nicht die Rede sein; die Erkennung hätte also relativ leichtes Spiel gehabt. Dass es trotzdem geht, zeigt zum Beispiel die Distribution OpenSuse 10.2.

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4 Antworten zu (K)Ubuntu im Test: durchgefallen!

  1. Denker 3. Juni 2007 um 08:52 #

    Ihr Bericht ist interessant, stellen wir ihre Kriterien doch mal an Windows Vista 64, da sie Ubuntu AMD64 so voller Genuss „zerreissen“.

    Ich hab hier neben dem alten ubuntu-„Ofen“ einen AMD-FX60 mit 2mal n7800GT, einer X-Fi fatality und möchte mit meinem N-Force 4 Vista auf einem RAID 0 installiert haben.

    Falls ich die Installation schaffe (was ich bezweifle, da ich keine Treiber-Diskette für NForce 4 mit Vista 64 habe, und ich schon bei der XP-Installation auf die Hilfe Dritter zurückgreifen musste) hab ich ein System das offen für alles und jeden ist, Spyware, Malware und Virusprobleme überschütten mich und ich beginne mich zu fragen wozu ich die Software von Microsoft gekauft habe. Das Anti-Malware-Programm versucht meine Aufmerksamkeit zu bekommen, da ich es jedoch von XP her gewohnt bin nicht auf die System-meldungen zu achten bleiben diese Bemühungen vergeblich, lol.
    Zum Glück ist mein Konto noch nicht leer und ich kaufe mir die notwendige Sicherheits-Software.

    Der Vista-tauglichkeitstest meldete, dass mein System Vista-tauglich ist, aber die Soundkarte funzt jetzt nur im 2.0 Betrieb, und mein 5.1 THX-System verstaubt ungenutzt.
    Die Spiele die laufen (wie war das mit der vollen Kompatibilität?) ruckeln auf einmal statt mit 40FPS unter der Spielbarkeitsgrenze.

    Der 3D-Desktop (funzt hier auf meinem alten Ubuntu-Ofen wunderbar) vermisse ich irgendwie, den obwohl ich ihn immer wieder einstelle kriege ich ihn nie zu Gesicht. Googeln hilft auch nicht weiter, und ich sehne mich wieder zu den Linux-Foren wo man für jedes Prob Hilfe findet.

    War Vista das Geld wert? Klar, alles hat jetzt neue Farben und Formen, lol

  2. sepp 1. August 2007 um 10:26 #

    Naja, die AMD64-Version ist (wie auch auf der Website geschrieben wird) eben eher für erfahrene Anwender, normale Benutzer sollten i368 verwenden. Wie sind denn die Erfahrungen damit?

  3. der Mops 1. August 2007 um 12:00 #

    Die Erfahrungen mit der i386-Version sind identisch.
    Ich habe die AMD64-Version auch nur deshalb benutzen wollen, weil sie optimal meinem Prozessor auslasten würde. Ansich unterscheiden sich die beiden Versionen ja nur im Kernel. Der Rest ist der selbe.

  4. Klaus-Peter Frömel 25. April 2010 um 12:34 #

    So informativ wie die Zeitung von gestern – dieser Test ist aber drei Jahre alt. OpenSuse ist bei der Version 11.3, Ubuntu bei 10.10. Einen Kommentar zu proprietärer Software kann ich mir wohl sparen.

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