Klimaschutz und Konsum

Die 16. UNO-Klimakonferenz (COP 16) ist am 11. Dezember 2010 im mexikanischen Cancún mit einer kleinen Sensation zu Ende gegangen. Die teilnehmenden Staaten konnten sich auf klare Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen einigen. So titelten zumindest die bekannten Zeitungen und TV-Nachrichten. Doch dahinter verstecken sich nur äußerst schwammige Versprechungen.

Die großen Industriestaaten haben auf der Klimakonferenz beschlossen, dass sie bis zum Jahr 2020 (ansteigend) bis zu 75 Milliarden Dollar jährlich an die Entwicklungs- und Schwellenländer zahlen wollen. Damit sollen in diesen Ländern  zum einen nicht die selben Fehler begangen werden wie in den Industriestaaten, und zum anderen der Ausbau von alternativer und regenerativer Stromerzeugung unterstützt werden. Auch soll ein Teil des Geldes für den Schutz des Regenwaldes bereit gestellt werden. Eines hat der Gipfel jedoch deutlich zum Ausdruck gebracht: die Industrienationen konnten sich auch dieses Mal nicht auf eine Reduktion des CO2-Ausstoßes festlegen. Viel lieber „schenkt“ man den armen Ländern dieser Welt ein paar Petrodollars, damit die Welt(bevölkerung) ihren Seelenfrieden hat. Die Vertreter der Regierungen sind zufrieden, die Presse kann ein paar versöhnliche Worte schreiben und der Großteil der Bevölkerung sagt sich „Geht doch!“.

Nichts ging. Die Versprechungen sind äußerst vage, die Reduzierung der CO2-Emissionen wurde wieder einmal vertagt und außer viel heiße Luft wurde in Cancún nichts Bewegendes produziert. Wäre jeder der Landesvertreter zu Hause geblieben und hätte nicht seinen ganzen Ministerstab mit dem Flugzeug nach Cancún einfliegen lassen, hätte dies für das Klima mehr gebracht als dieser unsinnige Wortmarathon. Denn Klimaschutz besteht nicht nur darin, dass wir versuchen den Regenwald zu schützen und den Fokus auf regenerative Stromerzeugung legen. Klimaschutz hat auch ein ganzes Stück mit Selbstverzicht und Reduzierung der eigenen Ansprüche zu tun.

Ein Zitat aus Spiegel-Online vom 11.12.2010 bringt es treffend auf den Punkt:

Von Cancún führt eine Spur in den Alltag jedes Einzelnen. Die Menschen – vor allem in den westlichen Ländern – haben die Macht, weniger Auto und mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, ihren Fleischkonsum [..] einzuschränken, in erneuerbare Energien zu investieren, statt ihre Wohnungen mit fossilen Brennstoffen auf T-Shirt-Temperatur zu heizen..

Die Industrienationen sind ganz alleine Schuld an der Misere. Die Ursache dafür bildet das Konstrukt aus Wachstumsmärkten und Politik. Konsum ist die Triebfeder jeder aufstrebenden Industrienation. Jedes Jahr muss die Produktion steigen und es muss immer mehr konsumiert werden. Viele Betriebe leiden zwar heute schon an den hohen Buntmetallpreisen wie Kupfer oder Gold. Auch der hohe Verbrauch an Erdöl sollte jedem zu denken geben. Doch allen Unkenrufen zum Trotz werden die Maschinen weiter auf Hochlast befeuert. Den kleinen Schritt zurück darf und kann es nicht geben. Dies würde oder könnte eine Deflation auslösen. Die ersten Notleidenden wären die Betriebe, dann die arbeitende Bevölkerung und zuletzt würden ganze Bankkonzerne in die Insolvenz gehen. Zu solche Schreckensszenarien darf es nicht kommen. Daher ist selbst bei einer Klimakonferenz immer die oberste Regel: zuerst kommt der Konsum.

Doch kann es auch anders gehen? Klar kann es das. Dazu benötigt es allerdings politischen und wirtschaftlichen Mut. Das Leitmotiv für die nächsten Jahre muss lauten: Glücklich sein ohne steigenden Konsum. Denn nur wenn weniger konsumiert wird, kann effektiv Treibstoff, wertvolle Edelmetalle, seltene Erden oder auch Wasser eingespart werden. Doch weniger zu konsumieren bedeutet Verzicht üben. Dies fällt dem Konsumenten ebenso schwer wie der produzierenden Industrie.
Geld hält unsere Welt am Laufen. Dies ist einfache Regel. Sobald man an einer Stelle des Kreislaufes versucht, das Rad etwas zurück zu drehen, droht das ganze System zu kollabieren. Die Rendite der Banken sinkt, Kredite werden mit horrenden Zinsen vergeben, die Industrie kann nicht mehr investieren, Arbeiter erhalten weniger Lohn und am Ende werden Leistungen und Güter günstiger. Der Neidfaktor und das fehlende Wir-Gefühl sorgen dafür, dass solche Ideen pure Phantasie bleiben. Denn solche radikalen Einschnitte gehen nur im kollektiven Miteinander oder mit durchsetzungsstarken „Alphatieren“.

Weiter aus dem Spiegel-Online Artikel:

So ließe sich demonstrieren, dass westlicher Wohlstand nicht heißen muss, den Planeten zugrunde zu richten. Neue, smartere Formen von Wohlstand sind möglich.

Diese smartere Lebensformen sind durchaus möglich. Doch wir leben derzeit noch in einer Wohlstandsgesellschaft, welche sich einzig und allein durch materiellen und finanziellen Besitz definiert. Da bringen alle Lösungsvorschläge für eine bessre Umwelt nichts. Und der technische Fortschritt in den Produktionswerkstätten kann den steigenden Konsum leider nicht abfangen.

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