kino.to: illegal aber dennoch genial

kino.to war für ca. zwei Jahre der Inbegriff aller TV-Serien-Junkies und Sofa-Cineasten. Auf kino.to gab es fast alles: vom allerneusten Blockbuster bis hin zur US-Serie im Original. Der Nutzer musste in der Regel dafür nicht bezahlen. Das System finanzierte sich über Werbung. Nur einen großen Fehler hatte das Angebot: es war illegal. Denn kein Produzent, kein Filmverleih und kein Rechteinhaber wurde gefragt, ob das dort zu sehende Material überhaupt in dieser Form gezeigt werden durfte. Die Nutzer kümmerte dies nicht. Für sie war kino.to die modernste und best ausgestattete Videothek der Welt.

Illegale Downloads sind ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es geht den Tätern nicht nur darum, für einen Song oder einen Film die ein bis fünf Euro zu sparen. Es geht auch darum, die möglichst einfachste und Art des Downloads zu wählen. Früher lief fast der ganze Austausch über das eDonkey2000-Netzwerk, welches später durch Torrent „ersetzt“ wurde. Das Angebot ist riesig doch immer auch davon abhängig, wie viele Seeds (Anbieter der Quelle) gerade online sind. Die Qualität der Angebote ist dabei ebenso wenig garantiert. Doch in praktisch allen Fällen erhält man eine Mediendatei, welche kein DRM (Digital Right Management) enthält.

Auf kino.to waren all diese technischen Feinheiten nicht wichtig. Man hat nach einem Film gesucht und diesen gleich direkt auf kino.to sich angeschaut. Da man selber nicht zum Verteiler bzw. Anbieter der Quelle wurde, war die juristische Gefahr äußerst gering. Anders hingegen für die Betreiber von kino.to. Deren Job glich einem Gewerbe und daher waren auch die verhängten Strafen derart hart.

Der Chef und Gründer von kino.to,  Dirk B., wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Zudem muss er 3,7 Millionen Euro abführen. Der Chefprogrammierer des Portals wurde zu drei Jahren und sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Der Schwager von Dirk B. als Administrator von kino.to bekam drei Jahre Haft. Die weiteren Strafen reichen runter bis zu einem Jahr Freiheitsentzug.
Für die GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen), Lizenzinhaber und Strafverfolgungsbehörden war es der Fahndungserfolg des Jahrzehnts. Sie konnten eines der größten illegalen Filmquellen still legen. Doch bei all dem Jubel wird eines gern vergessen: für den Erfolg dieses illegalen Videoportals waren die Nutzer verantwortlich.

Die Musikindustrie musste ein tiefes Tal der Tränen durchschreiten, nachdem die Audio-CD vom Kassenschlager zum Ladenhüter wurde. Musik hört man heutzutage als MP3 und viele laden sich die Musikstücke  über illegale Wege bzw. bezahlen keinen einzigen Cent dafür. Mittlerweile hat man die Vorlieben der Kunden erkannt und bietet auf zentralen Plattformen wie iTunes die Titel an. Bei der Filmindustrie ist man von dieser Erkenntnis jedoch noch weit entfernt.

kino.to war von Anfang an ein illegales Vorhaben. Doch es war dennoch so beliebt, weil es exakt den Wünschen und Vorstellungen der Nutzer entsprach. Es gab Filme in den unterschiedlichsten Sprachversionen, es gab Werke der unterschiedlichsten Filmstudios und es gab dies alles mit einer absolut einfach zu bedienenden Oberfläche. Die Macher von kino.to  waren am Ende nicht gerissen genug und haben sich erwischen lassen. Doch ihre Idee ist und bleibt genial. Von den Gewinnaussichten motiviert haben kurz nach der Schließung von kino.to  die ersten Klone eröffnet: movie2k.to oder auch kinox.to. Der beispielhaften Hydra wachsen genügend Köpfe nach.

Der Musikindustrie ist es gelungen, ein paar „Seelenverkäufer“ mit hohen Haftstrafen zu peinigen. Den Kampf gegen (weitere) illegale Videoplatfformen wird sie jedoch nicht gewinnen. Und ehrlich gesagt sollte die Industrie ihre Energie lieber in eine eigene Plattform stecken. Wenn kino.to es gelungen ist, mit Werbung etliche Millionen einzunehmen, sollte es der Industrie erst recht gelingen. Wie wäre es mit folgender Idee:
In einer kostenfreien Version bekommt man ohne Registrierungszwang und ohne großen Aufwand alle Filme in einfacher Qualität zu sehen. Direkt im Browser, ohne Downloadmöglichkeit und mit Werbeseinblendungen. Wer dem Film auf der Festplatte speichern und gern in bester Qualität genießen möchte, zahlt im Micro-Payment-Verfahren fünf Euro. Das könnte ein Erfolg werden – für beide Seiten.

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