Hauptsache ein iPhone

Apple ist omnipräsent. Dafür hat der Konzern aus Cupertino lange gekämpft. Früher fand man den Mac-Computer nur in Grafikagenturen und bei Fotografen. Heute ist er massentauglich geworden. Der iPod und das iPad haben es ebenfalls in viele Wohnzimmer geschaft. Das iPhone hat mittlerweile gar Kultstatus erreicht. Doch die Diskrepanz zwischen Rivalen und Fangemeinde könnte nicht größer sein.

Optisch ist das iPhoen ein Hingucker. Schlichte Eleganz und ein äußerst flaches Gehäuse prägen das Äußere. Beeindruckend ist auch das scharfe Display. Und im Inneren werkelt ein iOS, welches für seine Bedienungsfreundlichkeit sehr oft gelobt wird. Doch nicht alles ist wirklich super im bzw. am iPhone. So lässt die Kamera viel Potential nach oben offen. Ein iPhone-Fan würde an dieser Stelle zwar Veto einlegen, doch wer möchte, kann gerne mal den optischen Vergleichstest machen.

Es gibt allerdings nichts, was man mit dem iPhone nicht machen könnte. So gibt es unter anderem unzählig viele Dockstationen, Blutdruck- und Pulsmesser, Geigerzähler oder die Funktion als Geschwindigkeitsmessgerät und und und. Gerne wird jedoch die unschlagbar tolle Kamera in den Vordergrund gerückt. Das Onlineportal MacNews stellt in einem Bericht ein Erweiterungsset für die iPhone-Kamera vor, welches sich gewaschen hat. Für läpische 4000 Euro kann man sein gewöhnliches iPhone zur Filmkamera erweitern samt Weitwinkel-Objektiv, Akkupack, Richtmikrofon und Leuchten. Dies alles wird montiert auf einem Equipmentträger und zusätzlich kommt noch eine App (almost DSLR) mit ins Spiel – wie es sich für ein iPhone gehört. In der Summe zahlt man also ca. 4700 Euro für eine Möchtegern-Filmkamera und bekommt dazu noch eine Mobiltelefon „geschenkt“.

Wozu der ganze Aufwand, wird sich der eine oder andere fragen. Für den Preis bekommt man bereits semi-professionelle Filmkameras oder sehr gute DSLR-Fotoapparate mit Videofunktion. Dies ist auch dem Fernsehjournalisten Zafer Ertem bewusst, der sich dieses Equipment in Eigenregie zusammen gebastelt hat. Doch Herr Ertem ist bei dieser Frage nicht auf den Mund gefallen. Mit der erweiterten iPhone-Kamera seien angeblich kreative Aufnahmen möglich, welche mit den herkömmlich großen und schweren Kameras nicht möglich wären. Damit meint der Kollege solche Modelle. Doch wenn er schon seine iPhone-Kamera als Maßstab nutzt, sollte er eher auf die deutlich kleineren DV-Kameras verweisen wie bspw. die Canon MX2. Diese liegt preislich bei knapp über 2000 Euro, wiegt auch nur 1,1 Kg und ist in der Qualität nicht mit einer iPhone-Aufnahme vergleichbar. Für ein paar Euro mehr kann man sich auch noch eine einfache Steadicam-Halterung kaufen.

Herr Ertem hat allerdings noch den unschlagbaren Trumpf im Ärmel. Er betont, dass man mit seinem ungewöhnlichen Eigenbau garantiert überall für Aussehen sorgt. Als hätte ich es ahnen müssen. Die Qualität der Aufnahmen steht offensichtlich gar nicht im Vordergrund. Es ist der iPhone-Effekt. Die Kreativität entsteht nicht durch das Können des Filmemachers sondern durch die entsprechende Ausrüstung. Fantastisch. Dies eröffnet für Hollywood ganz neue Perspektiven. Filmstudios werden zukünftig nur noch mit iPhones ausgestattet und der Kinobesucher wird Filme in nie geahnter Kreativität genießen können.

Was zählt ist das Ergebnis. Also abschließend der große Vergleichstest zwischen iPhone-Kreativität und Digital-Spiegelreflex-Einheitsbrei. Zuerst die vor Kreativität sprühende Aufnahme von Herrn Ertem, gedreht mit dem selbst zusammengezimmerten iPhone-Equipment.

Und nachfolgend zum Vergleich ein Film des jungen Nachwuchskünstlers und Filmemachers Cheng Löw, der mit einer gewöhnlichen digitalen Spiegelreflex-Kamera arbeitet.

Kreativität entsteht in erster Linie im Kopf und ist nicht von der Ausstattung abhängig. Und ich persönlich finde, dass mich die Qualität von Cheng Löw’s Film mehr überzeugt. Und dies sage ich befreit von jeglicher iPhone-Antipathie. Ein genereller Apple-Hasser bin ich hingegen auch nicht, weil auf meinem Schreibtisch ein iMac steht.
Man kann mit dem iPhone viele Dinge machen – und sicherlich auch interessante Homevideos drehen. Doch für den professionellen Einsatz ist das Smartphone aus dem Hause Apple grundsätzlich nicht geeignet. Da hilft es auch nichts, wenn man den Nerd-Faktor und eine Pimp-Ausstattung mit einfließen lässt.

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