Die SPD und ihr Verständnis vom Internet

Am Mittwoch hat sich die SPD mit einer Pressemeldung wohl endgültig ins Aus der jungen Wähler katapultiert. Es geht um den Schutz der Tageszeitungen. Die Überschrift der Pressemeldung ist etwas sperrig formuliert: Ohne freie Medien gibt es keine freie demokratische Gesellschaft – Vorschläge der SPD zur Krise auf dem Zeitungsmarkt.

Um was geht es der SPD? Dazu ein Auszug aus der Meldung:
Die Zeitungslandschaft in Deutschland steckt in ernsten Schwierigkeiten.
Die Auflagen und Reichweiten der regionalen Tageszeitungen sinken kontinuierlich. Vor allem junge Menschen nutzen immer weniger Tageszeitungen.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise lässt durch Ausfälle im Anzeigen- und Werbegeschäft die Strukturkrise noch stärker zu Tage treten.
Ein Verlust von Meinungs- und Angebotsvielfalt droht ebenso wie der Verlust von Qualitätsjournalismus.

Die SPD ist also der Meinung, dass sich nur über Tageszeitungen qualitativ hochwertiger Journalismus verbreiten lässt. Wenn junge Menschen sich von der Tageszeitungen abwenden und statt dessen lieber das Internet als Informationsquelle nutzen, dann muss man eben die Verlage unterstützen. Die SPD hat da ihre ganz eigenen Vorstellungen. So möchte sie unter anderem eine unabhängige deutsche Nachrichtenagentur – im Sinne der dpa schaffen. Zudem sollen die Länder verstärkt auf die Journalistenaus- und weiterbildung setzen. Darüber hinaus soll ein Leistungsschutzrechtes für Verlage eingeführt werden, damit kostspielig erstellte Inhalte nicht beliebig kostenlos kommerziell verwertet werden können. Und zu guter Letzt ein möglichst flächendeckendes und verbindliches Zeitungsangebot für alle Schüler und Auszubildenden.

Die SPD setzt mit ihrer Forderung mehr auf Zwang als auf Förderung. Die jungen Leute sollen sich die wichtigen Informationen nicht länger über das Internet besorgen sondern lieber wieder eine Tageszeitung lesen. Nicht dass ich gegen den Gebrauch einer Tageszeitung wäre. Ich halte gern selbst ein gedrucktes Exemplar in der Hand und blättere mich durch den Wust von Informationen. Doch Jugendliche und eigentlich der Großteil bis unter 40 Jahren informiert sich heutzutage anders. Da hat man seinen eigenen Bookmarks, abonniert Feeds, um bei bestimmten Themen auf dem Laufenden zu bleiben. Man tauscht sich direkt in Internetforen aus, um über ein spezielles Thema zu diskutieren. Das Jungvolk interessiert sich leider(!?) auch mehr für Bewegtbilder als für graue Textwüsten.

Die SPD hat für den kommenden Bundesparteitag in Dresden auch sogleich einen Antrag gestellt. Dort möchte man die Forderungen in das offizielle Parteiprogramm einfließen lassen. Dabei stellen sich allerdings viele seltsame und ungeklärte Fragen. Man ist sich dieser Diskrepanz bei der SPD durchaus bewusst und konstatiert sich selbst: „Keine Patentrezepte – aber Nichtstun wäre genau das Falsche„. Laut einer JIM-Studie aus dem Jahr 2008 kommt man zu dem Ergebnis, dass Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren am wenigsten auf das Internet verzichten können. 29 Prozent nutzen das Internet, nur 16 Prozent das  Fernsehen und magere 3 Prozent informieren sich über Tageszeitungen.

Was soll man da sagen? Die Zeiten haben sich gewandelt. Daher muss man das Althergebrachte nicht wieder raus kramen und versuchen, die Jugend dafür zu interessieren. Früher ging man auch öfters ins Kino. Früher hat man auch noch viel mehr Briefe geschrieben. Da gäbe es für die SPD noch viele Betätigungsfelder, wo man die moderne Gegenwart wieder etwas zurück drehen könnte. Ob man damit der Jugend aber eine Freude macht? Das bezweifle ich stark.

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