Opera am EndeOpera am Ende:

Das Ende vom Opera Browser

Die Norwegische Opera Software ASA hat am Dienstag ihre neuste Entwicklerversion des gleichnamigen Browsers Opera veröffentlicht. Sie markiert ein Ende des „Taschenmessers für das Internet“.

Der Browser Opera war schon immer etwas eigen. Bis zur Version 4 im Jahre 2000 musste man für den WWW-Betrachter Geld ausgeben. Ein sonderbare Browser war und ist er der Opera. Deshalb hat es auch nie zu einer großen Verbreitung gereicht. Dass die Leute für einen Browser kein Geld ausgeben wollten, bemerkte man auch in Norwegen ziemlich schnell und man entwickelte eine kostenfreie Version mit Werbebanner. Der echte Fan ließ sich durch das Bannergeflimmer nicht beirren. Denn die wahren Stärken zeigt der Opera nicht an seiner Oberfläche.

Zugegeben auch die Oberfläche war schon immer anders als bei anderen Programmen. Mir ist kein Programm bekannt, welches sich derart individuell an die persönlichen Bedürfnisse anpassen lässt. Nicht nur dass sich Positionen von Leisten verschieben und Buttons beliebig austauschen lassen. Für jede Ansicht und jeden Zustand gibt es eigene Einstellungen. Und so war Opera auch frühzeitig der erste Browser, der eine fast verwirrende Konfiguration zugelassen hat. Fensterverhalten, Codierungsoptionen, Javascript-Einstellungen. Das ist die Welt eines Opera-Benutzers.
Die größten Stärken beweist der nordische Internetbetrachter allerdings in seiner Einzigartigkeit. Viele Funktionen findet man nur im Opera. Früh hatten die Entwickler die mittlere Maustaste entdeckt. Scrollen oder Fenster schließen, der mittlere Finger erledigt diese Aufgabe. Später kamen die Mausgesten hinzu, womit man das ganze Fensterverhalten steuern konnte. Fenster öffnen, neu laden, schließen, alles mit der Maus. Fantastisch simpel, fantastisch einzigartig.

Der Browser hat aber noch ein zweites dickes Pfund mit an Bord, und zwar seit der vierten Version: einen integrierten E-Mail-Client. Browsen, Mails schreiben und Feeds lesen (seit V7), alles in einem einzigen Programm. Selbst das früher oft genutzte IRC (Internet Relay Chat) oder ICQ lassen sich mit Opera bedienen. Auch eine Funktion für das BitTorrent-Protokol kamen hinzu und die Möglichkeit, den Browser in einem Kiosk-Modus zu betreiben. Opera ist für das Internet geboren. Das Schweizer Taschenmesser unter den Browser-Mail-Chat-Clients.
Die Entwickler von Internetseiten schätzen die präzise Umsetzung der CSS-Definitionen (Cascade Style Sheet). In der Frühgeschichte des Internets als der Internet Explorer noch als die hausgemachte Pest Microsofts galt und der Netscape leidlich in die Jahre gekommen war, strahlte das runde, rote O auf vielen Rechnern. Schnell, präzise und speichersparsam war der frühere Opera. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Von Version zu Version wurde der Browser langsamer und fehleranfälliger. Echte Innovationen blieben zuletzt aus.

Mit einem Browser lässt sich nicht viel Geld verdienen, auch wenn es vom Opera viele Varianten gibt. So steckt der Norweger in vielen Handys, Spielekonsolen oder Set-Top-Boxen ohne dass es die Benutzer merken. Bei Opera hat man seit Anfang an alles selber programmiert. Das war die Stärke der Firma und damit auch die Stärke des Programms. In der finanziellen Not entschloss man, sich dem größten Kostenfaktor zu entledigen: die Programmierung der Rendering-Engine. Seit der Version 7 arbeitete man an Presto, quasi dem Herz des Browsers. Damit ist nun bei Opera 12.15 und Presto 2.12 Schluss. Kein Presto mehr und keine Opera-typischen Funktionen mehr.

In der neuen Version 15 kommt die Chromium-Engine zum Einsatz. Die ist zwar schneller und stabiler als Presto, bringt aber sonst nur Nachteile. Aus Opera wird nun Chrome könnte die Kurzformel sein. Die Auswirkungen mögen dem wahren Opera-Fan jedoch gar nicht schmecken.

  • Die Mausgesten funktionieren nicht mehr, bzw. werden eventuell erst später implementiert werden.
  • Geschlossene Tabs lassen sich nicht „recyclen“ (wieder öffnen).
  • Individuelle Konfiguration der Oberfläche ist nicht (mehr) möglich.
  • Der Rendering-Cache entfällt und damit ein schnelles Laden bereits aufgerufener Seiten.
  • Damit entfällt auch die Möglichkeit, dass per POST übertragene Formulare beim Zurückblättern ihre Formulardaten behalten.
  • Auch Dragonfly wird wohl nicht wieder kommen.
  • Add-Ons müssen neu geschrieben oder durch Chrome-Varianten getauscht werden.
  • Und: der Mail-Client wurde ausgelagert.

Opera hat mit der neuen Version alle lieb gewonnen Funktionen über Bord geschmissen. Opera ist nun ein gewöhnliches HTML-Anzeigeprogramm wie jeder x-beliebige Browser. Und wer die alte Browser-Mail-Kombination geschätzt hat, darf nun zwei Programme installieren und vor allem zwischen zwei Programmen wechseln. Da kann man sich auch gleich nach besseren Alternativen umschauen. So kann man ein Ende einer Browser-Ära auch besiegeln.

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2 Antworten zu Das Ende vom Opera Browser

  1. ExOpa 13. Juni 2013 um 00:24 #

    Ob bei mir der Seamonkey siegen wird, weiß ich nicht. Opera wird aber abgesch(l)ossen, bis dort hin———–>.

  2. Felix 17. Juni 2013 um 03:26 #

    Die per POST abgeschickten Formulardaten bleiben beim Zurückblättern mit jedem mir bekannten Webbrowser erhalten. Das war nie eine Besonderheit von Opera.

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