Der DB-Navigator auf der Apple-Watch: Krampf auf 20 mm²

Technischer Fortschritt führt in der Regel zu sinkenden Preisen, besserer und damit einfacherer Bedienung oder zu völlig neuen Möglichkeiten. Bei den Smartwatches scheint jedoch das Gegenteil zu gelten. Die Industrie hat ein neues Spielfeld entdeckt und hofft auf zahlungswillige Nerds.

Im Fokus der Berichterstattung steht die Apple-Watch. Nicht zuletzt weil sie eben von Apple stammt, sondern auch weil sie gut und gerne das Doppelte kostet, was die Konkurrenz für eine Smartwatch verlangt. Die Preise beginnen bei 450 Euro für das Standardmodell „Sport“ in der 38mm-Variante und reichen bis 20.000 Euro für das vergoldete Modell. Zu erwähnen sei, dass die Apple-Watch nur in Verbindung mit einem Apple iPhone voll funktionsfähig ist und der Akku bei gewöhnlicher Nutzung nach circa 15 Stunden leer ist.

Was kann man auf 20 mm² anzeigen? Vor allem: wie kann man auf 2 cm² einfach und gezielt arbeiten? Ein Fingerabdruck belegt in der Regel die Fläche von einem cm² – also 1 cm x 1 cm. Rechnerisch stehen auf solch einem Display damit 20 einzelne Berührungspunkte zur Verfügung. Auf dem Standard-Homescreen der Apple-Watch gruppieren sich daher 17 Anwendungen. Wie sieht es jedoch mit der praxisnahen Bedienung aus? Die Deutsche Bahn hat eine spezielle Version ihres „DB Navigator“ für die Apple-Watch entwickelt.

Ich nehme das Fazit mal vorweg: Braucht kein Mensch!

Es beginnt mit der Einstellung einer Verbindung. Da die Apple-Watch wegen ihrer geringen Display-Größe dazu nicht geeignet ist, muss die Verbindung über das iPhone gesucht und aktiviert werden. Ab diesem Zeitpunkt kann man sich Statusinformationen auf der Uhr anzeigen lassen. Primär wird die bereits zurück gelegte Reisezeit angezeigt; und damit gleichzeitig die nutzloseste Information überhaupt. Was bringt einem das Wissen, dass man von 4:30 Stunden nun bereits 2:45 Stunden in diesem Zug sitzt? Nichts!

Die Anzeige auf der Apple-Watch informiert einen – über Push-Nachrichten – auch über Verspätungen bei den Anschlussverbindungen. Dies wäre eine nützliche Information, nutzt für sich gesehen nur ziemlich wenig. Der Sprecher im Video betont noch: „Das ist ja viel einfacher, als wenn man immer das Handy raus kramen muss.“ Wie sieht jedoch die Praxis bei einer Verspätung aus? Entweder kann einem die Verspätung egal sein, da es keine Alternativen gibt. Oder man möchte hingegen wissen, welchen Ersatzzug man beispielsweise nehmen könnte. Doch dazu benötigt man wieder das iPhone.

Ein kleines nützliches Goody hat der „DB Navigator“ doch noch. Man kann sich die nächsten Haltestellen in der Umgebung anzeigen lassen und damit die Abfahrtszeiten dieser Linien. Nutzt in der täglichen Praxis jedoch auch reichlich wenig, wenn man als Ortsfremder nicht weiß, wohin die Linie Rebstockbad/Frankfurt im Detail führt. Für Pendler hingegen dürfte es reichlich irrelevant sein zu wissen, ob die nächste S-Bahn in drei oder dreizehn Minuten fährt. Und falls doch bleibt die Frage, ob der Blick auf die Uhr die ausführlichen Informationen auf dem Smartphone ersetzen kann.

Das Video zeigt nebenbei noch etwas anderes: Klicken ist auf der Uhr manchmal eher Glückssache.

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