Den Griechen brennt der Hut

Die Griechen mussten in der Eurokrise schon so manches aushalten: sie sind faul, zahlen Rente an Tote, leben nur auf Pump und die Reichen zahlen kaum Steuern. Jetzt hat das griechische Parlament ein neues Sparpaket beschlossen und die Volksseele kocht abermals hoch. Manch einer im Ausland wundert sich über das aggressive Verhalten der griechischen Bevölkerung. Doch wer die Lage genauer betrachtet, würde wahrscheinlich in ähnlichem Ausmaß handeln.

Sparen – schön und gut. Doch wo soll man kürzen, wenn man sich schon vom Bodensatz ernährt? Das griechische Staats- und Beamtentum hat in der Vergangenheit viel Spielraum für ein freizügiges Leben gegeben. Denkt man, wenn man der Berichterstattung über tote Rentner und die Superreichen liest. In Wahrheit jedoch, waren die Griechen es nie ernsthaft gewohnt, Steuern zu zahlen. Die Ausnahmeregelungen waren groß, die Einnahmemöglichkeiten klein.  Der gewöhnliche Bauer auf dem Land war mit sich und der Welt zufrieden, wenn man ihn in Ruhe gelassen hat.
Seit ein paar Monaten jedoch ändert sich das Land radikal. Der Benzinpreis hat sich nahezu verdoppelt. Grundstücksbesitzer müssen seit Neustem eine Grundsteuer zahlen. Ein weiteres Problem dabei: es gibt kein Katasteramt. Es ist also nirgendwo hinterlegt, wo das Grundstück des einen endet und das Anwesen des Nachbarn beginnt. Für die Berechnung der Grundsteuer nicht ganz unwesentlich. Auch die Mehrwertsteuer für Mineralwasser, Fruchtsäfte und Fast-Food stieg um 10 Prozent auf nunmehr 23 Prozent.

Wie würden Sie reagieren, wenn alles um Sie herum erheblich teurer werden würde, Ihr Lohn aber auf dem selben niedrigen Stand stehen bleiben würde? Sie würden sicherlich auch protestieren. Wenn Sie aber nun merken, dass das ganze Protestieren nichts bringt und der Staat sich noch weitere Kürzungsmaßnahmen ausdenkt? Die Griechen sind mittlerweile die Prügelknaben einer verkorksten europäischen Wirtschafts- und Arbeitspolitik. Es war daher abzusehen, dass sich die Frust in der Bevölkerung irgendwann in Krawallen entladen wird. Es ist ja nicht das erste Mal, dass die Straßen in Athen brennen.

Die griechische Regierung mimt in der Zwischenzeit eine angestrengte Sparpolitik, welche streng europäischen Vorgaben folgt. In Brüssel freut man sich, in Deutschland schimpft man weiter über „den“ faulen Griechen und im Land der Götter wird es zu weiteren Krawallen kommen. Auf eine erfolgreiche europäische Zukunft.

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