Das Lena-Meyer-Landrut-Syndrom

Lesen Sie heute eine Folge aus der Reihe „Feuchte Träume von Redakteuren„. Wie schafft man es, eine Nachricht zu installieren? Man muss sie nur oft genug wiederholen. Das Internet sorgt heutzutage ganz alleine für die nötige Multiplikation. Der eine kopiert vom anderen ab, ohne selbst groß nachzudenken. Doch auch bei den analogen Medien ist die Lage nicht besser. Kaum eine Zeitung oder Rundfunksendung hat nicht schon über den möglichen Sieg „unserer“ Lena in Oslo berichtet. Es scheint so, als würde Deutschland dieses Jahr in Schweden den ersten Platz einheimsen beim Eurovision Songcontest. Und dies ohne wenn und aber.

Was macht die komplette Journalistenschar so sicher, dass die Lena Meyer-Landrut mit dem Lied „Satellite“ den Sieg nach Deutschland bringen wird? Nichts. Aber wenn es die anderen sagen, dann wird da schon etwas dran sein. Keine Soße dreht sich zur Zeit mehr selbst im Kreis als die Diskussion über die Gewinnaussichten in Oslo. Die Aussagen reichen von „Es wird auch mal wieder Zeit“ bis zu „Wir sind die besten“.

Wann kann man am tiefsten fallen? Zumindest nicht dann, wenn man sich auf dem Boden der Tatsachen bewegt. Der Höhenflug aus manchen Redaktionsträumen hat schon dezent groteske Züge angenommen. Es gibt nicht anderes mehr als den Sieg in Oslo. Selbst bei Google soll wohl – durch die Analyse von Suchanfragen – bereits der Gewinner feststehen: Lena. Tief fallen kann man bspw., wenn man sich Luftschlösser baut. Oder wenn man einen Hype kreiert, den man nicht mehr gestoppt bekommt. Oder wurde in den letzten Tagen irgendwo einmal hinterfragt, welche ernsthaften Faktoren für einen Sieg von „Satellite“ sprechen sollen?
25 Länder treten am Finalabend gegeneinander an. Dabei ist wieder eine bunte europäische-eurasische Mischung zu sehen. Von A wie Albanien bis W wie Weißrussland. Wir müssten für einen Sieg also alle Länder mit ins Boot holen. Dies hat in den letzten Jahren nicht funktioniert und wird auch dieses Jahr nicht funktionieren. Aber in der ganzen Gefühlsduselei über Lena, kann man diesen Aspekt gern mal außer Acht lassen.

Eigentlich bin ich das Lied „Satellite“ schon total überdrüssig. Zu oft gehört; zu viel wurde darüber gequatscht. Hoffentlich ist bald Samstagabend. Dann hat das nationale Elend ein Ende und die Journalisten müssen sich wieder anderen Themen widmen.

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Eine Antwort zu Das Lena-Meyer-Landrut-Syndrom

  1. Memento Miri 30. Mai 2010 um 14:32 #

    Ich zitiere „Dies hat in den letzten Jahren nicht funktioniert und wird auch dieses Jahr nicht funktionieren“ ha ha ach ja da war was mit Sieg und Lena gestern in den Nachrichten *lol*
    Deutschland braucht mehr Optimismus, das Glas ist halbvoll und nicht halb leer…

    Und dank Lenas Sieg habt ihr auch Möglichkeit noch paar Artikeln zu schreiben und uns zu belustigen 🙂

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