BND sucht seine Baupläne aus der Chausseestraße

Ende 2013 wird in der Berliner Chausseestraße die modernste Geheimdienstzentrale Europas fertig gestellt werden. Der Bau, so groß wie 35 Fußballfelder, bietet später Platz für bis zu 10.000 BND-Mitarbeiter. An Baukosten werden bis heute 790 Millionen Euro genannt. Nach dem Einbau der Technik und dem Umzug aller Mitarbeiter werden sich die Kosten allerdings auf bis zu 1,5 Milliarden Euro erhöhen. Doch nun ist der Super-GAU für jeden Geheimdienst passiert: es sind Baupläne abhanden gekommen. Die Blamage ist groß und die Kosten werden dadurch noch weiter steigen.

Der Tagesspiegel meldete am letzten Wochenende, dass aus dem Baustellen-Komplex sensible Akten heraus geschmuggelt worden seien. Diese Pläne sollen unter anderem interne Darstellungen des Technik- und Logistikzentrums mit sensiblen Angaben wie Positionen von Alarmanlagen oder Anti-Terror-Einrichtungen zeigen. Diese Information für sich gesehen, wäre schon fatal genug. Doch dazu gesellt sich noch eine skurrile Information.
Die Baupläne wurden nämlich nicht erst vor wenigen Tagen aus der Baustelle heraus geschafft. Nein, man weiß wohl ziemlich genau, dass dies bereits vor fast einem Jahr passiert ist. Doch erst jetzt informiert man die Öffentlichkeit darüber. Hatte man etwa gehofft, dass die Pläne von selbst wieder auftauchen? Und selbst wenn dies eingetreten wäre, hätte auf den Dokumenten dann ein Post-It kleben müssen „Ungesehen zurück„.

Nun müssen die Anlagen zur Anti-Terror-Einrichtung ebenso neu geplant werden wie die komplette Alarmanlage. Dies wird weitere Millionen Euro kosten. Man hat den Diebstahl allerdings noch rechtzeitig entdeckt, bevor die Technik eingebaut wurde. So kann man nun alles auf den neusten Stand bringen und nebenbei ein paar Millionen zusätzlich einkassieren. Schließlich geht es um die Sicherheit der BND-Mitarbeiter und deren Geheimnisse. Den Schlapphüten wird die Blamage relativ egal sein, denn spätestens beim Einzug in ca. zwei Jahren, wird der Diebstahl vergessen sein.

Ich frage mich allerdings, wie man solche Pläne effektiv und absolut vor fremden Blicken schützen möchte. Schließlich sind bei einem solchen Bau hunderte von Arbeiter beschäftigt. Eine digitale Kopie ist schnell auf einen USB-Stick gezogen und selbst wenn Kamera-Handys auf der Baustelle verboten sind, kann keine Kontrolle wirkungsvoll genug sein. Geheimes Material lässt sich über viele Wege nach außen transportieren. Dass so etwas relativ leicht zu bewerkstelligen ist, zeigt immer wieder der erfolgreiche Schmuggel von Drogen, Handys oder Waffen in Gefängnisbereiche.

Was ist also wahr an der Geschichte? Wieso wurde ein ganzes Jahr lang der Diebstahl geheim gehalten? Und was lässt sich an einer Alarmanlage groß verändern, so dass sie danach ganz anders funktioniert als in der zuvor geplanten Variante? Oder geht es nur darum, die Baukosten mit dieser fadenscheinigen Behauptung weiter in die Höhe zu treiben? Der Klau der Baupläne ist so nebulös wie die ganze Story. Aber vom Bundesnachrichtendienst ist man nebulöses Verhalten ja gewohnt.

PS: ich hoffe der BND vermisst nicht diesen Plan (PDF).

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