qoiop – Wirrwarr zu ersteigern
vom 25. November 2009Was früher mal 1234holsdir war, ist heute q-oio-p. Hinter dem äußerst sperrig auszusprechenden Namen verbirgt sich die selbe Aktionsplattform wie bereits zu Zeiten von 1234holsdir. Für 50 Cent kann man sich einen sogenannten Token kaufen und in einer der wenigen Auktionen “versenken”. Wenn man Glück hat, ist man nach Ablauf der Mindestauktionszeit (immer noch) der Höchstbietende und hat die Auktion gewonnen. Der derzeitige Hauptgewinn ist ein Auto. Man kann bis zum 31.12. mitsteigern und einen Ford Ka gewinnen. Der Neupreis liegt bei ca. 10.000 Euro. Beim Lesen der Auktionsbeschreibung sollte man nicht zu pingelig sein; durch das Kopieren einer bestehenden Produktbeschreibung sind ein paar unschöne Textfehler entstanden.
Soviel zum durchsichtigen Teil von qoiop. Sobald man allerdings versucht, ein paar weitere Informationen zusammen zu tragen, kommen leichte Ungereimtheiten zu Tage.
Die Herkunft der Besucher
Unter Alexa kann man für fast alle Websites eine relativ genaue Besucherstatistik abrufen. Für die Auswertung von q-oio-p stellt man mit Überraschung fest, dass ca. 60 Prozent der Besucher aus Italien kommen (Update: Stand vom 26.11.2009). Wie das? Die Auktionsplattform gibt es nur in Deutsch. Wie finden sich die vielen Italiener auf einer deutschsprachigen Auktionsplattform zurecht? Sucht aus Italien vielleicht jemand seinen Ford Ka?
Verluste über Verluste?
Die Auktionswebsite qoiop gibt es erst seit wenigen Wochen. Doch bereits jetzt wird jeden Tag ein großes Paket an Waren versteigert. Und irgendwie findet fast alles einen Abnehmer. “Der frühe Vogel fängt den Wurm” sagt der findige Teilnehmer. “Am Anfang macht ein Unternehmen eben Verluste” sagt der Chef. Das muss man einkalkulieren. Ist ein Unternehmer wirklich so blind? Ich habe mal nachgerechnet.
Anhand von 21 zufällig ausgewählten Auktionen habe ich den Gewinn bzw. Verlust für qoiop berechnet. Anhand der angegebenen UVP habe ich die Differenz errechnet, mit welcher qoiop die Ware gekauft und dann versteigert hat. Für die bereits abgeschlossenen und verkauften 1075 Artikel ergibt dies einen Verlust von 300.000 Euro (inkl. Umsatzsteuer). Wäre ich Unternehmensberater, würde ich zur sofortigen Geschäftsaufgabe raten. Dies hat nichts mehr mit Geld verbrennen zu tun. Dies ist blinder Aktionismus.
Indische “Eltern”
Inder managen heutzutage nicht nur das eigene Privatleben, sie produzieren auch möglichst günstig Software. Die Auktionsplattform von qoiop stammt von Sonik Technologies aus Indien. Kaufen oder zumindest anschauen kann man sich die unterschiedlichen Auktionsformen im Internet. Und man kann sich auch sofort ein passendes Theme (Design) aussuchen. Und siehe da, qoiop hatte sich für Theme SNK029 entschieden. Aber moment mal: in dem Beispiel-Layout wird auch ein Auto verkauft; ein “Mersedes Benz”. Welch blöder Zufall.
Alleine die Verluste von annähernd 300.00 Euro in einem Monat lassen bei mir gewisse Zweifel aufkommen. Entweder ist die Geschäftsleitung selten ungeschickt oder …!? Würde ein Unternehmen bspw. einen Laptop mit einem Einkaufspreis von 1.500 Euro für ganze 2 Euro verschenken?
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