SD-Fernsehen wird fortgesetzt – weil HD nicht so gut läuft

Manche technische Errungenschaft wirkt erst auf den zweiten Block grotesk. So geschieht es zur Zeit mit dem SD-Fernsehen. Weil die Privatsender ihr HD-Angebot schlecht verkaufen, geht SD in die Verlängerung.

Technischer Fortschritt ist prinzipiell als positiv zu betrachten. So ist auch oder eher speziell das Fernsehen einem steten Wandel unterworfen. Aus dem Schwarzweiß-Programm wurde 1967 das Farbfernsehen. Wenig später folgte dem Mono-Ton das Stereo-Vergnügen. Aus dem Röhren-Gerät wurde die Flachbild-Glotze. Das Format 4:3 wurde abgelöst durch das breitbandige 16:9. Und irgendwann gab es das Signal nicht mehr in Analog sondern nur noch digital; entweder über Satellit, DVB-T, DVB-S (Kabel) oder über IPTV. Nur dem Single-Definition-Format (SD-TV) hängt eine gewisse Dauerhaftigkeit nach.

Wer hat Angst vor HD-TV?

In Deutschland startete das High Definition Television, kurz HD-TV, mit Pro-Sieben im Jahr 2005. Wenig später im Sommer 2006 konnte man die Fußball-WM bereits im hochauflösenden Format bewundern. Über die Jahre haben alle Sender und Produzenten ihre Technik komplett auf HD umgestellt. Kameras, Schnittprogramme, Regie, Sendeanlagen, alles existiert mittlerweile nur noch in HD-Technik.

Es mag zwar hier und da vielleicht noch einen alten Fernseher geben, welcher nur das Single-Definition-Format (kurz SD-TV) verstehen würde. Doch für diese speziellen Fälle gäbe es geeignete Reciever. 80 Prozent aller Haushalte schauen die HD-Programme. Laut Schätzungen der ARD sind sogar 95 Prozent der deutschen Haushalte technisch in der Lage, das HD-Signal zu empfangen. Der Rest hat es wohl nur noch nicht geschafft, im Fernseher die Programme entsprechend neu zu ordnen.

HD ist nicht für alle gut

Mit der „Geburt“ von HD hatten sich die Privatsender (RTL-Gruppe und Pro-Sieben-Sat1) dazu eingeschworen, die neue Technik nur gegen Gebühr frei zu geben. Anfangs war noch das Argument, dass HD-Fernsehen die Produktion teurer machen würde. Durch den grundsätzlichen technischen Wandel hat sich die Technik so oder so erneuert. Die Gebühr für das hochauflösende Werbefernsehen ist geblieben. Minimum kostet es für einen Privathaushalt 70 Euro im Jahr, die Privat-Sender in HD+ sehen zu können.

Mit der Vermarktung und dem Vertrieb beauftragt ist die HD Plus GmbH, eine Tochtergesellschaft der SES-ASTRA. Seit 2009 versucht man nun bereits, das werbefinanzierte Fernsehen noch teuer zu machen, in dem man den Kunden beziehungsweise TV-Zuschauer mit der HD-Gebühr gesondert zur Kasse bittet. Nur so recht funktionieren mag das Ganze nicht. Für das Jahr 2019 wird eine Marktdurchdringung von circa 20 Prozent geschätzt. Neue Zahlen veröffentlichen HD+ sowie Freenet nicht (mehr). Man kann trefflich darüber streiten, wieso man sich zurückhaltend gibt.

Neben den Kosten sind sicherlich auch die technischen Einschränkungen ein Grund. Kunden mit Sat-Schüssel benötigen einen Reciever mit CI-Modul, Kabelkunden einen geeigneten HD-Reciever, IPTV-Zuschauer einen entsprechenden Vertrag. Die RTL-Gruppe unterbindet das sogenannt Time-Shift; man kann also beim Live-Programm keine zeitlichen Blöcke überspringen. So soll verhindert werden, dass man beispielsweise die Werbung überspringt.

Nur mit SD kann man HD zu Geld machen

Die Öffentlich-Rechtlichen wären rechtlich in der Lage, im Jahr 2021 ihren SD-Sendern den Stecker zu ziehen. Und so wurde es 2019 auch noch vollmundig verkündet. Die Privaten haben jedoch andere Pläne und verlängern die Ausstrahlung ihrer SD-Formate auf ungewisse Zeit. ARD und ZDF machen nun ebenfalls einen Rückzieher von ihren Abschaltplänen und liefern dafür teils obskure Erklärungen. Zum einen hat man von SES-ASTRA ein attraktives Verlängerungsangebot erhalten. Jene SES-ASTRA welche bei den Privaten die HD-Sender vermarktet und eigentlich nur ein Ziel verfolgt: mehr zahlende HD+ Kunden. Zum anderen wolle man all jenen Zuschauerinnen die Teilhabe an öffentlich-rechtlichen Programmangebot nicht verwehren. Wir erinnern uns: 95 Prozent aller Haushalte wären technisch in der Lage auf SD zu verzichten.

HD-Fernsehen ist im Jahr 2020 der Standard. Das SD-Signal muss seit einigen Jahren extra berechnet und bereit gestellt werden. Bei den Öffentlich-Rechtlichen entbehrt diese Haltung jeglicher Wirtschaftlichkeit. Die Privaten jedoch hängen am SD-Format wie die Fliege am süß-klebrigen Fliegenfänger. Obwohl die Mehreinnahmen durch HD+ nicht sonderlich groß sein können, wollen sie auf diese Einnahmequelle nicht verzichten. Werbefinanziert plus HD-Gebühr ist und bleibt jedoch doppelt pervers. Und die inhaltliche Qualität rechtfertigt die extra Gebühr ebenfalls nicht.

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