Papst oder Popstar – wo ist der Unterschied?

„Habemus papam!“ Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist der neue Papst. Und wie schon bei Papst Benedikt XVI. hat die Berichterstattung bei der Konklave gefiebert und die Welt sich gefreut, als wäre Michael Jackson auferstanden.

Nach 8 Jahren hat die katholische Kirche ein neues Oberhaupt, den 266. in der Riege. Und dieses Mal ohne dass der Vorgänger den grausamen Weg des Ablebens gehen musste. Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist am 13. März 2013 zum Papst Franziskus ernannt worden. Die Kardinäle ließen nach der fünften Wahl ausrufen „Habemus papam“  – „Wir haben einen Papst“. Erging es nur mir so, oder erinnert das ganze Gebaren immer mehr an einen Popstar als an einen Papst?

Zum Glück darf der Dieter Bohlen hier nicht mitreden. Die Auswahl wäre zu einer vulgären Schimpftirade verkommen. Dass der Pope für das Zielpublikum viel zu alt erscheint, wäre noch die schmeichelhafteste Aussage gewesen. Aber dennoch hatte auch diese Konklave den großen Charme einer göttlichen Inszenierung. Schwarzer Rauch, weißer Rauch. Dutzende von Fernsehstationen und hunderte von Reporter schauen gebannt auf einen kleinen Schornstein. Und kaum steigt der ersehnte weiße Qualm aus dem Ofenrohr, überschlagen sich die Berichterstatter. Die Nachrichtenkonsumenten gieren nach der Meldung, also bekommen sie das Ereignis auch aus allen Blickwinkeln serviert.

Vor dem Petersdom versammeln sich zu solchen Anlässen immer Tausende von Menschen. Ob christlich oder gläubig spielt dabei wohl keine Rolle. Man will bei dem Event, bei dem Happening(?), einfach mit dabei sein. Schließlich wird nicht alle Tage ein Papst gewählt. Und wenn der neu gewählte Bischof von Rom dann vor das versammelte Volk tritt, könnte man erst recht den Eindruck bekommen, ein großer Popstar hätte die Bühne betreten. Der Pontifex ist eigentlich nur das geistliche Oberhaupt der Christen; viele verehren ihn aber wie eine Gottheit.

Und mitten drin die Berichterstatter, welche am christlichen Treiben fleißig teilhaben. Die Welt muss schließlich jedes kleinste Detail erfahren über einen – eigentlich – gewöhnlichen Priester. Was er so denkt, was er denken könnte, wie er zur Homo-Ehe steht, seine Einstellung zur Armut und zu ethischen Grundsätzen und was er alles ändern könnte und sollte. Die Menschen legen große Hoffnungen in den neuen Pontifex und doch ist dieser nur eine Marionette eines großen Systems. Dies wird oft vergessen, sowohl von den geistlichen Schäfchen als auch von den gierigen Berichterstattern.

Dass der Papst wie ein Popstar gesehen wird, zeigt auch der neue Spiegel. Im angedeuteten Popart-Design fragt der Spiegel mit der Überschrift „Gottes bester Mann?“ Abgesehen davon, dass Gott keinen Fürsprecher braucht, erinnert die Aufmachung mehr an eine Kunstfigur als an einen Würdenträger. Aber vielleicht steckt hinter dem Titel auch eine tiefere Botschaft. Vielleicht ist das Ganze eigentlich nur noch eine inszenierte Veranstaltung mit dem Ergebnis, dass am Ende ein charismatischer, alter Herr auf dem Balkon steht, ein bisschen mit dem Armen winkt und die bezirzten Anhänger wie von Gottes Gnaden andächtig auf die Knie fallen.

Fehlt eigentlich nur noch, dass für die nächste Wahl ein Telefonvoting gefordert wird. Eine Abstimmung per SMS. Damit könnte die katholische Kirchen richtig viel Geld einnehmen, wenn circa 1,2 Milliarden Christen zur Wahl aufgefordert werden. Das wäre dem selbstverliebten Konklave aber wohl zu viel der Öffnung nach außen. Das katholische Imperium macht seine Gewinne lieber mit Unternehmensbeteiligungen oder gleich über die eigenen Bank.

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