Lotto darf nicht süchtig machen

Manchmal sind es die kleinen Zwischentöne, die Pressemeldungen so interessant machen. Die BILD-Zeitung hat heraus gefunden, dass Lotto spielen ab Anfang des Jahres 2010 teurer werden soll. So soll eine einzelne Reihe zukünftig 90 Cent oder gar einen Euro kosten. Dafür werden die Gewinnklassen neu eingeteilt und die Zusatzzahl soll gänzlich wegfallen. Mit der neuen Regelung soll eine weitere Gewinnklasse eingeführt werden: zwei Richtige mit Superzahl. Die Superzahl soll laut Meldung dann auch für alle anderen Gewinnklassen gelten. Als Grund gibt der Deutsche Lotto- und Totoblock den schwindenden Umsatz an. Dieser sank in den letzten vier Jahren um 1,6 Milliarden Euro auf 6,5 Milliarden. Dies sei der niedrigste Umsatz seit zwölf Jahren.

Etwas unpassend dazu ist die Stellungnahme des Deutschen Lotto- und Totoblock auf der eigenen Website mit dem Titel Keine Kommerzialisierung des Glücksspiels. Auf der Seite nehmen drei bekannte Politiker Stellung zum Glücksspiel, der Suchtprävention und der Kommerzialisierung.

So schreibt z.B. Renate Schmidt, Mitglied des Deutschen Bundestages und Bundesfamilienministerin a.D.: „Es darf nicht sein, dass private Unternehmen die Spielleidenschaft der Bevölkerung gezielt anheizen und damit Profite erzielen, während die sozialen Folgen übermäßigen Spiels wie Überschuldung, Spielsucht oder Begleitkriminalität die Allgemeinheit trägt.“ Für private Unternehmen gelten anscheinend verschärfte Regeln. Für die staatliche Lotterie gelten diese Vorgaben allerdings wohl nicht, wenn man den Umsatz mit den neuen Lottoregelungen wieder in die Höhe treiben möchte.

Etwas sinnentleert ist die Aussage von Dr. Rudolf Seiters, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes und Bundesminister a.D.: „Nur ein staatliches Angebot garantiert, dass der natürliche Wunsch des Menschen nach Glücksspiel in geordnete Bahnen gelenkt und der Spielsucht wirksam vorgebeugt wird.“ Wieso schafft dies nur ein staatliches Angebot? Wo liegt der Unterschied zu privatwirtschaftlichem Glücksspiel? Und wie ist dies mit der neuen Regelung vereinbar, dass nun auch bereits mit zwei richtigen Zahlen gewonnen werden kann? Unterstützt dies nicht zusätzlich eine mögliche Spielsucht?

Das staatliche Lotto hat es nicht leicht. Auf der einen Seite muss man der Glücksspielsucht entgegen wirken. Auf der anderen ist man aber auch getrübt, wenn der Umsatz nach unten zeigt. Die Lage ist nicht nur pervers, sie ist auch dezent schizophren. Die neuen Regelungen dienen dem einen Zweck: die Leute sollen wieder mehr Lotto spielen. Aber was ist dann mit der Spielsucht? Die ist wohl nur halb so schlimm, denn es handelt sich ja beim Lotto um ein staatlich kontrolliertes Glücksspiel. Und schließlich ist es wohl besser, wenn das Volk lieber mehr staatliches Lotto spielt als in privaten Lotterien sein Glück versucht.

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Eine Antwort zu Lotto darf nicht süchtig machen

  1. Junawa 18. Januar 2010 um 11:42 #

    Tach zusammen !
    Die staatliche Lotterie dient unserem Land als eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle. Glücksspiel zum einen, wenn´s andere anbieten gesetzlich einzuschränken, während man es ja selber mit größerer Freiheit tut ist gewissermassen eine Gratwanderung. Täuschen kann man mit dem heuchlerischen Getue trotz alle dem offenbar die meisten unserer Bürger.
    Offen gestanden ist das hier kein Problem, wie bspw. die Finanzkrise oder dergleichen, aber es stellt dennoch eine Ungerechtigkeit (von Vielen) dar. Man sollte sich der Gerechtigkeit wegen für eines entscheiden:
    a) Glückspiel komplett abschaffen oder
    b) Es für alle zu denselben Konditionen erlauben.
    Unsere Regierung bleibt allerdings lieber bei
    c) alles so lassen, wie es ist,
    da bei a) eine Einnahmequelle ganz flöten geht und bei b) der Wettbewerb angeregt wird.
    Naja, aber wie ich vorhin schon sagte:
    Es gibt momentan wichtigere Probleme als das hier und das wird sich in unserer Demokratur so bald auch nicht ändern, wenn unsere Damen und Herren im Bundestag großzügige Spenden von großen Konzernen wie der Allianz – und wie sie alle heißen – geknüpft an die Bedingung, in Zukunft vorteilhafter für das spendende Unternehmen zu entscheiden.
    Auf die Entscheidung für den größten persönlichen Vorteil bei den Menschen (nicht nur bei den Politikern und es ist auch selten nur einer alleine !) sind wahrscheinlich die meisten Mißstände unserer Gesellschaft zurückzuführen.
    Sorry, jetzt bin ich so weit abgeschweift, daß ich schon über ein komplett neues Thema schreibe. Vielleicht ist es möglich hierzu einen eigenen Blog anzulegen. Ich wäre auf jeden Fall dabei…

    Euer Junawa

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