Lieber Bauer-Verlag: was ist ein ‚monatliches Weekly‘?

Der Bauer-Verlag bringt derzeit neue Magazine auf den Markt. Soweit so unspektakulär. Das neue Heftchen „Meins“ ist allerdings als „monatliches Weekly“ angelegt. Eine Verlagssprecherin erklärt hierzu: das Heft sei monatlich angelegt, habe aber einen „Weekly-Charakter“. Alles klar!? Also so etwas wie eine Tageszeitung, die nur einmal wöchentlich erscheint. Man könnte es auch nüchtern auf den Punkt bringen: der Leserschaft ist der verschwurbelte Anglizismus völlig egal, den der Inhalt ist der gewöhnliche Mix aus Service, Ratgeber, Storys über Prominente und Geschichten aus dem realen Leben.

Das Magazin „Meins“ ist an die weibliche Generation 50plus gerichtet. Ingo Klinge, Geschäftsführer der Bauer Premium GmbH, sagt hierzu:  „Zeitschriftenkonzepte, die diesen Trend aufgreifen und die Wünsche und Bedürfnisse dieser Frauen auf den Punkt bedienen, fehlen bisher allerdings völlig„. Nur welche speziellen Bedürfnisse wünscht sich eine Frau ab 50 Jahren in einer Zeitschrift aufgearbeitet? Ich kann mir da nur das Übliche denken: die Vorstellung von Anti-Aging-Produkten, Wellness-Angebote an der See oder in den Bergen, schöne Fotos von leckerem Essen und natürlich der bunte Tratsch von Prominenten, die ungefähr im selben Alter sind. Innovativ ist das nicht. Und eine besondere Leistung für eine gesonderte Zielgruppe ist es auch nicht.

Man wirbt zudem mit dem Slogan „Frauen wie wir. Welches „wir“ ist damit gemeint? Ist die Redaktion etwa mit rüstigen „Frührentnerinnen“ besetzt? Dies wäre mehr als eine Erwähnung wert. Dies wäre nicht nur äußerst sozial sondern würde dem Blatt den ganz speziellen Hauch von Authentizität verleihen. Wenn die Redaktion ungefähr so alt wäre wie ihre Leserschaft, könnte man wirklich von einem „Frauen wie wir“ sprechen. Oder arbeiten bei Bauer doch nur – wie so häufig – Werkspraktikantinnen im blutjungen Alter von 20 Jahren?

Bei Bauer ist man sich zudem nicht so ganz sicher über die Bedürfnisse der 50plus-Generation. Man gibt an, dass 95 Prozent der älteren Generation immer noch nach wie vor gerne und regelmäßig Zeitschriften lesen. Gerade wohl deshalb hat man bei Facebook die Lese-Community „Café Meins“ gestartet. Ich bin verwirrt. War ich doch immer der Meinung, dass gerade die ältere Generation einen großen Bogen um Facebook macht. Aber ehrlich gesagt, kenne ich die wirklichen Bedürfnisse der reiferen Frauen nicht. Beim Bauer-Verlag scheint man da eine Generation weiter zu sein.

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