Jetzt neu: Tag- und Nachteinkauf.

Zuerst ein Vermerk an alle Diskutanten: nicht die Ladenöffnungszeiten sind abgeschafft worden sondern die Ladenschlusszeiten. Hingegen sind die Öffnungszeiten auf eine 24-Stunden-Regel ausgeweitet worden. Schwierig, aber man sollte in der Hitze des Gefechts nicht die Bezeichnungen durcheinander würfeln.

Nun aber zu den neuen Ladenöffnungszeiten.


Shoppen, 24 Stunden am Tag, an allen Werktagen. So stellt sich der moderne Homo erectus kapitalismus sich das Geldausgeben vor. Und laut Umfragen wünscht sich die Mehrheit der Bevölkerung auch die langen Öffnungszeiten.

Was bringts?
Was es bringt, ist schnell und eindeutig definiert. Shoppen bis der Arzt kommt oder ganz „banal“: nachts um 3 Uhr nen Liter Milch kaufen.

Was es nicht bringt.
Die Ladenbesitzer träumen von höheren Umsätzen. Die Verkäufer träumen dagegen von geregelten Arbeitszeiten. Und der Käufer träumt davon, dass er seine Milch im „Nachtkauf“ genauso günstig bekommt, wie beim normalen Discounter. All dies wird aber nicht eintreten.

Ein Euro bleibt ein Euro. 100 Cent lassen sich nun nur einmal ausgeben. Danach sind sie weg. Der höhere Umsatz wird also nicht kommen.

Die Verkäufer sind die Leidtragenden an der ganzen 24h-Shoppen-Faszination. Fragen Sie mal einen an der Kasse, ob er Spaß dabei hat, nachts um 3 Uhr Waren über den Scanner zu ziehen.

Und dann ist da noch die Sache mit den Preisen. Wer schon einmal in einem Spätkauf eingekauft hat, wird bei seinem nächsten Einkauf dort nur noch das Nötigste mitnehmen. Denn späte Öffnungszeiten haben ihren Preis. Das Personal muss schließlich irgendwie bezahlt werden. Dies wird über den Preis geregelt. Gibt es deshalb bei großen Einkaufsketten, welche einen 24-Stunden-Service anbieten, bald unterschiedliche Tag- und Nachtpreise?

Was bleibt.
Nicht jeder Ladenbesitzer wird sich dem Wunsch seiner Kundschaft anschließen, und die Ladentür nur noch am Wochenende zuschließen. Zu hohe Personalkosten werden das KO-Kriterium für viele Ladeninhaber sein, bei den gewöhnlichen Ladenöffnungszeiten (bis max. 20 Uhr) zu bleiben.
Auch werden zugeparkte Straßen ausbleiben, wenn man nachts um 2 Uhr durch die Einkaufspassagen flanieren wird. Wer hat schon groß Lust, nach der Arbeit sich noch die Beine platt zu treten. In Einzelfällen und kurz vor Weihnachten mag dies noch funktionieren. Aber was ist in den anderen 11 Monaten im Jahr?

Wenn man es knallhart realistisch betrachtet, dann lässt sich sogar folgender Schluss ziehen:
Jene, die arbeiten gehen und dadurch viel Geld haben, werden nicht nachts um 23 Uhr in Einkaufspassagen umherspringen. Denn wer morgens um 8 Uhr wieder auf Arbeit ist, muss irgendwann auch schlafen. Da bleibt nachts keine Zeit fürs Geldausgeben.
Jene, die von staatlicher Unterstützung leben und dadurch nur begrenzt Geld zum Einkaufen haben – Studenten inbegriffen, können sich natürlich auch einmal um 24 Uhr einen Gang durch die Shopping-Mall gönnen. Nur leider fehlt es diesem Kundenkreis an den finanziellen Möglichkeiten.

Die Erwartungen sind auf beiden Seiten zu hoch angesetzt. Es ist begrüßenswert, dass die Länderregierungen den Weg öffnen zu freien Öffnungszeiten. Allerdings wird die Zahl der aktiven Nachtshopper sich in Grenzen halten. Die Umsätze in den Nachtstunden werden kaum die profitable Grenzen überschreiten und sich höchst wahrscheinlich auf das „gewöhnliche Spektrum“ begrenzen: Kippen, Bier und was zu knabbern.

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