FDP: Friedhof Deutscher Politiker

Die Freie Demokratische Partei Deutschland leidet. Sie leidet wegen der Wahlniederlagen, sie leidet personell und sie leidet an schlechter Presse. Einige sagen bereits, dass bewusst auf der FDP rumgehackt wird. Ist das wirklich so, oder hat die FDP zur Zeit nur einen schlechten Lauf? An vielen Entwicklungen ist die Partei und ihre Mitglieder selbst schuld. Dass das Chaos und der „Kindergeburtstag“ in der FDP von der Presse willkommen aufgenommen wird, kann keinem Journalisten angekreidet werden.

Otto Graf Lambsdorff, Wolfgang Gerhardt, Klaus Kinkel, Hans-Dietrich Genscher und vielleicht noch eine Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sind Persönlichkeiten, welche die FDP in den zurückliegenden 20 Jahren positiv geprägt haben. Stark zusammengefasst ist der Rest der Partei im bundesdeutschen Maßstab allerdings nicht erwähnenswert.
Spaß-Guido ist zwar eine interessante Persönlichkeit, doch Egozentrik und Euphorie sollte man – speziell als Politiker – immer wohl dosiert einsetzen. Auch Abstürze aus großer Höhe hat es bei der FDP schon gegeben. Jürgen Möllemann verzettelte sich zuerst mit populistischen Äußerungen und dann verklemmte sich auch noch sein Fallschirm. Also wenn die FDP ein personelles Problem hat, dann muss sie das mit sich selbst ausmachen. Da ist auch keine schlechte Presse daran schuld.

Heute beim 62. Bundesparteitag der FDP in Rostock gab es das große Stühlerücken. Doch wer die große Abrechnung erwartet hat, wurde (bitter) enttäuscht. Statt dessen gab es friedliches Händchenhalten und der mutige Ausblick auf rosige Zeiten. Man möchte nicht auf die gemachten Fehler zurück schauen sondern sich neuen Aufgabe zuwenden. Welche dies im Detail sein werden, darüber ist man sich in der FDP schon seit Monaten nicht ganz im Klaren.

Zuerst wurden nun erst einmal kräftig am Personenkarussell geschubst. Etwas unfreiwillig hat die (ehemalige )Vizepräsidenten des Europäischen Parlamentes, Silvana Koch-Mehrin, sich „beurlauben“ lassen. Sie ist von allen politischen Ämtern zurück getreten, weil man auch in ihrer Doktorarbeit auffällig viele kopierte Zeilen gefunden hat. Rainer Brüderle hat statt dessen nicht zu tief ins Glaus geschaut, wird morgen aber dennoch mit einem Kater aufwachen. Sein Amt als Bundeswirtschaftsminister ist er los, weil dies an den ehemaligen Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler abgeben musste. Rösler wurde zudem als neuer Bundesvorsitzende der FDP gewählt. Diesen Posten hatte bis zum Freitag den 13. Dr. Guido Westerwelle. Die Arbeit von Herr Rösler übernimmt übrigens Daniel Bahr. Hier und da gab es noch andere personelle Veränderungen. Auffällig ist jedoch, wie jung das neue Team der FDP ausgefallen ist. Sie ist zwar politisch gesprochen der Juniorpartner der CDU, aber ob dies auch personell unbedingt sein muss, halte ich für keine gute Wahl. Was wollen die Jungnasen den an Erfahrung vorweisen?

Manche Personen findet man spontan sympathisch, andere hingegen würde man nie zu sich nach Hause einladen. Einer dieser unsympathischen Gäste ist für mich der (neue) FDP-Chef Philipp Rösler. Viele können sein grenzdebiles Dauergrinsen nicht mehr ertragen. Sobald er eine Kamera sieht, zeigt er sein jugendlich verschmitzt wirkendes Lächeln. Wenn ich ihn in einem Interview sehe, habe ich zudem  immer den super perfekten Schwiegersohntyp vor Augen. Philipp Rösler hat weder Ecken noch Kanten. Er ist einfach nur schmierig und glatt. Ob er eine gute Wahl für den Parteivorsitzenden ist, wage ich zu bezweifeln.

Guido Westerwelle war ebenfalls so eine Nummer, die man nicht wirklich ertragen konnte. „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab„, hatte er vor nicht all zu langer Zeit vor Fernsehkameras gesagt. Da wollte ich fast unverschämt hinterher rufen: „Ja, aber den Rest auch nicht.“ Dass er von der Presse in letzter Zeit gemoppt wurde, daran ist er prinzipiell selber schuld. Seine egozentrische Eigenart passt(e) nicht so recht ins Bild. Er gab sich einfach meist zu selbstsüchtig. Wahrscheinlich deshalb wurde er immer weniger in Talkshows eingeladen.

Die junge FDP kämpft mit der Pubertät. Man wirkt trotzig und verdrängt bewusst den Blödsinn von gestern. Und Teenies wechseln gern mal von heute auf morgen die Liebschaften. Dennoch ist man ein eingeschworener Freundeskreis, der durch dick und dünn geht. Teenager leiden aber an einer menschlichen Eigenschaft: sie sind unerfahren. Dies dürfte das größte Problem der verjüngten FDP in nächster Zeit werden. Man wird der Mannschaft den Schneid nicht abkaufen, um beim ehrwürdigen Guido-Zitat zu bleiben.

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2 Antworten zu FDP: Friedhof Deutscher Politiker

  1. rhein main 14. Mai 2011 um 17:03 #

    Der neue FDP Chef Rösler will seine kleine Partei wieder nach vorne bringen, indem er sich gegenüber der Union abgrenzt. Nun ja, eine Möglichkeit. Wer will aber permanente Neinsager an der Regierung. Der FDP kann es nur gelingen, wieder nach vorne zu kommen, wenn sie sich konsequent für die Einhaltung der Bürgerrechte einsetzt. Also gegen die Voratsdatenspeicherung und ähnliche Einschränkungen. Und da nicht rumeiern.

  2. Manni 17. Mai 2011 um 20:45 #

    Alles auf den Punkt gebracht. Für mich ist das eine sterbende Partei (ja, ich weiß, totgesagte leben länger…)

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