Die staatliche Verwaltung liebts kompliziert

Wer den Gang in eine Behörde ‚wagt‘, der tut dies meist nur aus dem einen Grund: einen Antrag stellen. Zimmer 312a, den linken Gang hinten rechts. Die Wege zum entsprechenden Sachbearbeiter sind meist genauso kompliziert, wie das Stellen des Antrages selbst. Handschriftlich füllt man ein – manchmal bereits mehrfach kopiertes – Dokument aus,  gibt es der/dem Verwaltungsangestellten. Jene/r übertragt dann die handschriftlichen Angaben in ein EDV-System. Auch auf den Ämtern hat seit langer Zeit der PC Einzug gehalten. Viel spüren tut man davon allerdings nicht.

Es geht auch einfacher.
Teilweise erlebt man bereits heute schon einen gewissen Anflug von Produktivität, wenn man im Internet die Seiten von Verwaltungen aufruft. Die wichtigsten Infos kann man sich als PDF herunter laden oder es gibt pfiffige Suchmaschinen, welche einem beim Auffinden von verstaubten Paragraphen helfen.
Es geht allerdings manchmal sogar noch fortschriftlicher: PDF-Formulare zum Ausfüllen. Man lädt sich das gewünschte Dokument (zum Antrag X) zuhause auf den Rechner und füllt es mit den entsprechende Werten. Im Dokument eingebaute Plausibilitätsprüfungen verhindern schon beim Ausfüllen den größten Mist. Im Feld Geburtsdatum kann es z.B. nun einmal keine Kommaangaben geben. Oder wer beim Punkt 2c ein „Ja“ ankreuzt, muss damit auch die Felder 2d bis 2f ausfüllen. Machbar ist hier und heute schon vieles.

Nach ‚einfach‘ kommt ‚kompliziert‘.
Wie abrupt die moderne Technikwelt enden kann, zeigt einem der weitere Werdegang. Ist man mit dem Ausfüllen des Dokumentes fertig, bleibt einem nur eines: ausdrucken und zum Amt bringen. Dort überträgt der Sachbearbeiter die Daten vom Ausdruck wieder in ein EDV-System. Aus digitalen Daten werden wieder analoge, um sie in einem weiteren Arbeitsschritt wieder zu digitalen Daten werden zu lassen.
Kompliziert? Ja! Es ist allerdings die traurige Realität.

Wann kommt der digitale Antrag?
Man fragt sich zurecht, wieso es in deutschen Amtsstuben so kompliziert zugehen muss. An der nicht vorhandenen Technik kann es nicht liegen. Ein PC steht mittlerweile an jedem Schreibtisch. Was hindert die deutsche Verwaltung den digitalen Antrag einzuführen? Ein beliebtes Gegenargument ist die fehlende elektronische Unterschrift.
Die Vorstellung unserer Regierung ist folgender: man füllt seinen Antrag zuhause am PC aus und ‚unterschreibt‘ diesen mit seiner persönlichen Chip-Karte. Damit ist gesichert, dass man selbst der Antragsteller ist. Die Daten werden über das Internet versendet. Fertig. Einzig und allein wegen der fehlenden elektronischen Unterschrift kommt es nicht zu einer digitalen Revolution im Verwaltungsbereich!?

Einfache und günstige Zwischenlösung.
Solange die Chip-Karte mit dem persönlichen ‚Fingerprint‘ noch fehlt, könnte man ohne größere Probleme trotz allem die digitale Datenverarbeitung voran treiben. Die Lösung ist so simpel wie einfach:

  • Der Antragsteller füllt im Internet seine Formulare aus.
  • Die Daten werden gesichert und verschlüsselt an das Amt übertragen.
  • Am Ende des Prozesses bekommt man eine Telenummer – wie bei der Steuererklärung.
  • Mit dieser Telenummer geht man wenig später zum Amt.
  • Unter Nennung dieser Nummer ruft der Mitarbeiter den Fall bzw. den Antrag auf.
  • Vor Ort wird die Authentizität des Antragstellers überprüft (Ausweis) und vor Ort gibt man seine Unterschrift.

Fertig. Dieser Prozess erspart wertvolle Zeit für das doppelte Eingeben von Daten, behebt die Fehlübertragung von Daten und man kann prinzipiell auch im Internet den Verlauf seines Antrages überprüfen – unter Angabe der Telenummer.

Was hindert die Regierung?
Es beschleicht einen das Gefühl, unsere Verwaltung liebt den komplizierten Akt der doppelten Arbeit. Dieses Gefühl ist insofern nicht falsch, weil durch die digitale Datenverarbeitung viele Arbeitsplätze wegfallen würden. Da der Staat prinzipiell nicht aufs Sparen angewiesen ist, hat man es dort auch noch nie gelernt, mit dem verfügbaren Geld vernünftig zu haushalten. Kein Abteilungsleiter würde dem digitalen Antrag widerspruchlos zustimmen, wenn dafür Mitarbeiter aus seiner Verwaltungsecke entlassen werden müssten. Und da es ja nicht das eigene Geld ist …


Der digitale Antrag wird somit noch länger auf sich warten lassen, denn die Verwaltung liebt es tatsächlich kompliziert. Weil einfach würde bedeuten: einfach weniger Beamte. 

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Eine Antwort zu Die staatliche Verwaltung liebts kompliziert

  1. Markus 3. Juli 2008 um 09:33 #

    Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Weniger Beamte geht nicht. Ausser die Beamten sterben weg. Alles eine Frage der Zeit.

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