Das Verbrechen, das aus dem Internet kommt

Hessischer Rundfunk, Mittwoch den 13.12.2006, 22:15 Uhr, Titel „Betrüger, Erpresser, Terroristen – Die unheimlichen Herrscher des Internets„. Der TV-Zuschauer hält den Atem an. Was er zu sehen bekommt, ist eine Reportage aus Angstmachen, Übertreiben und Dilettieren. Mit dem größten Freund des Journalisten, dem Suchmaschinengiganten Google, geht es per Google Earth zu allen großen Metropolen der Welt. Das beste für die Macher der Reportage war sicherlich das viele Umherreisen und Fliegen in fremde Länder. Doch zurück zur Berichterstattung.

Hand hält @-Zeichen

Als Fazit aus dem Film lässt sich sagen: ohne das Internet wäre die Welt viel friedlicher.
Darf man es sich als Journalist so einfach machen? Nein! Reicht es, wenn man bei solchen Themen nur eine Seite der Medaille zeigt? Nein! Sollte man seine Meinung als Journalist schon im Titel der Sendung kund tun? Nein! Um es kurz zusammen zu fassen:

  • Ein 23-Jähriger bastelt aus Freude an der Materie ein Botnet, welches kurze Zeit später einen großen finanziellen Schaden anrichtet.
  • Bei einem Ski-Hersteller und Freizeitausrüster bei Wien läuft 36 Stunden lang nichts mehr. Grund: ein böser Hacker-Angriff.
  • Ein Wettspielanbieter aus Malta wird aus dem Internet erpresst: Geld her oder die Rechner stehen still. Geld fliest keines, dafür fließen die Daten in den Rechnern wenig später auch nicht mehr.
  • Zwei Libanesen holen sich auf dem Internet die Bauanleitung für eine Kofferbombe, um diese später in Bahnhöfen zur Explosion zu bringen. Der Plan scheitert wegen handwerklicher Fehler.
  • In Moskau ergaunern Jugendliche über das Internet die Daten von tausenden Kreditkarten und gehen damit ’shoppen‘.
  • Die Polizeiermittler sind generell überlastet.
  • Die Sicherheitsexperten einer bekannten russischen Firma warnen gar vor einer globalen Katastrophe.

Und dies alles mit Hilfe des Internets. Schrecklich dieses moderne Informations- und Kommunikationsnetz. Was man alles Schlimmes damit so machen kann. Am besten wäre es, wenn man es komplett abschalten würde.

Achso, geht ja nicht. Das Internet existiert ja überall auf der Welt. Dies hat bis heute so mancher Politiker noch nicht ganz begriffen. Denn bei jeder Forderung nach noch mehr Überwachung und Reglementierung wird all zu gern verdrängt, dass eine digitale Information in einem Netz aus zig tausenden Rechnern keine Landesgrenzen kennt.

Was der Reportage eindeutig gefehlt hat:

  • Vergleiche zu früher, als es noch kein Internet gab. Stichworte: RAF, Olympische Spiele München, usw.
  • Motivation der ‚Skript-Kiddies‘ hinterfragen und die wahren Programmierkünstler suchen.
  • Die Menschen zu einem aktiven Sicherheitsempfinden animieren und so zu einem überlegten Umgang mit dem Medium Internet beisteuern.
  • Aufzeigen der Folgen, wenn die Privatsphäre noch mehr durchlöchert und der Staat noch weitere Kontrolle möchte.
  • Eventuell auch kurz die positiven Effekte des Internets anreißen. Stichworte: E-Mail, E-Shopping, usw.

Man fragt sich, welchen Sinn diese Sendung hat bzw. haben sollte. Sollte sie uns einschüchtern? Sollte sie die wahren Gefahren des Lebens verschleiern und auf das Internet projektieren? Oder ging es nur darum, die neuen Anti-Terror-Vorhaben unserer Bundesregierung ausreichend zu rechtfertigen? Man weiß es nicht, denn einseitiger konnte eine Reportage kaum sein. Wieso gerade das Internet als dunkle Höhle aller irdischen Grausamkeiten herhalten musste, bleibt wohl das Geheimnis des Filmemachers.

Fiktives Zitat aus dem Jahr 2030:
„Erst schafften wir das Internet ab, weil die Menschheit zu blöd dazu war. Dann schafften wir Zeitungen und Zeitschriften ab, weil die Menschen es verlernt hatten, sich zu informieren. Und am Schluss schafften wir alle Bücher ab, weil irgendwo her musste ja das Grauen sein Wissen beziehen.“

Eigentlich fehlte der Reportage nur eines,
eine dauerhafte Einblendung rechts unten:

Diese Sendung wird Ihnen präsentiert vom Bundesinnenministerium.
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