Deutsche Arbeitslogik, Beispiel Schneeräumen

Jedes Jahr wird es Winter. Jedes Jahr ist damit zu rechnen, dass Schnee fallen wird. Und jedes Jahr ist auch irgendwie sicher, dass gefallener Schnee sich türmen, schmelzen, frieren oder einfach nur lästig werden kann. Gerade im großstädtischen Verkehr können größere Schneemassen schnell zum Problem werden. Denn er muss weg, sonst droht die Infrastruktur zusammen zu brechen. Es gibt allerdings auch kleine Nebenschauplätze, wo der Schnee nicht nur lästig sondern auch gefährlich werden kann.

Bei mir in der Nähe ist ein kleines Naherholungsgebiet; eine per Treppen erreichbare Grünanlage. Diese Treppen kann man weder mit einem Schneepflug befahren, noch darf man wegen der Grünanlage Salz streuen. Was passiert also mit diesen Treppen? Richtig: der Schnee türmt sich, wird fest getreten, schmilzt, wird fester getreten, wird hart .. und schlussendlich auch gefährlich glatt. Die einfachste Lösung wäre in diesem Fall, die Treppen einfach nicht mehr zu nutzen. Doch sie sind nicht nur Zugang zur Grünanlage sondern auch Verbindung zwischen zwei Straßen. In solchen Gefahrenlagen fühlt sich die Berliner Stadtreinigung bzw. in diesem Fall das Grünamt auf den Plan gerufen. Die eisglatte Gefahr muss beseitigt werden, bevor schlimme Unfälle passieren.

Die Geschichte könnte keine Meldung wert sein, wenn da nicht eine bestechende Logik in der Arbeitsweise liegen würde. Die besagte Treppe ist ca. 3 Meter lang und 1 Meter breit. Sie hat ca. 20 Stufen. An dieser kleinen Treppe waren gerade eben drei Personen über eine halbe Stunde damit beschäftigt, mit Stechspaten und Pickel das Eis von den Stufen zu schlagen. Dies sind insgesamt 1,5 Stunden Arbeitszeit. Für die ganze Grünanlage ist das ganze Team einen Tag lang beschäftigt.
Man könnte das Ganze jedoch auch bedeutend einfacher haben. Frisch gefallener Schnee lässt sich mit einem Besen innerhalb weniger Minuten problemlos von den Stufen kehren. Selbst der Einsatz einer kleinen Schneeschaufel würde die Räumung einer solch kleinen Treppe nicht wesentlich verlängern. Doch dazu darf man nicht erst wochenlang warten, bis der Schnee sich fest getreten hat.

Schnee ist kein neuartiger Fluch des Wetters, welcher erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts bekannt ist. Schnee ist einfach zu handhaben, wenn man weiß wie. Für die Schneebeseitigung gibt es einfache Regeln. Und die Schneemengen hier in Deutschland sind noch als Kindergeburtstag anzusehen. Doch auch nächstes Jahr werden viele wieder mit offenen Mund dastehen und stammeln: „Ach je, wäre doch nur Sommer geblieben.“

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Eine Antwort zu Deutsche Arbeitslogik, Beispiel Schneeräumen

  1. Daniel Nolting 4. Januar 2011 um 16:59 #

    Das Problem dürfte daran liegen, das man so eine kleine Treppe erst mal auf dem Plan haben muss. Einzelnen Personen mag so etwas auffallen, jedoch kann man sich als Planer der Räumdienste nicht nach jedem frisch gefallenem Schnee um jede einzelne Treppe, Gehweg oder Gott weiß was Gedanken machen.

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