Der Fall Zumwinkel – Steuerhinterziehung als Steuermodell

Die Aufregung war groß. Dr. Klaus Zumwinkel, Vorstandvorsitzender der Deutschen Post AG bekam am Morgen des 14. Februar unerwartet Besuch von der Staatsanwaltschaft. Ihm wird Steuerhinterziehung im großen Stil vorgeworfen. Auf Spiegel.de war sofort von einer neuen Moraldiskussion über die deutsche Elite zu lesen. Die Welt schrieb von korrupten Versagern und der WDR forderte sogleich den Rücktritt von Herrn Zumwinkel.
Unsere Medien waren recht schnell mit ihrem Urteil: Steuerhinterziehung ist böse und es ist korrekt, dass Herr Zumwinkel von der Steuerkontrolle unter die Lupe genommen wird. Doch wenn es um die eigene Steuererklärung geht, verstummt sofort jeder. Da werden mal hier 50 Euro bewusst falsch eingesetzt oder gleich 1000 Euro verschwiegen. Wo liegt da der Unterschied? In der Höhe der Summe? Ist es erlaubt, die Steuererklärung auch nur um 10 Euro zu „frisieren“?

Herr Zumwinkel wird eine Anzeige erhalten und eine ordentliche Summe an Steuern zurück zahlen müssen. Bei Privatpersonen verläuft die Prozedur ähnlich, wenn auch nur mit einer prozentual geringeren Steuersumme. Wer nur 20.000 Euro Nettolohn bekommt, dem tun auch 500 Euro an zusätzlichen Steuern weh. Was bleibt? Die Steuerhinterziehung im kleinen Modell – so wie bei Herrn Zumwinkel im großen Maßstab.
Der Fall Zumwinkel zeigt auf perfide Art und Weise, was unser hoch kompliziertes Steuersystem bewirkt: fast jeder fälscht seine Steuererklärung. Man sollte daher nicht mit erhobenem Finger in Richtung Herr Zumwinkel zeigen, sondern sich zuallererst an die eigene Nase fassen. Es wird dringender als nötig, dass unser Steuersystem komplett überarbeitet wird. Steuerhinterziehung wird spätestens dann sinnlos, wenn das zugrunde liegende Steuersystem keinen Anlass mehr dazu bietet. Doch auf eine revolutionäre Änderung am Steuersystem können wir wohl noch lange warten. Somit war und ist der Fall Zumwinkel auch nicht der letzte in dieser Richtung.

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Eine Antwort zu Der Fall Zumwinkel – Steuerhinterziehung als Steuermodell

  1. Walter Mette 19. Februar 2008 um 18:22 #

    … nur die kleinen Steuerhinterzieher tun das aus Not; Leute wie Zumwinkel schädigen ohne Not und können sich obendrein freikaufen. Der kleine Steuerhinterzieher kommt tatsächlich in Bedrängnis, während der `Zumwinkel` – wenn überhaupt – nur Peinlichkeit empfindet.

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