Das Einheitsdenkmal für das Volk

Auf der dazu eingerichteten Homepage heißt es: „Die Deutsche Gesellschaft e.V. initiiert mit Vorträgen (und) bundesweiten Diskussionsrunden seit Jahren eine breite öffentliche Debatte über die Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin, das auf der Berliner Schlossfreiheit errichtet werden soll.“ Was macht man, wenn man 10 Millionen Euro zur Verfügung hat, und sich selbst ein in Beton gegossenes Monument setzen möchte? Man errichtet ein Denkmal; davon gibt es in Deutschland ja immer noch zu wenige.

Wir haben ein Denkmal für die ermordeten Juden Europas, ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Denkmäler den einen oder anderen Erfinder  und diverse Persönlichkeiten, jene aus der Weimarer Zeit, vom sowjetischen Reich, vor und nach der Einheit. Da braucht es eben auch eines für die Freiheit und Einheit Deutschlands. „Wir sind das Volk“ wird nun zu „Wir brauchen mehr Denkmäler“.


© dapd, Milla & Waltz

Möchte sich unsere Regierung damit selbst ein Denkmal setzen für ihre glanzvolle Leistung der Wiedervereinigung? Oder soll Herrn Dr. Helmut Kohl ad vitae (zu Lebenszeit) dieses Denkmal gewidmet werden? Fragen über Fragen. Die spannendste ist jedoch, wie offen das Volk seinem Denkmal gegenübersteht. Und da zeigen sich bereits vor dem Bau etliche Risse in der Skulptur. Die einen finden es völlig überzogen, andere könnten komplett darauf verzichten, und wieder andere fragen sich zurecht, wieso das Denkmal in Berlin und nicht in Leipzig stehen wird. Alle Fragen und Bedenken sind berechtigt. Denn dieses Freiheits- und Einheitsdenkmals zeigt einmal mehr, wie volksfremd dabei geplant wird und wurde.

Der Deutsche Gesellschaft e.V. –  eingetragener Verein zur Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa – ist ein Zusammenschluss der unterschiedlichsten Ministerien mit Partner aus Industrie und Wirtschaft. Da ist der Normalbürger nicht erwünscht, denn für den sind nur die Ergebnisse der Arbeiten gedacht. Die „breite öffentliche Debatte“ hat es zu diesem Denkmal nie gegeben. Darüber regt sich auch die Grünen-Politikerin Claudia Roth in einem Interview auf.
Man muss es nochmals zusammenfassen. Dieses Denkmal soll für das (wiedervereinigte) Volk Deutschlands sein. Doch so richtig warm wird dieses Volk mit diesem Denkmal nicht. Wäre es unter diesen Umständen nicht intelligenter, die 10 Millionen Euro in Sozialfonds einfließen zu lassen, anstatt eine weitere Betonruine damit zu bauen? Wir reden hier nicht von einer Bausünde für beispielsweise Adolf Hitler, der sich so oder so nicht dagegen mehr wehren könnte. Nein, es geht um ein Monument für uns. Doch was ist dieses Moment wert, wenn es von uns nicht akzeptiert wird? Nichts. Es wird ein Betonblock werden wie jeder andere, der mehr oder weniger lieblos von Touristen und Berliner kaputt getrampelt werden wird.

Wir könnte auch ein Denkmal für die goldene Energiesparlampe brauchen. Oder wie wäre es mit einem Denkmal – in Realgröße – eines AKW? Schließlich werden diese Industriebauten in wenigen Jahren zur Ruine verkommen. Und wenn dann noch Geld und Platz vorhanden ist, kann man auch ein Mahnmal für die ausufernde Ignoranz im Land oder ganz schlicht ein Denkmal-Denkmal errichten.

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