Tout est pardonneTout est pardonne: (c) Charlie Hebdo

Cui bono? Eine Karikatur bleibt eine Zeichnung.

Der Anschlag auf die Zeitung „Charlie Hebdo“ war hinterhältig und niederträchtig. 12 Mitarbeiter starben und die Attentäter haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Viele diskutieren nun darüber, ob Satire auch Religionen verunglimpfen darf. Und ob eine Mohammed-Karikatur den Glauben verletzt.

Das Cover der Ausgabe vom 14. Januar 2015 zeigt einen Cartoon im selben Stil wie die stark kritisierte Mohammed-Karikatur vom Cover des 3. November 2011. Auf dem Schild steht „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) und darüber die Überschrift „Tout est pardonné“ (Alles ist vergeben).

In den letzten Tagen ist eine hitzige Diskussion darüber entbrannt, ob man Religionen und speziell die jeweiligen Götter verspotten darf. Ja und nein. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert und nicht mehr im barbarischen Mittelalter oder in der kaltblütigen Epoche der Azteken. In manchen Erdteilen herrschen zwar heute noch stark religiöse Gesetze. Aber selbst dort ist die Globalisierung nicht zu stoppen. Völker vermischen sich, Religionen verlieren an Zugkraft, die Menschen werden immer aufgeklärter.

Nur wer einen Mohammed sehen will, wird einen Mohammed erkennen.

Es geht hier um eine Grafik. Um ein paar Striche auf einem Blatt Papier. Es könnte auch schlichtweg nur ein weiß gekleideter und braun gebrannter Mann mit Bart sein, der eine seltsame Kopfbedeckung trägt. Man müsste nur mal ein kleines Kind fragen, wenn es in der Zeichnung erkennt. Oder jemanden, dem der islamische Glaube reichlich unbekannt ist. Die Zeichnung wird also erst im Kontext zu dieser spöttischen Karikatur.

Es wurde durch die Zeichnung keine Religion verunglimpft – schon gleich gar nicht die des Islam. Denn die Aufregung dreht sich nicht darum, dass jemand in Mekka die al-Kaʿba mit einem Graffiti verunstaltet hat, oder überhaupt eine Moschee beschmiert hätte, oder einem Muslimen der Turban entrissen wurde, oder … Gleiches gilt auch für andere Religionen. So gab es mal im April 2010 eine hitzige Debatte über eine Jesus-Karikatur des Satiremagazins ‚Titanic‘. Doch schlussendlich blieb es bei ein paar Anzeigen. Längst ist die Aufregung wieder aus den Köpfen verschwunden.

Eine Diskussion rund um die Themen Meinungsfreiheit und grenzenlose Satire ist mühsam. Denn sie wird angefacht von Fanatikern. Diesen radikal gepolten Menschen ist der Grund der Aufregung reichlich egal. Unpassende Kleidung, falsche Begrüßung, deplatzierte Speisen und Getränke oder einfach nur ein falsches Wort. Gründe lassen sich immer welche finden. Fanatikern geht es nicht um Toleranz; schon gleich gar nicht um Akzeptanz.

Der Großteil der Bevölkerung ist sicherlich tolerant auch bei Frage der Gottheit. Wir genießen in den westlichen Kulturen die Religionsfreiheit. Jeder darf sich einer frei wählbaren Religion zuordnen, oder sich komplett den Religionen entziehen. Und ebenso verhält es sich mit dem Verständnis untereinander. Nur sehr selten kommt es zu Meinungsstreitigkeiten wenn Christen auf Muslime, Evangelisten auf Hinduisten oder Juden auf Buddhisten treffen. Denn der Glaube ist nur das zweit Wichtigste, was uns vereint. Im Kern sind wir einfach nur Menschen.

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