Bio-Diesel aber keine Öko-Autos – Fazit der IAA

Die Deutschen gelten – speziell im Ausland – als die Weltmeister der Öko-Idealisten. Wir sammeln Papier, trennen Glas nach Farben, werfen Grünabfälle in die Bio-Tonne, spülen die Joghurtbecher bevor sie in die gelbe Tonne bzw. den gelben Sack wandern zu den anderen Kunststoffabfällen und wir tun alles mögliche, um unsere Umwelt zu schützen. Meistens. Denn beim Auto, dem Heiligtum der Deutschen, da findet der Öko-Gedanke ein jähes Ende. Wieso eigentlich? Ist Öko wirklich so tröge? Denkt man bei Bio und Öko wirklich nur an selbstgestrickte Socken und glücklich lebenden Schweine? Oder ist eventuell die deutsche Autoindustrie schuld am Anti-Öko-Auto?

Benzin und Diesel werden von Jahr zu Jahr teurer. Das ist sicher und wird sich auch nicht ändern. Automobile deutscher Hersteller gelten ebenfalls als nicht günstig. Schuld daran ist die hohe Kaufkraft der deutschen Autofahrer. An hohen Fertigungskosten kann es nicht liegen, denn es wird schon längerer Zeit zu großen Teilen gar nicht mehr in Deutschland produziert. Und wenn bspw. ein VW-Polo als Importfahrzeug um bis zu 20% günstiger zu haben ist als beim Händler um die Ecke, schwindet auch beim letzten die Akzeptanz für solch horrenden Automobilpreise.

Die Party ist zu Ende.
Jahrelang ging alles gut. Die Deutschen haben viel Geld für den Autokauf ausgegeben. Im Jahr 2000 war jedes Auto im Schnitt 6,9 Jahre alt. Heute liegt der Wert bereits bei 8,1 Jahren. Tendenz weiter steigend. In der selben Zeit haben sich die Neuwagen überproportional verteuert; und dies trotz angeblich schlankerer Produktionslinien und Auslagerungen ins Ausland.
Ohne Zweifel haben die großen Automobilproduzenten in den letzten Jahren den großen Reibach gemacht. Alles schielte auf die Rendite und auf die willige Käuferschar, welche jahrzehntelang jedem neuen PS-Boliden hechelnd hinterher rannte. Benzinschlucker können sich heutzutage allerdings nur noch die Besserverdiener leisten. Und selbst denen tut es im Portemonnaie weh, wenn an der Tankstelle 80 bis 100 Euro über die Ladentheke wandern.

Den Trend verpennt?
Es ist nicht so, dass der deutsche Autokäufer sich nicht für alternative Modelle interessieren würde. Es ist nur so, dass man gern bodenständig bleiben möchte, und ungern einen „Japaner“ kaufen will. Autos aus deutschen Landen genießen immer noch einen sehr hohen Ruf. Genau jeden Ruf wollten BWM, Mercedes, VW, Audi und Co. nicht verlieren. Man war und ist immer noch der Überzeugung, nur viel PS locken neue Käufer zum Händler. Doch dass gerade die sparsamen Hybrid-Modelle aus Übersee immer mehr an Bedeutung gewonnen haben, wollte man nicht wahr haben. Nur, wer kauft noch gern ein deutsches Auto, welches im Schnitt an die 8 Liter verbraucht, wenn es – ohne Abstriche – auch anders geht. Augen zu und durch, ist wohl immer noch das Motto in den Entscheidungsetagen. Jahrelang forschte man an Brennstoffzellen und auch an Hybrid-Fahrzeugen. Doch keines der Entwicklungen schaffte es raus aus den Forschungsabteilungen. Zu groß war die Angst, deutsche Autos könnten nicht mehr länger als kraftvoll und sportlich gelten.

Der sparsame Deutsche.
Dass es dem deutschem Autofahrer beim Autofahren sehr wohl auch ums Geldsparen geht, belegen die vielen Alternativen. Schon heute fahren viele bewusst mit Bio-Diesel, tanken Gas statt Benzin oder lassen ihren Gebrauchten kostenspielig umbauen. Auch elektrobetriebene Fahrzeuge bzw. Autos mit zusätzlichen E-Motor bevölkern immer mehr die deutschen Straßen. Spätestens am diesem Moment hätte es bei den deutschen Automobilbauern klingeln müssen. Doch wie verkauft man ein Öko-Auto? Funktioniert so etwas überhaupt in Deutschland? Es klappt, und überzeugte Öko-Fahrer sind die bewussteren Autokäufer.

Aus sportlich mache öko-sportlich.
Der Weg ist gar nicht so schwierig, wie ihn die deutschen Hersteller immer geglaubt haben. Der Markt für alternativen Antriebs- und Verbrennungsmethoden ist groß. Und die Nachfrage danach wird ebenfalls immer größer. Und ökologisch vertretbare Modelle müssen keineswegs prüde oder unsportlich wirken. Mit ein wenig Know-How und dem passenden Marketing kann man auch Benzinsparer als sportliche Flitzer verkaufen. Doch die deutschen Autobauer haben jahrelang geschlafen. Nun gilt es von hinten den Markt aufzurollen. Kommt die Wende zu spät? Nicht unbedingt. Doch die großen der Autobranche sollten sich endlich von ihren PS-Kennzahlen verabschieden. Ist es immer noch absolut kaufentscheidend, ob 100 oder 200 PS unter der Haube stecken? Oder ist heute eher der durchschnittliche Verbrauch ausschlaggebend?
Hybrid-Modelle sind weit weniger träge als gewöhnliche Benzin-Viertakter. Die große Schaar der Deutschen war bis dato immer dieser entschlossenen Meinung, schließlich hat ihnen die Werbung über Jahrzehnte nichts anderes glaubhaft machen wollen. Nun stehen die ausländischen Modelle schon länger in den Verkaufsräumen der Händler und der Widerstand gegen alternative Modelle sinkt immer mehr. Schließlich gibt es nichts Negatives über Hybrid- und gasbetriebene Autos zu berichten. Dies haben auch die deutschen Autohersteller gelernt zu verstehen.

Jetzt aber schnell – mit weniger Verbrauch.
Die Zeit läuft der Branche davon. Die Konkurrenz wird immer größer und die Akzeptanz zu einem Kauf dieser Konkurrenten ebenfalls. Auf der diesjährigen IAA stand der Öko-Gedanke bei allen zentral im Mittelpunkt – wie wenn es all die Jahre kein anderes Thema gegeben hätte. Doch aus der schnellen Wende wird erst einmal nichts. Eventuell traut man den Wünschen der Kunden immer noch nicht so recht über den Weg. Vielleicht wartet man auch noch erwartungsvoll auf das Feedback nach der IAA. Der neue Öko-Gedanke könnte sich ja immer noch als kurzes Strohfeuer entpuppen. Bis die ersten Spit-Sparer aus deutschen Landen auf den Markt kommen, vergehen mindestens noch drei bis vier Jahre. Für manche Entwicklungen nehmen sich deutsche Ingenieure und vorneweg die Manager immer noch reichlich Zeit. Wenn es dann mal nicht zu spät ist.

Die Automobilbranche klagt darüber, dass sie immer weniger Fahrzeuge verkauft. Wundert es irgend jemand? Mit technischem Schnickschnack sind nur noch wenige Blumentöpfe zu gewinnen. Der Käufer nimmt es wohlwollend entgegen, wenn serienmäßig ein Navigationsgerät, eine Automatik-Klimaanlage oder ein Spurassistent eingebaut sind. Doch technische Highlights alleine locken heute keinen mehr vom Ofen vor. Sparsame und trotzdem sportliche Modelle wären den Deutschen weitaus lieber. Mal sehen was aus deutschen Autofabriken noch so vom Band rollt.

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5 Antworten zu Bio-Diesel aber keine Öko-Autos – Fazit der IAA

  1. AstraAngel 24. September 2007 um 09:50 #

    Dieser Artikel veranlaßte mich dann doch mal etwas mehr zu schreiben.. siehe: http://astraangel.blogspot.com/2007/09/grne-autos-ko-und-die-realitt.html

  2. Schwarzb 24. September 2007 um 10:48 #

    *TUUT, TUUT, chackachacka*

    Da ist wohl einer auf den populistischen „Öko-ist-wichtig“ Zug aufgesprungen, und ist am Bahnhof „Realität“ vorbeigerauscht!

    Ich möchte nur einige Passagen kommentieren. Bei den Automobilpreisen und Spritpreisen möchte ich dem Autor nicht wiedersprechen. Aber die folgenden Absätze sind einfach nur die Wiederholung der momentan sehr beliebten Meinungsmache der Presse.

    „Jahrelang forschte man an Brennstoffzellen und auch an Hybrid-Fahrzeugen.“ – Und das mit Erfolg. Die Zeit ist nur noch nicht reif. So ein Auto würde keiner kaufen. Es ist zu teuer und es gibt zu wenig Tankstellen.

    „Doch wie verkauft man ein Öko-Auto?“ – schlecht!

    „Es klappt, und überzeugte Öko-Fahrer sind die bewussteren Autokäufer.“ – Vielleicht. Und das sind bestimmt real fast 1% der Autokäufer. Die anderen haben kein Interesse oder kein Geld für ein „Öko-Auto“.

    „Mit ein wenig Know-How und dem passenden Marketing kann man auch Benzinsparer als sportliche Flitzer verkaufen“ – Genau. Und das tut BMW, Audi zieht nach und dadurch kann es bei VW etc. auch nicht mehr lange dauern. Nur sind das keine Hybrid-Fahrzeuge. Ist auch gar nicht nötig. Es gibt noch viel Optimierungspotential bei aktuellen Otto- und Dieselfahrzeugen. Und darunter leidet weder das Gewicht noch die Leistung.

    „Hybrid-Modelle sind weit weniger träge als gewöhnliche Benzin-Viertakter.“ – Das halte ich für ein Gerücht. Hybrid bedeutet wesentlich mehr Gewicht und viel mehr Aufwand bei der Antriebstechnik. Wenn man dann noch ein „Öko-Auto“ daraus machen will, muss man dann auch noch bei der Leistung sparen. Wir reden ja hier nicht von den „Hybrid-Sportlern“, die neben einem kleine E-Motor noch den V8 mit 300PS betreiben.

    „Schließlich gibt es nichts Negatives über Hybrid- und gasbetriebene Autos zu berichten.“ – Nein. Warum auch. Der Marktanteil ist doch ohnehin verschwindend gering.

    „Bis die ersten Spit-Sparer aus deutschen Landen auf den Markt kommen, vergehen mindestens noch drei bis vier Jahre.“ – Falsch. Die ersten fahren schon spazieren. Beobachtet mal die Durchschnittsverbräuche in Relation zur Leistung diverser deutscher Automodelle. Der Trend ist „Leistung hoch, Verbrauch und Emissionen runter“.

    „Sparsame und trotzdem sportliche Modelle wären den Deutschen weitaus lieber. “ – Richtig, das sind sie wohl. Dumm nur, das diese so teuer sind… Aber jetzt sind wir wieder beim Anfang angekommen.

  3. der Mops 24. September 2007 um 14:17 #

    Hallo ‚Schwarzb‘. 😉

    Ich bin nicht auf den Öko-Zug aufgesprungen. Es ist allerdings komisch und zugleich beängstigend, dass Öko immer sofort mit sandalentragenden Bio-Freaks in Verbindung gebracht wird.

    Öko soll bei einem Auto eigentlich nichts anderes bedeuten wie ‚ökologisch vertretbar‘. Gerade die Deutsche Autoindustrie schlingert hingegen mit ‚ökonomisch vertretbar‘ schon seit längerem auf einem sehr einseitigen Pfad.

    Wieso sind (deutsche) Hyprid-Fahrzeuge so teuer? Klar, weil sie nicht in Großserie produziert werden und weil man sie gezielt nicht in die normale Preislage einbinden möchte.

    Und wieso wecken Hyprid-Fahrzeuge bei deutschen Käufern kein Interesse? Zum einen wegen mangelnder Auswahl und zum anderen, weil deutsche Hersteller solche Autos wie sauer Bier verkaufen. Sie passen angeblich nicht zu den Wünschen der Käufer.

    Die Errungenschaften der Automobilindustrie bzgl. Umweltschutz sind hingegen eher eine Lachnummer. KAT? Ja, aber erst als es gesetzlich zur Pflicht wurde. Rußpartikelfilter? Ebenso. Ansonsten feiert sich die Branche selbst, wenn ein Auto im Mix 0,5 Liter weniger Sprit verbraucht. Lächerlich.

    Wozu brauchen wir bei Autos immer mehr Leistung? Für Tempo 130 auf der Autobahn? Um statt in 7 Sekunden es in 5 Sekunden auf 100 km/h zu schaffen? Schön, für die die es sich leisten können. Warum nicht. Dies sollte dann allerdings mit einer höheren KFZ-Steuer verrechnet werden.

    Es gibt hunderte von Tuning-Tipps und Kits, um noch mehr PS aus einem Motor rauskitzeln zu können. Wieso gibt es keine Tuning-Kits, um bei gleicher Leistung den Spritverbrauch massiv senken zu können? Weil es uncool ist? Wie uncool!

    Wenn der Preis der entscheidende Kauffaktor ist, dürfte es ja auch nicht stören, wenn der Benzinpreis bald die 2-Euro-Marke küsst.

  4. AstraAngel 25. September 2007 um 09:36 #

    Also ich hab auf Anhieb viele Tipps zum Benzinsparen gefunden, zum Beispiel: http://www.sk-8.de/energie/eneBenzinsparenPkw.php

    Zum Thema Leistung: nachdem in diesem Blog schon die Mittelspurschleicher (MSS) bemängelt wurden (http://www.verbloggt.net/mittelspurschleicher-auf-der-autobahn/) nehme ich mal an, dass der Schreiber selbst auch gern mal schneller fährt. (Ein durchnittlicher MSS fährt so 120km/h) Also: warum denn NICHT mehr Leistung? Warum nicht Spass haben an der Sache? Zahlen tun wir dafür doch schon lange. Und es wird bestimmt nicht weniger. Nur weil man sich das Schnellfahren nicht leisten kann, einen auf Öko zu machen ist ja auch etwas arm. 😉

  5. Schwarzb 25. September 2007 um 16:57 #

    Hallo Mops 😉

    „Öko immer sofort mit sandalentragenden Bio-Freaks in Verbindung gebracht wird.“ – Hab ich doch gar nicht. Mich wundert nur, das Hybrid immer als Allheilmittel für die Umwelt verkauft wird. Ist es doch gar nicht. Bringt im Stadtverkehr was, mag sein. Auf der Autobahn gar nix, ausser das man mehr Gewicht spazierenfährt.

    „Ansonsten feiert sich die Branche selbst, wenn ein Auto im Mix 0,5 Liter weniger Sprit verbraucht. Lächerlich.“ – Ist das lächerlich. Was verbraucht denn z.B. der so vielgelobte Prius? Weniger als ein Bluemotion-Polo? Oder ein aktueller BMW-Diesel? Ich denke nicht. Schon lange nicht auf der AB. In der Stadt könnte Hybridtechnik allerdings ganz nützlich sein, wenn man denn NUR elektrisch fährt (aber nicht schleicht!). Möchte ich nicht abstreiten. Aber ob wir schon soweit sind? Ich bin den Prius noch nicht gefahren. Sollte ich vlt. mal. Ist bestimmt ne interessante „Erschleichung“.

    „Wozu brauchen wir bei Autos immer mehr Leistung? Für Tempo 130 auf der Autobahn? Um statt in 7 Sekunden es in 5 Sekunden auf 100 km/h zu schaffen?“
    – Entweder ich habe ein Auto, weil ich von A nach B kommen muss. Dann brauch ich keine Leistung, kaufe mir bestimmt auch eher ein Auto mit guten Verbrauchswerten, oder ein günstiges. Oder ich hab ein Auto, das auch Spaß machen soll. Dann spielt die Leistung meist eine recht große Rolle. Und da ein Auto mittlerweile sauviel Geld kostet, möchte ich auch Spaß haben!

    „Wieso gibt es keine Tuning-Kits, um bei gleicher Leistung den Spritverbrauch massiv senken zu können? Weil es uncool ist?“ – Es gibt solche Tuning maßnahmen! Schon das Tieferlegen spart Sprit 😉 Es gibt sogar Chiptuning, das auf Minderverbrauch ausgelegt ist, oder auf das Tanken von niedrigeren Oktanwerten. Ist das uncool? NEIN, nur sinnfrei. Dann könnte sich der schlaue Autokäufer gleich ein Auto mit verbrauchsgünstigerem bzw. kleinerem Motor kaufen. Diese sind meist sogar günstiger. Das normale Tuning sorgt ja für MEHRWERT.

    „Wenn der Preis der entscheidende Kauffaktor ist, dürfte es ja auch nicht stören, wenn der Benzinpreis bald die 2-Euro-Marke küsst.“ – Der Preis ist immer ein entscheidender Kauffaktor, oder? Und der Benzinpreis wird ganz sicher die 2€ Marke knacken. Hoffentlich nicht so bald!

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