Bei Gravis nur noch Kartenzahlung – Freiheit von Bargeld in Gefahr

Beim Apple-und Technikhändler Gravis kann man zukünftig nur noch auf elektronischem Wege bezahlen. Das Bezahlen mit Bargeld wird eingestellt. Andere Händler werden folgen, was kein gutes Zeichen für die Freiheit der Bürger ist.

Von was redet der, werden sich die meisten gleich zu Beginn denken? Bin ich technisch rückständig?  Bin ich gar paranoid? Nein, keines von beidem. Es gilt das alte Sprichwort: nur Bares ist Wahres! So verlockend bequem und einfach eine Kartenzahlungen auch sein mag, sie bedeutet auch einen Kontrollverlust über das eigene Geld. Man wird steuerbar und abhängig durch die Anbieter.

Doch von Beginn an. Der deutsche Händler „Gravis“, bekannt als großer Verkäufer von Apple-Produkten, hat angekündigt, ab dem 16.01.2023 keine Bargeldzahlungen mehr anzunehmen. Alle 40 bundesweiten Filialen werden dann nur noch elektronische Zahlungen akzeptieren – und dies unabhängig vom Einkaufswert. Das Unternehmen hatte erklärt, dass der Anteil an Barzahlungen über die Jahre stark abgenommen hat und zuletzt nur noch einen einstelligen Prozentsatz ausgemacht hat. Zudem möchte man dadurch Kosten einsparen sowie die Sicherheit der Mitarbeiter erhöhen. Klar, wenn nur noch ganz wenige Personen mit Bargeld bezahlen, ist die Gefahr eines Überfalls extrem hoch, weil es sich für einen Räuber absolut lohnt, wegen paar Euro eine Gravis-Filiale zu überfallen.

Die Kosten werden immer gern als Standardargument gebracht. Sicherlich ist das Zählen und Verwahren von Bargeld mit Kosten verbunden. Doch eine elektronische Zahlung ist keinesfalls kostenfrei. Der Verkäufer macht sich abhängig von Technik und Anbieter. Mit jeder Transaktion zahlt er eine (kleine) Provision an den Dienstleister (Zahlungsabwickler). Zudem ist der Verkäufer komplett von diesem Dienstleister abhängig und wird sich zum Teil auch auf steigende Transaktionsgebühren einlassen müssen.

Die Wahrheit liegt jedoch an anderer Stelle: wer mit Karte bezahlt, gibt bereitwilliger mehr Geld aus. Der direkte Bezug zur Summe und damit zum Wert ist bei einer elektronischen Zahlung nicht mehr gegeben. 1000 Euro in Bar für ein Smartphone auf den Tresen zu legen, macht schon lange niemand mehr. Doch würden wir es machen, würde uns kurz der Atem stocken. Zwanzig 50er abzuzählen, erzeugt einen kleinen Moment der Demut. Die PIN einzugeben jedoch nur ein Zucken im Finger. Diesen emotionalen Umstand wissen die Händler sehr genau auszunutzen. Deshalb gibt es bei Gravis zukünftig auch keine Kassenbereiche mehr. Bezahlt wird da, wo der Kunde gerade ist. Das Bezahlen für sich soll nicht länger ein „schmerzhafter Gang“ sein. Kleiner Tipp: nach dem Bezahlen einfach noch einen Lutscher dem Kunden schenken, dies verstärkt das Glücksgefühl des Einkaufs zusätzlich.

Und dann ist da noch die Sache mit der Freiheit. Ich gebe offen zu, dass ich selber nicht gerne Bargeld vom Automaten hole, um es danach gleich wieder im nächsten Laden abzugeben. Bezahlen mit der Karte ist nun einmal sehr bequem. Doch es bedeutet eine absolute Abhängigkeit. Man ist von seiner Bank beziehungsweise Anbieter (wie Apple) abhängig. Man zahlt unter Umständen (versteckte) Gebühren. Manchmal kommt es auch vor, dass die Zahlungsabwickler selber technische Probleme haben, dann bleibt entweder nur noch die Barzahlung oder das temporäre Schließen des Geschäfts.

Bargeld bedeutet Freiheit. Es ist ein Teil der Demokratie, auch wenn dies etwas abgehoben formuliert erscheint. Man ist mit Bargeld von keinem Drittanbieter abhängig. Ein Geldschein kann gegenüber einer Karte nicht gesperrt werden. Auch hat der Staat keinen Einfluss darauf, wann, wo und wie ich bezahle. Mit Bargeld ist es jederzeit und überall möglich, eine Ware zu kaufen. Auch kann Bargeld nicht gehackt werden und auch nicht ohne mein Wissen transferiert werden – von einem händischen Diebstahl abgesehen.

Gravis kann seine Bezahlmodalitäten in den Ladengeschäften gestalten wie sie möchten. Ich halte es jedoch für falsch, dass das Unternehmen komplett auf Bargeld verzichtet. Nach dem ersten größeren Ausfall ihres Bezahldienstleisters werden sie (kurzfristig) wohl anders darüber denken.
Davon abgesehen ist ein kein gutes Signal, was die Händler und Verkäufer vom Bargeld halten. Und wie sagte mal eine Kassiererin bei ALDI zu mir: Wenn Sie hier einen halben Tag sitzen würden und sehen könnten, wie krampfhaft ein Großteil mit Karte, Handy oder Uhr am Terminal hantiert, wären Sie froh wenn mal jemand mit Bargeld bezahlen würde.

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