Wurde bei TIMM-TV der Stecker gezogen?
vom 2. Juli 2010TIMM-TV. Die wenigsten werden diesen TV-Sender kennen oder jemals gesehen haben. Wer erst jetzt von TIMM-TV erfährt, für den ist es eh zu spät. Denn es scheint so, als ob der Sender endgültig gestorben ist. Doch wozu im Nachhinein die ganze Aufregung? Weil TIMM-TV schon vor seinem ersten Sendetag am 1.11.2008 so viel Wirbel um sich gemacht hat, dass man bereits dort Schlimmes erahnen konnte. Doch von Anfang an …
Im Frühjahr 2007 verkündete der Geschäftsführer und Programmdirektor von TIMM, Frank Lukas, dass man im Sommer mit einem Vollprogramm für Schwule und Lesben starten wolle. Schon damals hielt ich die Idee für äußerst wage. Ein TV-Sender ausschließlich auf ein homosexuelles Publikum ausgerichtet? Wer soll das schauen? Wer soll das finanzieren? Bei TIMM war man sich damals sicher – das funktioniert. Im September 2008 – mehr als ein ganzes Jahr später – die Ernüchterung: der Sendebeginn wurde erneut verschoben. Standfeste Gründe lieferte man nicht. Es ging nur um belangloses Blabla, von wegen dass TIMM kein rein schwul-lesbischer Sender sei sondern vielmehr eine Plattform für alle. Ich gab dem Sender damals eine Laufzeit von maximal 12 Monaten. Meine damalige Einschätzung sollte sich als (fast) richtig erweisen.
Zum 1. November 2008 wurde dann das erste Mal ein Programm ausgestrahlt. Im Januar 2009 erfolgte die Erweiterung des Sendebetriebes auf 12 Stunden, im Februar gar auf ein 24 Stunden. Doch was bei TIMM geboten wurde, konnte man sich nur in den seltensten Fällen anschauen. Angefangen von grotesk schlechten US-Serien bis hin zu noch schlechteren Filmen, die wohl alle im Super8-Format gedreht wurden. Ende 2009 wurde es immer stiller und den Sender. Die Wiederholungen häuften sich und die ersten selbst produzierten Formate wurde eingestellt.
Anfang Januar 2010 dann die erste kleine Bombe: der Live-Stream auf der Website von TIMM wurde eingestellt. Damals hieß es, der Stream sei finanziell und wegen lizenzrechtlichen Gründen nicht länger haltbar. Zum 26.01.2010 verkündete die Deutsche Fernsehwerke GmbH, und damit der Betreiber von TIMM-TV, ihre Insolvenz. Am 22. Februar 2010 dann die nächste Niederlage: die Verbreitung über den Satelliten Astra wurde eingestellt. Damit kam es auch zu Ausfällen im IPTV- und Kabelnetz. Die Verantwortlichen bei TIMM erklärten den Ausfall damit, da es Schwierigkeiten bei der Signalumschaltung vom Astra- zum Eurobird-Satelliten gab. Doch schon damals durfte das Ende vom TIMM klar gewesen sein. Frank Lukas verkündete jedoch wenige Wochen später, dass der Sendebetrieb ungehindert weiter gehe. Auch würde immer noch ein TV-Signal die Sendezentrale in Berlin verlassen. Er gehe von einer kurzfristigen finanziellen Durststrecke aus.
Ende April endete dann auch die Ausstrahlung im Kabel-Kiosk. Und Mitte Mai wurde in der Gläubigerversammlung über den Fortbestand entschieden. Doch wenn der Betreiber die Deutsche Fernsehwerke GmbH insolvent ist, kann auch bei TIMM-TV nicht mehr viel zu holen sein. Seit diesen Tagen wurde der Internetauftritt von TIMM nur noch sporadisch gepflegt. Man arbeite im Hintergrund an einer Neuausrichtung, hieß es irgendwann einmal.
Seit 1. Juli 2010 ist es nun endgültig vorbei. Die Website www.timm.de ist nicht mehr erreichbar. Auch unter www.deutschefernsehwerke.de wird kein Inhalt mehr angezeigt. Nimmt man die reine Sendezeit, so war TIMM 15 Monate “on air”. Da war ich mit meiner Einschätzung von 12 Monaten gar nicht so schlecht. Und verwundert bin ich auch nicht. Denn das Konzept konnte nicht funktionieren. Schwule schauen eben nicht nur ausschließlich schwules Fernsehen. Und sonst wollte wohl niemand den teilweise schlechten Sendemüll sehen. In einem solchen Fall hat man es dann auch schwer, geeignete Werbekunden zu finden. Selbst ein Bezahlangebot hätte an dieser Lage nichts verbessert. Denn für schwul-lesbischen Sendemüll sind selbst Homosexuelle nicht bereit, viel Geld dafür auszugeben.
Deutschland wird auch ohne schwul-lesbischen Fernsehsender weiter existieren. Die homophobe Gesellschaft wird diesen Exkurs wohlwollend zur Erkenntnis nehmen. Doch daran scheitert nicht die Akzeptanz von Schwulen und Lesben in der Öffentlichkeit. Denn eine Minderheit, welche zur Verdeutlichung ihrer Lebenseinstellung einen eigenen Fernsehsender braucht, wäre auf Dauer in der Evolution nicht überlebensfähig. Daher kann man das Experiment “TIMM-TV” wohl mit einem Augenzwinkern als beendet betrachten.
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