Wie man einen Bundespräsidenten entsorgt

Christian Wulff war unter Journalisten noch nie sonderlich beliebt. Christian Wulff ist auch nicht der Wunschkandidat der Bevölkerung. Er wurde wegen parteipolitischen Machtspielchen zum Bundespräsidenten gewählt. Auch seine Freunde in der Wirtschaft waren immer eine Hilfe. Nun fällt ihm dieses Schicksal auf die Füße. Dabei hat die Presse stark nachgeholfen. Es wird nun so lange nachgetreten, bis er von selbst zurück tritt.

Unser vorheriger Bundespräsident Horst Köhler war auch kein Wunschkandidat. Jedoch erfüllte er sein Amt mit dem nötigen Respekt und der Würde, wie es einem Bundespräsidenten gebührt. Er hatte allerdings nach einem Truppenbesuch in Afghanistan den Fehler gemacht, von einem Krieg aus wirtschaftlichen Gründen zu sprechen. Wenige Tage später trat er aus persönlichen Gründen zurück. Vielleicht erfahren wir in fernen Zukunft einmal den wahren Grund für seinen Rücktritt und wer da im Hintergrund den nötigen Druck ausgeübt hat.

Etwas anders gelagert ist nun der aktuelle Fall von Christian Wulff. Am 17.12.2011 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Artikel mit dem Titel „Ein Häuschen mit Garten„, in welchem ein sonderbarer Privatkredit des Bundespräsidenten hinterleuchtet wurde. Der Privatkredit ist in mehrfacher Hinsicht ein Pulverfass. Zum einen hatte Herr Wulff als ehemaliger Ministerpräsident des Landes Niedersachsens es versäumt, den Landtag über diesen Kredit zu informieren. Auf der anderen Seite wirkt es auf die Bevölkerung befremdlich, wenn man als Privatperson einen Kredit von einem befreundeten Geschäftsmann bekommt. Die Gattin des Unternehmers und langjährigen Freundes, Egon Geerken, soll Herrn Wulff den unwesentlichen Betrag von 500.000 Euro geliehen haben.

Der Zeitpunkt war von der FAZ geschickt gewählt. Denn so kurz vor Weihnachten war klar, dass dem Bundespräsidenten wenig Spielraum für Ausreden und Vertuschungsmanöver bleiben würde. Auf die Kritik angesprochen, verteidigte sich die FAZ mit der Begründung, dass man schon sehr lange recherchiert hatte und nur noch wenige Details zu klären waren. Und so war es eben wohl nur reiner Zufall, dass diese Geschichte noch kurz vor Weihnachten veröffentlicht werden konnte. Herr Wulff zeigte sich darauf hin spontan überrascht und suchte nach Ausreden. Keine Ahnung, war für meine Frau, alles korrekt gelaufen.

Die Presse hatte Lunte gerochen. Doch sie bekam nur ungenügende Antworten auf all die Fragen nach dem Wieso und dem Warum. Heilig Abend ist der Tag des Bundespräsidenten, an welchem er standesgemäß seine Weihnachtsansprache hält. Die Presse wartete darauf, in dieser Ansprache ein paar Hinweise zu finden. Eigentlich können nur Journalisten so naiv sein und erwarten, dass man in einer offiziellen Ansprache auch Informationen über das persönliche Leben preis gibt.

Bereits zwei Tage zuvor, am 22.12., hatte Wulff seinen langjährigen Vertrauten, persönlichen Freund und Pressesprecher Olaf Glaeseker entlassen. Alle rätselten über mögliche Motive. Es wurde spekuliert, dass Glaeseker kostenlose Urlaube in Häusern von Eventmanager Manfred Schmidt gemacht haben soll. Schmidt wiederum pflegt einen sehr engen Kontakt zu Wulff. Der Kreis wäre geschlossen. Jedoch wäre dies eine äußerst fade Begründung für eine Kündigung. War Glaeseker also nur ein Bauernopfer oder gibt es Verbindungen zu den Drohanrufen bei BILD?
Am selben Tag, bei der selben Pressekonferenz, hatte Christian Wulff eine Erklärung abgegeben, in welcher er Fehler bei der Kreditannahme und Meldepflicht einräumt hatte. Der Presse genügte diese Entschuldigung nicht. Man sucht seitdem nach weiteren, „schmutzigen“ Details. Freunde und Parteikollegen hingegen bekräftigen ihre Zustimmung. Er werde im Amt bleiben.

Gestern veröffentlichte BILD eine weitere Information, welche den Bundespräsidenten stark in Bedrängnis bringt. Wulff hatte bei Chefredakteur Kai Diekmannn angerufen, um einen Bericht zu seiner Kredit-Affäre verhindern zu wollen. Die Wortwahl soll dabei -angeblich – äußerst schroff gewesen sein. Zudem soll – ebenfalls angeblich – Wulff mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht haben. Springer-Chef Mathias Döpfner hatte vor fünf Jahren mal gesagt: „Wer mit der BILD-Zeitung im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.Das Freundschaftsband zwischen BILD und dem Bundespräsidenten ist zerschnitten. Herr Wulff kann ab diesem Zeitpunkt keine Sympathie mehr erwarten. Zudem soll Herr Wulff auch bei anderen Verlagen angerufen und bei der Veröffentlichung von Informationen gedroht haben.

Gestern Abend saß er da, in einem Fernsehstudio. Im gegenüber Ulrich Deppendorf (ARD) und Bettina Schausten (ZDF), welche zwar nach Antworten suchten, aber auch genügend Freiraum ließen für belanglose Ausreden. Er müsse noch viel lernen. Den Kredit würde er heute in dieser Form nicht mehr annehmen. Er liebe Urlaube und würde auch nie eine Rechnung verlangen, wenn man bei Freunden übernachtet. Zurück treten werde auf keinen Fall. Zusammengefasst kann man feststellen: der Zuschauer hat nichts Neues erfahren. Man hat nur einen leise reumündigen Präsidenten erlebt.
Interessiert hat dies 11,5 Millionen Bundesbürger – laut GFK-Zuschauerzahlen. Zudem zeigt die negative Berichterstattung erste Spuren in der Bevölkerung. Das Vertrauen in den Bundespräsidenten schwindet zusehends. Laut ARD-Deutschlandtrend waren am Montag noch 63 Prozent der Bundesbürger dafür, dass Christian Wulff weiter im Amt bleibt. Zwei Tage später waren es nur noch 47 Prozent.

Was bleibt?
Presseorgane sind eigentlich dazu angehalten, selbst keine Politik zu machen. Journalisten sollen berichten und Informationen bündeln. Doch was in diesem Fall passiert, ist geradezu grotesk. Der Mann mit dem höchsten politischen Amt in Deutschland wird von unserer Presse munter demontiert. Ganz unschuldig ist Herr Wulff mit seinem naiven und trotzigen Verhalten nicht. Dies alleine dürfte aber kein Mittel zum Zwecke sein, dass man Jagd auf einen Bundespräsidenten macht.
Die Presse wird nun so lange weiter an seinem Stuhl sägen, bis er freiwillig zurück tritt. Das Schmierentheater kann Herr Wulff nicht mehr gewinnen. Er steht bereits jetzt schon als Verlierer fest.

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