Protektionismus im Apotheken-Land

Die deutschen Krankenkassen verwenden pro Jahr über 30 Milliarden Euro für Arzneimittel. Dies entspricht ca. 10 Prozent der Gesamtausgaben im deutschen Gesundheitssystem (2010: knapp 300 Milliarden Euro). Wo viel Geld ist, wird auch noch um den letzten Cent gekämpft. Patienten freuten sich bis dato, dank Versandapotheken zumindest bei den Medikamenten ein paar Euro sparen zu können. Doch damit ist es nun vorbei. Ein oberstes Richtergremium hat nun verkündet, dass Rabatte auf rezeptpflichtige Medikamente untersagt sind. Dies gilt für alle Versandapotheken – ob im Inland oder im europäischen Ausland.

Deutsche Apotheker haben es nicht leicht. Sie müssen Rezepte auf Vorrat halten, ob sie wollen oder nicht. Nicht selten kommt es jedoch vor, dass sie dennoch bei ihren Großlieferanten vorbestellen müssen. Teure und spezielle Arzneien bestellt der Apotheker bei seinem Zulieferer und hat es dann innerhalb von ein paar Stunden vorrätig. Auf den Einkaufspreis rechnet die Apotheke einen Lagerkostenausgleich von 3 Prozent hinzu.

Deutsche Apotheker arbeiten nach strengen, gesetzlichen Vorgaben. Diese erlauben ihnen keine oder nur begrenzte Freiheiten bei der Preis-, Kommunikations- und Produktpolitik. Daher empfinden es Apotheker nicht nur als störend sondern auch als wettbewerbsschädigend, wenn Versandapotheken aus dem Ausland mit Rabatten die Patienten ködern können. Deutsche Apotheken stoppten bereits vor Jahren die Eröffnung von DocMorris-Filialen. Der Europäische Gerichtshof verbot diese Form der Apotheken-Ketten, da laut Gesetz ein Apotheker nur maximal 3 Filialen besitzen darf.

Die Zahl der Beschäftigten in deutschen Apotheken steigt von Jahr zu Jahr kontinuierlich an. Zuletzt waren es im Jahr 2011 knapp 150.000 Beschäftigte. Es handelt sich um eine kleine, aber elitäre Gruppe von mittelständisches Unternehmen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat eine starke Lobby, welche sich gern und reichlich vom großen Kuchen der Gesundheitskosten bedient. Die Apotheker bedienen dabei gern das Bild des armen Unternehmers.

Geradezu peinlich ist diese Aufstellung einer Verdienstaufstellung „Was verdient die Apotheke am Arzneimittel„. Laut Aufrechnung wird von einem Medikamentenpreis von 1.000 Euro ausgegangen. Abzüglich aller Kosten und Steuern bleibt dem Apotheker ein Gewinn von 4,00 Euro (abzüglich Steuern). Dass in diesem falschen(?)  Betriebsergebnis ein Unternehmerlohn von knapp 90.000 Euro versteckt ist, muss man sich aus anderer Quelle beschaffen. Ich kenne persönlich keinen Apotheker, der auf fremde finanzielle Hilfe angewiesen ist.

Einer Aufforderung nach freiem Wettbewerb entgegen die Apotheker mit der Gefahr der schlechteren Beratung und einem schädlichen Mehrverbrauch an Arzneimitteln der Patienten. Beide Argumente kann ich nicht nachvollziehen. Wieso verbraucht man mehr Medikamente, wenn man sich vergünstigt erhält? Und wieso leidet die Beratung bei einem stärkeren Wettbewerb? Müsste eine Konkurrenz nicht für mehr Service sorgen, weil es dann nötig ist in besseren Service zu investieren?

Das Urteil zum Rabattverbot zementiert die Ignoranz deutscher Apotheker vor dem nötigen Wettbewerb. Man verweist elegant auf die gesetzlichen Vorgaben. Der Lobbyverband investiert seine Energie lieber in die Bekämpfung marktwirtschaftlicher Grundprinzipien. Man könnte allerdings auch die Kraft dazu nutzen, Gesetzesänderungen auf den Weg zu bringen, um den Markt für Konkurrenten langsam und behutsam zu öffnen. Doch so schlau sind selbst Apotheker: man sägt nicht auf dem Ast, auf welchem man selber sitzt.

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