Die Paralympics sind ehrlicher, spannender und herzlicher

Die Olympischen Sommerspiele 2012 in London sind vorbei. Seit Mittwoch kämpfen die Athleten mit körperlichen Einschränkungen um die Medaillen – bei den Paralympics. Das Wort „Behinderter“ möchte ich dabei ungern gebrauchen, denn es würde weder die teilnehmenden Athleten adeln noch wäre es in irgend einer Weise angebracht. Es sind Sportler mit herausragenden Eigenschaften, mit unfassbar hohem Kampfgeist und es sind Sportler, die sich allesamt noch so richtig ehrlich freuen können. Die (originale) Olympiade ist im Vergleich dazu ein ödes Selbstdarsteller-Treffen.

Ein typischer olympischer  Wettkampf entscheidet sich im Millisekundenbereich. In manchen Sportarten ist die Entscheidung quasi schon im Voraus klar. Oft sind es reich bezahlte Werbeikonen, die sich gewinnbringend in Szene setzen möchten. Viele Wettkämpfe der ursprünglichen Olympiade laufen auch ganz unspektakulär ab. Da wird ein normales Gewinnerprogramm abgespult und dabei bleibt es auch.

Ohne all zu pauschal zu wirken, es nehmen uniformierte Superathleten an den olympischen Spielen teil. Die körperlichen Unterschiede sind verschwindend gering und damit ergeben sich (leider) auch die meist nur feinen Unterschiede in der Bestenliste. Natürlich kommen solche Erfolge nicht von alleine. Es gehen ihnen jahrelange und sicherlich auch harte Vorbereitungen voraus.  Ohne Fleiß kein Preis. Dennoch könnte man auch geradezu Kampfroboter gegeneinander antreten lassen.

Die Londoner sind spitze. Sie bejubeln die Paralympics-Athleten ebenso oder gar noch frenetischer als die Olympioniken von vor ein paar Wochen. Den Teilnehmern kommt die große Sportbegeisterung der Engländer zu gute. Und sie wirkt nicht nur auf die Athleten sondern auch auf die Millionen von TV-Zuschauer. Dies macht die 30. Olympischen Sommerspiele in London zu ganz besonderen Spielen. Schon so bei manchem Wettkampf der Paralympioniken hatte ich Freudentränen in den Augen.

Da ist beispielsweise der 35-jährige Läufer Houssein Omar Hassan aus der ostafrikanischen Republik Dschibuti (nicht größer als Hessen). Er nimmt am 1500 Meter Lauf der Männer teil. Trotz Klassifizierung T46 (amputierter Arm) und körperlicher Mängel (starkes Untergewicht) läuft(!) er trotz erkennbarer Schmerzen den Lauf zu Ende . Obwohl er fast drei Mal so lange benötigt wie der schnellste Läufer, wird er von den 80.000 Zuschauern im Stadium ins Ziel gejubelt. Für ihn war es sicherlich der Lauf des Lebens. Und für alle die es sehen konnten der Beweis, dass der Beste nicht unbedingt der Gewinner (der Herzen) ist.

Da ist beispielsweise auch der deutsche Tischtennisspieler Jochen Wollmert (Klassifizierung 7, steife Gelenke). Er setzte sich über eine Entscheidung der Schiedsrichterin hinweg. Sie hatte einen Ball für ihn gewertet. Er war jedoch der Meinung, dass der Ball im Aus gelandet war und ist darauf hin zum Punktetableau gelaufen. Er nahm sich selber den eigenen Punkt zurück. Die Schiedsrichterin akzeptierte sein Vorgehen und vom Publikum erntete er dafür begeisterten Beifall. Schlussendlich gewann er den Kamp gegenf den weitaus jüngeren Briten Wiliam Baylay.

Die Begeisterung zieht sich durch fast jeden Wettkampf. Doch nicht nur die Euphorie – bei den Teilnehmern wie auch den Zuschauern – macht die Paralympics so sehenswert. Auch die Menschlichkeit der Athleten ist so einmalig wie herzlich. Man ist geneigt zu sagen: da freuen sich auf ehrliche Weise ganz normale Menschen. Und dies ist wahrscheinlich auch das größte Kompliment, welches man einem  Paralympioniken machen kann.

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