Microsoft Vista nur ein weiteres Windows ME?

Microsoft hat fast sechs Jahre für die Entwicklung und Fertigstellung von Windows Vista benötigt. Dabei heraus gekommen ist das sicherste und benutzerfreundlichste Windows aller Zeiten, so die vollmundige Aussage aus Redmond.
Schon vor der Auslieferung gab es große Bedenken, ob die neue Windows-Version (NT 5.2) die Erwartungen von XP (eXPerienced) nochmals übertreffen könnte. Viel Kritik gab es bezüglich den Hardwareanforderungen, speziell an die Grafikkarte, und an das neue UAC (User Account Control). Und nun? Gut ein halbes Jahr später ist der Glanz des neuen Betriebssystems bereits matt und selbst Microsoft willigt bestimmten Großhändlern ein, beim Kauf einer Vista-Lizenz ein sogenanntes Downgrade auf XP anzubieten.


Es gab in der langen Geschichte von Windows schon einmal ein ähnliches Ereignis: Windows ME (Millenium Edition).
Mit Windows95 hatte Microsoft seinem Betriebssystem ein komplett neues Gesicht gegeben. Die Oberfläche erinnerte nicht mehr länger an das verstaubte Windows 3.11 und auch sonst brachte Windows95 viele tolle Neuerungen mit sich. Danach folgte Windows98 – prinzipiell der selbe Aufguss wie Windows95 nur eben mit ein paar Neuerungen versehen. Um die Stabilität nicht zu sehr in Frage zu stellen, folgte in kurzer Zeit darauf die Second Edition (SE).

Repair ME.
Mit Windows ME wollte man allerdings ein komplett neues Betriebssystem abliefern – neu, aber trotzdem aus dem selben Holz geschnitzt. Denn bei Microsoft versteht man bereits seit Gründung der Firma eines ganz hervorragend: alten Wein durch neue Schläuche fließen zu lassen.Windows ME war nur halb so innovativ wie die vollmundigen Versprechungen aus Redmond.

Windows ME sollte das letzte Betriebssystem sein, welches auf dem alten DOS-Kernel beruht. Zu den Highlights zählten eine Systemwiederherstellung, ein erweitertes Benutzermanagement, USB-Massenspeicher, Ruhezustand, ein neues Treibermodell, und vieles mehr. Doch die Realität zeigte ein anderes Bild. Windows ME galt nicht als der neue Liebling, denn es neigte zu mehr Abstürzen als jedes Windows zuvor. Das Benutzermanagement war eine reine Augenwischerei, der Ruhezustand funktionierte nur mit ganz viel Glück und das Treiberchaos wurde durch ME erst richtig perfekt.

Und bei Vista?
Mit Visa sollte alles besser werden. Die Sicherheit sollte mit UAC endlich besiegt sein, mit DirectX-10 kommen neue Effekte auf den Desktop und die Systemstabilität ist durch diverse Prozesse zu einer eisernen Festung geworden. Aber wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Die Benutzer beklagen sich, dass nicht nur die Lizenzüberprüfung ab und zu quer schlägt. Auch mit der Hardware haben viele Probleme. Denn Vista ist dank Rechteverwaltung und DRM-Fesseln zu einem internen Kontrollmonster mutiert. Mit den hochpreisigen Vista-Versionen bekommt man auch die neue Aero-Oberfläche zu sehen. Doch oh weh, wenn ein Treiber die DirectX-10-Regeln verletzt. Schon geht es zurück zur relativ schnöden Standardoberfläche. Und UAC nervt nach der zwanzigsten Nachfrage mehr, als es der Sicherheit dienlich wäre.  Ach ja, da wären noch die Treiber. Selbst Monate nach dem offiziellen Start von Vista, haben es viele Hersteller immer noch nicht geschafft, ihre Hardware unter dem neuen Windows voll zu unterstützen.

Haben und Wollen.
Für Microsoft war der Start von Visa anfangs ein voller Erfolg. Dies ist auch nicht schwer, denn schließlich gab es bereits Monate zuvor beim Kauf einer XP-Lizenz Gutscheine für ein Upgrade auf Vista. Und alle Systemhersteller stellten ihre Konfigurationen postwendend auf das neue Vista um – schließlich wollen alle mit der Zeit gehen und den Kunden stets das neuste anbieten.
Doch so langsam bröckelt auch die Zuversicht bei Microsoft. Viele Administratoren zögern noch mit der Umstellung bzw. schieben einen Wechsel der System auf die (ganz) lange Bank. Und selbst Microsoft verschlimmbessert die Lage dadurch, dass nun der Support für Vista vor dem für XP enden soll. Verkehrte Welten bei MS.
Und die anfängliche Euphorie bei den Benutzern ist einer gelassenen oder gar genervten Grundstimmung gewichen. Ein großer Wurf wird Vista nicht. Die meisten bleiben wohl bei XP und wechseln erst zur nächsten Windows-Generation.

6 Jahre Entwicklungszeit …
Es wird bereits darüber gespottet, was Microsoft in diesen sechs Jahren gemacht hat. Nach über einer halben Dekade sollte das Ergebnis anders funktionieren. Hat man sich im Redmond-Microsoft-Headquarter übernommen oder lag es an einer falschen Einschätzung der Lage? Oder hat man es sich mit den Benutzer verscherzt? An eine Lizenzüberprüfung hat man sich bei Windows bereits gewöhnt. Doch dass nun in unregelmäßigen Abständen die Lizenz immer wieder kontrolliert wird, geht vielen vielleicht doch zu weit. Komplett wird der Verdruss spätestens dann, wenn Microsoft (fälschlicherweise) der Meinung ist, jene Lizenz wäre geklaut oder allgemein ungültig, um danach den Zugriff auf die Oberfläche zu unterbinden. So viel Gängelung ist dann selbst dem härtesten Microsoft-Verfechter zu viel.

… und die Parallelen zu ME …

Die Hardwareanforderungen sind mächtig – eventuell für viele zu hoch, nur um ein neues Betriebssystem laufen lassen zu können. Dass es das neue DirectX-10 nur für Vista gibt, versteht nur Microsoft selbst. Die Benutzer ärgern sich und werden mit ihrem Ärger auch brav alleine gelassen. Viele der Vista-Highlights, unter anderem das UAC, ist zwar nett gemeint, aber in der Praxis wird es zum Nervtöter. Die Lage am Treibermarkt ist immer noch unzufriedenstellend. Und wenn man sich überlegt, dass das neue Vista im Grunde nur ein aufpoliertes Windows-XP darstellt, fallen wohlwollende Worte für Vista noch schwerer.
Mit ME war es nicht viel anders. ME war ein aufpoliertes Windows 98 im 2000er-Look. Viel Gutes hat man von ME nicht gehört. Und so schnell wie es auf dem Markt erschienen war, so schnell wurde es auch bereits wieder vergessen.

Hasta la Vista!
Der Name für das neue Redmonsche Betriebsystem könnte nicht treffender gewählt sein. Bald gibt es ein freudig und dringend erwartetes Service Pack. In vielleicht 16 bis 20 Monaten folgt dann noch ein zweites Service Pack. Und dann – so meine Prophezeiung – wird Vista sang- und klanglos dem Datenschredder zugeführt werden. Schon jetzt schielt die Meute gierig auf den Nachfolger: Vienna muss es richten. Einen weiteren Tiefschlag kann und darf sich Microsoft nicht mehr erlauben.

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3 Antworten zu Microsoft Vista nur ein weiteres Windows ME?

  1. Linuxhasser 5. Oktober 2007 um 16:05 #

    Das Ganze wurde hier sehr oberflächlich betrachtet! Ich nutze Vista jetzt seit einigen Monaten und habe nichts schlechtes zu berichten! Vista mit ME zu vergleichen ist falsch und zeugt von Unkenntniss.

    ME war nur eine aufgefrischte Version von 95 und hat keine technischen Neuerungen geboten.
    Vista hingegen ist an einigen Stellen völlig überarbeitet worden. Vista ist der technisch größte Sprung, den Windows überhaupt mitgemacht hat. Darum auch die anfänglichen Probleme mit fehlenden Treibern und der Kompatibilität mit alter Software.
    Mittlerweile gibt es für meine gesamte Hardware Vista Treiber, und das System läuft auch recht stabil und schnell.

    Vergleicht man die Performance mit XP so ist Vista selten schneller aber auf keine Fall langsamer, wenn das System Potent genug ist. Dafür bootet es schneller und läd die Programme im Speicher vor. Es fühlt sich einfach schneller an. Und sieht besser aus. Wen die UAC stört, kann sie abschalten. Dann funktioniert das System halt wie bei XP. Im normalen Betrieb stört die UAC aber kaum.

    Und den erlichen Kunden (bzw. den fähigen Nichtkunden) stört die Lizenzprüfung auch nicht. Man hat ja nichts zu befürchten, oder?

    Also gerade als Entwickler sollte man die Leistung von M$ zu schätzen wissen.
    Wenn das Servicepack kommt, werden sicher noch mehr Leute umsteigen, gerade wenn auch neue Hardware ansteht.

    Wer ein Betriebssystem nieder macht, sollte es auch mal benutzt haben!

    Hasta la Vista.

  2. Vistahasser 7. Oktober 2007 um 18:10 #

    Der Typ von verbloggt hat ganz Recht. Zwar hinkt der Vergleich zu Windows ME ganz gewaltig, aber Parallelen lassen sich durchaus ziehen.
    Wofür hat M$ nochmals 6 Jahre Entwicklungszeit benötigt? Um neue Icons und eine DX10-Oberfläche zu bauen? Oder hat man wiklich 6 Jahre für das neue Treibermodell gebraucht? Und für UAC benötigt man auch nicht so lange.

    Was bei Vista am Ende rausgekommen ist, ist ein fauler Zauber. Viel hübsche Verpackung aber wenig Innovatives. Selbst fürn Netzwerkeinsatz bringt Vista wenig Neues. Dafür gibts den Käse nun in 6 unterschiedlichen Versionen: mit Löcher, ohne Löcher, mit Geschmack, oder geschmacklos.

  3. W2k-Lover 30. Dezember 2010 um 15:45 #

    Eines ist doch klar: Vista ist jetzt schon so gut wie tot. (2010)
    MS hat sich selbst nen Knieschuss verpasst damit.

    Windows 7 mag zwar das bessere Vista sein, aber dennoch gehts in die falsche richtung. Für Liebhaber von KLICKI-Bunti ist Windows 7 das Highlight, der Orgasmus schlechthin. Für Leute, die wissen, wie man nen PC wirklich benutzt, tut es XP oder 2k heute immer noch. ME ist scheisse. Das merkte man doch: Windows 2000 Pro und Neptune? Neptune war nix. Also muss man doch irgendwas rausbringen? ME! Für die Leuts @ home. Man nehme Windows 98 SE, macht es im Look von 2000 Pro, baut ein paar Fehler ein und bringt es raus. Anstatt die eigentliche Verschmelzung von DOS und NT direkt zu machen mit 2k. MS weiss eben nicht mehr, genau wie viele andere, was es machen soll. Das sieht man ja heute. Und Windows 8, 9 10, xxx 12123 wird noch viel viel besser. Für Freaks des Klickibuntischrotti.

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