Metropolen: Berlin, rumms rumms Unsinn über eine Hauptstadt

Spiegel-Online ist bekannt für seine journalistisch hochwertigen Artikel. Da ist es umso auffälliger, wenn sich mal ein absolut dilettantischer Bericht auf die Online-Ausgabe verirrt. Im Original zu finden unter http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,475710,00.html
(Metropolen: Berlin, Sinfonie einer Hauptstadt).

Was den Autor Matthias Matussek bei seinem Artikel geritten hat, wird wohl auf Ewigkeit ein Rätsel bleiben. Rumms rumms. Inhaltlich wertvolles bietet der Text nicht. Ein paar lieblos zusammen getragene Fakten sorgen für ein bisschen Professionalität. Doch diese wenige Details haben weder einen ernsthaften Bezug zum Artikel, noch bereichern Sie das Werk sonderlich. Rumms rumms.

Man fragt sich spätestens nach dem zweiten „Rumms rumms“, was uns der Autor damit sagen möchte. Herr Matussek versucht zwar den Ausdruck mit Hilfe von Technogehämmer und mit einer Erinnerung an Döblins Großstadt-Epos „Berlin Alexanderplatz“ zu erklären. Doch im Gehirn möchte die Argumentation nicht so richtig rumms machen.

Die Sinfonie der Großstadt Berlins muss man wohl zwischen den Zeilen suchen. Eine gelungene Hommage liest sich anders.

Berlin ist, laut Aussage aus dem Artikel, „ein Trainingsgelände für Wurzellose“. Berlin ist der Hort einer Migrantengesellschaft. Seit 1991 haben 1,6 Millionen die Stadt verlassen und 1,66 Millionen sind nach Berlin gezogen. Ein klares Indiz für Migration!?
Pro Jahr verlassen ca. 100.000 Berliner die Stadt und ebenso viele ziehen in die Metropole. Pro Jahr sind dies allerdings nur 6 Prozent der Bevölkerung Berlins (3,6 Mio.). Wenn man weiter bedenkt, wie viele Studenten sich jährlich an den Berliner Hochschulen einschreiben und damit ihren Wohnort nach Berlin verlegen, erscheint die Zahl der Umzüge noch weitaus irrelevanter.

Und immer wieder macht es rumms zwischen den Zeilen. Fasst erschleicht einen das Gefühl, hier wird ein Google-Test absolviert. an welcher Stelle im Index erscheint die Internetseite des Spiegel-Online-Artikels, wenn man nach „rumms“ sucht.

Viel erfährt man über den Club „Weekend“. Ebenso viel erfährt man auch über seinen Besitzer Herrn Melzer. Doch was hat dies mit einer Sinfonie der Großstadt Berlins zu tun? Man vermisst im Artikel eindeutig den wahren Flair der Stadt. Kein Wort wird verloren über den (neuen) Boom der Musikrichtungen Jazz und Reggae. Unerwähnt bleibt auch die Atmosphäre Berlins im Sommer; unzählige Parks locken die Menschen zu Tausenden nach draußen.

Rumms, da ist ja noch der Technoclub „Weekend“. Wer nach dem Wegzug der Loveparade immer noch nicht gemerkt hat, dass es in dieser riesigen Metropole auch noch etwas anderes gibt außer Techno, der sollte dringend mal eine Touri-Clubtour machen. Und rumms, es gibt auch noch andere „Berufe“ außer Künstler, DJ oder Laptop-Unternehmer.

Müsste man über den Artikel eine literarische Zusammenfassung abliefern, so könnte man in einem Einzeiler schreiben: Herr Matussek zeigt den Blick aus dem „Weekend“-Club am Alexanderplatz und tituliert in knappen Worten dessen jüdischen Besitzer Herr Melzer.

Inhaltlich ist der Artikel eine langweilige 4,0. Literarisch gesehen muss man sich ernsthaft fragen, was Herrn Matussek im „Weekend“-Club ins Glas geschüttet wurde. Und wer auf die Idee kam, den Artikel mit „Berlin, Sinfonie einer Hauptstadt“ zu betiteln, hat den Feierabend wohl näher vor Augen gehabt, als das Manuskript zum Artikel.
Mein Vorschlag: „Weekend-Rumms in Berlin“. Mehr ist es auch nicht.

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