Je größer die Enthüllung, desto kleiner der Aufschrei

Ob Wikileaks mit seinen Veröffentlichungen zum Cablegate oder die jetzt bekannt gewordenen Offshore-Leaks: je umfangreicher und außergewöhnlicher die Enthüllung, desto kleiner der damit verbundene Aufschrei.

Die Liste von umfangreichen Informationssammlungen speziell der US-Regierung, der Geheimdienste und von internationalen Großkonzernen ist lang. Irak-Krieg, Watergate, Cablegate, Offshore-Leaks und auch die Veröffentlichungen zu PRISM oder die Global-Intelligence-Files. Mal geht es „nur“ um ein paar Hunderttausend Dokumente, mal sind es mehrere Millionen. Mal betrifft es einen kleinen Kreis von Firmen, ein anderes Mal die ganze Armee und wieder ein anderes Mal jeden zweiten Internetnutzer.

Die in die Veröffentlichungen involvierten Verlage hätten für die nächsten 10 Jahre Material für ihre tägliche Berichterstattung, würden sie jeden Fall genauer unter die Lupe nehmen. Meist sind es immer die selben Medien, welche über die Leaks berichten: The Guardian, der Spiegel, NDR (ARD), L’espresso oder die Washington Post; um nur die prominentesten zu erwähnen. Die Sichtung der teilweise millionenfachen Datensätze ist mit einer Herkulesaufgabe zu vergleichen und manches Detail wird dabei unter den Tisch fallen.

Meine Kritik richtet sich nicht an die Verlage und Zeitungen, welche bei den Enthüllungen journalistisch bis ans Äußerste gehen. Der Verriss geht eher in Richtung Politik und Gesellschaft. Alle zucken mit den Schultern und man hört höchstens ein „Who cares?“ Denn das meiste aus den Enthüllungen betrifft die Europäer und speziell die Deutschen nicht oder nur tangential. Es ist eher ein Problem der internationalen Verflechtungen und der global agierenden Unternehmen.

Die Enthüllungen zu PRISM zeigen es mehr als eindrucksvoll. Obwohl eigentlich so gut wie jeder Nutzer von Google, Facebook oder Microsoft von der Überwachung betroffen ist, bleibt der Aufschrei unverhältnismäßig klein. Es werden die üblichen Bemerkungen gemacht wie „das war schon vor 10 Jahren klar“ oder „man kann eh nichts dagegen machen„. Doch, man kann.

Man kann Dienste von Google oder Facebook und selbst Produkte von Microsoft boykottieren. Eventuell wäre gar keine völlige Abkehr notwendig sondern nur ein Verzicht von vielleicht 4 Wochen. Der finanzielle Schaden wäre auch bei einem kleinen Protest für die betroffenen Firmen enorm. Und da die NSA offensichtlich ohne richterlichen Beschluss die Daten gesammelt hat, sollte man sich genau überlegen, was und vor allem wem man seine persönlichen Daten anvertraut.

Und man kann sich an Demonstrationen beteiligen. Denn auch in Deutschland soll die Überwachung ausgeweitet werden. So plant der Bundesnachrichtendienst (BND) pro Jahr 20 Millionen zusätzlich in die Internet-Überwachung zu investieren. Wo mehr überwacht wird, fallen mehr Daten an und gibt es im Extremfall auch wieder mehr zu enthüllen. Früher sind die Leute wegen der Stasi auf die Straße zum Demonstrieren. Und heute? Offenbar hat uns der Wohlstand behäbig gemacht; das wissen auch die Regierenden.

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