Ein Amoklauf und die Reaktionen

Zum wiederholten Male hat es einen schrecklichen Amoklauf an einer deutschen Schule gegeben. Der 17-Jährige Tim K. hat an der Albertville-Realschule in Winnenden ein schreckliches Blutbad angerichtet und im Gesamten 15 Menschen erschossen. Was trieb ihn zu der Tat? Was waren seine Motive? Dies ist die Frage, welche momentan in allen Medien gestellt wird. Und wie hätte die Tat verhindert werden können.

Die Frage nach einer Verhinderung einer solchen Tat ist bedeutungslos. Ein Amoklauf lässt sich nicht verhindern. Doch die Politiker waren in ihren ersten Reaktionen schnell zur Stelle. Einige betonten, unter Blick auf die USA, dass die deutschen Schulen zu Hochsicherheitszonen umgewandelt werden sollten: Kameraüberwachung und Wachleute. Solche Maßnahmen können jedoch solch geplante Taten nicht verhindern sondern nur dafür sorgen, dass die Attentäter sich noch genauere Gedanken machen, wie sie ihren Amoklauf verüben können. Mit dem Einsatz von Überwachungskameras und Wachleuten wird nicht an der Ursache zu solchen Taten gearbeitet sondern nur kosmetische Prävention betrieben.

Viele Medien hatten darüber hinaus schnell die wahren Ursachen gefunden: Tim K. muss ein Waffennarr gewesen sein, der sein Glück in Killerspielen – so genannten First-Person-Shootern – suchte.  Findige Psychologen machten darüber hinaus noch andere Ursachen ausfindig: Unzufriedenheit im familiären sowie schulischen Umfeld, Abschottung von der Gesellschaft und übertriebener Medienkonsum. Doch wenn man ehrlich zu sich ist und reflektiert in die Vergangenheit schaut, stellt man fest, dass die Jugendlichen schon früher von ähnlichen oder den selben Symptomen betroffen waren. Dies ist kein neues Phänomen.
Auch früher waren schon viele Jugendliche frustriert oder wurden von ihren Eltern verhätschelt. Doch früher hätte keiner so schnell zur Waffe gegriffen und eine Schule gestürmt. Vor allem: weil keiner auf solch eine Idee gekommen wäre.

Tim K. war Mitglied in einem Schützenverein und hat dort Schießübungen absolviert. Macht ihn das zu einem Amokläufer? Mitnichten. Die Teilnahme an einem Schützenverein wird als Sport verstanden und auch sportlich betrieben. Im Umkehrschluss könnte man jeden Teilnehmer eines Karateclubs zum Massenschläger erklären.
Auch dass sein Vater ein Waffennarr sein soll (15 Waffen und über 4000 Schuss Munition) führen nicht zwangsweise zum Motiv für den Amoklauf. Andere sammeln Messer oder Schwerter, würden aber nie auf die Idee kommen, damit Menschen zu ermorden.

Auf dem PC von Tim K. wurde das Spiel „Counterstrike“ gefunden. Die Killerspiele werden gern als Begründung für eine solche Tat heran gezogen. Doch auch dies hält einer brauchbaren Erklärung nicht stand. Weltweit spielen mehrere Millionen Jugendliche diese First-Person-Shooter. Wir müssten daher viel öfters von solchen Amokläufen betroffen sein. Killerspiele sind und bleiben eine beliebte Freizeitbeschäftigung.
Ein Jugendlicher, welcher einen Chemiebaukasten von Kosmos geschenkt bekommt, wird nicht automatisch morgen zum Hasardeur und bastelt sich seine eigene Massenvernichtungswaffe.

Die Frage nach dem Warum.

Ich habe meine ganz eigene Vermutung, wieso es immer häufiger zu solchen Amoktaten kommt. Ich suche die Schuld bei den Medien. Eine Bluttat wie diese wird bis auf den letzten Tropfen Blut und die letzte vergossene Träne ausgeweidet. Auf allen Kanälen kann man den Täter und seine Tat betrachten und sich in Analysen vertiefen.
Vielleicht ist es der mediale Hype, welcher die Jugendlichen zu diesen Taten treibt: einmal ganz groß rauskommen. Einmal im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und der gesamten Bevölkerung stehen. Was bei anderen Attentätern funktioniert hat, kann auch dem frustrierten Jugendlichen als „rettende Glückseeligkeit“ dienen. Die Medien werden ihr übriges tun und tage- bzw. wochenlang von dieser schrecklichen Tat berichten.
Die Attentäter nehmen dabei den Freitod billigend in Kauf; denn die damit zu erreichende Aufmerksamkeit ist stärker als die Angst vor dem Tod.

Eine Auflistung auf Spiegel-Wissen demonstriert, dass die Attentate in immer kürzeren Zeitabständen erfolgen. Man kann daher davon ausgehen, dass die Schützen sich die Tat zu einem Großteil von ihren „Vorgängern“ abgeschaut haben bzw. es in ihre eigene Planung miteinbeziehen. Was sich dabei erschreckend-perfide feststellen lässt: von mal zu mal wird die Berichterstattung noch reißerischer, noch plakativer und zeigt noch ausführlicher den Schützen und seine Tat. Diese Rechnung geht für den Amokläufer zu 100 Prozent auf. Finale Glücksgefühle welche er mit in den Tod nimmt.

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