Die Finanzkrise ist eine Wohlstandskrise

Der Kapitalismus steht am Abgrund? Wenn es nach den Anhängern der Occupy -Bewegung geht, dann müsste das globale Geldsystem bereits seit gestern tot sein. In Frankfurt marschieren heute wieder Tausende im Bankenviertel. Wozu? Ihnen sind die Mächtigen aus den Finanzzentren zu wider. Sie kritisieren die schamlose Jagd nach Rendite. Sie protestieren gegen ausufernde Managergehälter. Und sie prangern unseren ungezügelten Konsum an. Abseits der Demonstrationen hat das Banken-Casino weiterhin geöffnet und nimmt das Geld von renditehungrigen Anlegern entgegen. Einem Aktiendepot sind solche Scharmützel reichlich egal.

Geld giert nach Macht. Geld benötigt Macht. Und Geld ist in rauen Mengen vorhanden. Das weltweite Geldvermögen wird auf weit über 120 Billionen Dollar geschätzt (ca. 100.000.000.000.000 Euro). Alleine in Deutschland gibt es über 400.000 Millionäre. Die gesamte Occupy-Bewegung hat also rechnerisch weitaus weniger Anhänger als es vermögende Reiche in Deutschland gibt. Krotesk? Vieleicht! Verwunderlich? Kein bisschen.

Am Freitag hatte Facebook sein Börsendebüt. Ganze 16 Milliarden Dollar ist das Unternehmen an der Börse wert. Weil ca. 420 Millionen Aktien einen Abnehmer für 38$/Stück gefunden haben. Hätten wir eine reale Finanzkrise, würde ein IPO anders verlaufen. Das viele Geld auf den Konten der Vermögenden möchte „arbeiten“, sich vermehren. Wir haben keine Finanzkrise. Wir haben allerhöchstens eine Renditekrise.

Die Demonstranten von Occupy oder Blockupy sind in den Augen der Investoren allerhöchstens ein Störfeuer. Die Party auf den Finanzmärkten geht während dessen ungestört weiter. Griechenland raus aus dem Euro? Spanische Banken herab gestuft? Italienische Banken herab gestuft? Alles nur ein Effekt der Renditeoptimierung. Ein wirtschaftlich schwaches Land wie Griechenland stört im Portfolio eines Großinvestors, da es nicht genügend Profite bringt. Spaniern und Italien sind ebenfalls solche Wackelkandidaten, da die dortigen Bürger einfach nicht genug arbeiten (wollen). Die Wirtschaft brummt nicht ausreichend genug.
Wenn man am deutschen Propagandalautsprecher lauscht, hört man aus deutschen Kreisen ganz andere Signale. Die Wirtschaft steht stabil da und immer mehr Menschen haben einen Arbeitsplatz. Diese Aussagen sind im internationalen Vergleich wichtig, weil dies das Staaten-Ranking beeinflusst. Man könnte auch sagen: wir haben die Armut erfolgreich out-gesourced. Sollen lieber die anderen zittern und hungern. Ein soziales Gleichgewicht – auf internationaler Ebene – ist zwar ein schöner Gedanke. Aber in der Realität herrschen leider andere Faktoren.

Die einzig echte Krise die wir haben, ist die zunehmende Umverteilung der Vermögen. Die soziale Ungleichheit wird sich verstärken. Dies trifft nicht nur auf Deutschland zu sondern auch auf per se arme Länder wie Indien. Dort spaltet sich die soziale Gefüge ebenfalls – nur auf einem noch niedrigeren Level wie hier.

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